Kalt - warm - wechselwarm: Die heilende Kraft des Wassers

Wasser ist das älteste Heilmittel der Welt. Innerlich oder äußerlich angewendet, dient es der Reinigung, weckt die Lebensgeister und lindert Beschwerden aller Art.
Seit Jahrtausenden verbinden Menschen überall auf der Welt mit Wasser die Hoffnung auf Gesundheit und Wohlbefinden. "Das Heilen von Krankheiten durch Trinken oder Baden hat eine lange Geschichte", weiß Dr. Martin Pollak von den Berlin-Kölnische Krankenversicherungen. "Schon die alten Griechen und Römer machten sich die Heilkraft des Wassers zunutze." Und frönten einer ausgiebigen Badelust: Immer prächtiger gerieten die römischen Thermen im Laufe der Zeit. Neben einem Schwimmbecken gab es ein Kaltwasserbad, ein Schwitzbad, ein Heißwasserbad sowie Räume für Ärzte und Masseure - Wellness pur.
Badespaß im Wandel der Zeit
Nahezu so luxuriös ging es in den mittelalterlichen Badestuben in Nord- und Mitteleuropa zu, die Männer und Frauen gemeinsam besuchten. Seuchen wie die Pest bereiteten dem Spaß allerdings bald ein Ende. Einen erneuten Boom erlebte das Badewesen im 19. Jahrhundert. Mittels Wasser - unter anderem in Form von kalten Umschlägen - stimulierte Vincenz Prießnitz, ein Landwirt aus Gräfenberg, die Selbstheilungskräfte seiner Patienten. Dank seiner Wasserkuren genasen die Kranken sogar von Typhus und Scharlach.
Im Einklang mit der Natur
Der berühmteste "Wasserdoktor" - ein Laie wie Prießnitz - war zweifellos der Wörishofener Pfarrer Sebastian Kneipp. Er entdeckte wenig später als Prießnitz die Heilwirkung von Güssen, Wickeln und Wassertreten. Kneipps Erfolgsrezept war seine ganzheitliche Sicht von Mensch und Natur. "Körper, Geist und Seele bilden bei Kneipp eine untrennbare Einheit", erläutert Dr. Martin Pollak. "Grundlage seines naturheilkundlichen Systems ist das Zusammenspiel von Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensgestaltung."
Ob kalt, warm oder wechselwarm: Der Oberbegriff "Hydrotherapie" fasst heute alle Anwendungen zusammen, deren Heilerfolge auf dem Temperaturunterschied zwischen Körper und Wasser oder dem äußeren Reiz durch das Wasser beruhen. Jeder hat schon einmal die schnelle und wohltuende Wirkung von Kälte oder Wärme bei einer Verbrennung, einer Prellung oder bei Rückenschmerzen gespürt.
Ziel der Hydrotherapie ist es allerdings, Körperfunktionen langfristig zu verbessern. Das Spektrum möglicher Anwendungen ist breit: Wassertherapien beeinflussen Kreislauf und Nervensystem, körpereigene Temperaturregelung, Stoffwechsel, Hormondrüsen, Atmung, Haut und Gewebe. Sie dienen der Gesunderhaltung wie der Behandlung akuter oder chronischer Leiden.
Heilende Quellen
Anders als die Hydrotherapie nutzt die Balneotherapie natürliche Quellen eines Ortes für Bäder, Trinkkuren und Inhalationen. Deren heilende Wirkung beruht auf einem großen Gehalt an mineralischen und anderen Stoffen oder hohen Temperaturen. Heilende Quellen finden sich auf der ganzen Welt.
Sicher lassen sich mit Wasser allein nicht alle Beschwerden und Krankheiten kurieren - doch viele lindern. Als Lebenselixier und Jungbrunnen sucht das erfrischende Nass jedenfalls bis heute seinesgleichen.
Die gängigsten Wasseranwendungen:
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Güsse: Teil der Kneipp-Kur. Dabei übt ein heißer, kalter oder wechselnder Wasserstrahl an einem bestimmten Körperteil einen Reiz aus. Güsse härten ab und sind gut für Kreislauf, Nervensystem sowie Stoffwechsel.
- Waschungen: Schonende Anwendungen, bei der einzelne Körperteile oder der ganze Körper mit einem groben Tuch feucht abgerieben werden.
- Wassertreten: Bestandteil jeder Kneipp-Kur. Der Patient schreitet langsam durch ein flaches Tretbecken, wobei sich immer nur ein Fuß zurzeit im Wasser befindet. Wassertreten fördert die Durchblutung.
- Wickel und Auflagen: Heiße, kalte oder lauwarme Umschläge oder Packungen, die einen Körperteil des liegenden Patienten umhüllen. Wadenwickel beispielsweise senken Fieber.
- Wechselbäder: Einzelne Körperteile werden abwechselnd in warmes und kaltes Wasser getaucht. Wechselbäder trainieren Herz und Kreislauf und steigern die Durchblutung.
Autor/Quelle: Gothaer
