Warum haben wir im Flugzeug häufig Druck auf den Ohren?

Unser Körper ist beim Fliegen einem Druck von circa 0,6 bar ausgesetzt. Das entspricht ungefähr den Druckverhältnissen beim Bergsteigen auf 2.000 bis 2.500 Meter Höhe. Auf der Erde liegt der Luftdruck bei 1 bar. Beim Starten und Landen muss unser Ohr diese unterschiedlichen Druckverhältnisse ausgleichen.
Der Ausgleich findet in der so genannten Ohrtrompete des Mittelohres statt. Sie verbindet das Mittelohr mit dem Nasen-Rachen-Raum. Sobald sich die Ohrtrompete, auch Tube genannt, öffnet, kann der Druckausgleich stattfinden.
Daher empfehlen Stewardessen, beim Start und bei der Landung Kaugummi zu kauen oder zu gähnen. Diese intensiven Kieferbewegungen sorgen dafür, dass sich die Tube öffnet.
Tatsächlich wirkt aber diese einfache Maßnahme bei rund einem Drittel der Passagiere nicht. Das kann daran liegen, dass die Schleimhäute durch Erkältungen oder die trockene Luft von Klimaanlagen angeschwollen sind und eine Art Vakuum entsteht.
Bei Kindern ist die Ohrtrompete noch nicht ganz ausgebildet, daher kann es bei ihnen ebenso wie bei Erwachsenen zu einer schmerzhaften Trommelfellwölbung kommen. Im Extremfall kann das Trommelfell durch den erhöhten Druck sogar einreißen oder bluten, diese extreme Form des mangelnden Druckausgleiches nennt sich "Barotrauma".

Was hilft sonst noch?

Solche Schäden lassen sich durch den so genannten Valsalva-Versuch vermeiden. Dieser Pressdruck-Versuch wird auch von Tauchern angewendet und hilft, den Unterdruck im Mittelohr auszugleichen. Dabei werden Mund und Nase fest geschlossen. Gleichzeitig versucht der Fluggast kräftig auszuatmen. Dabei erhöht sich der Druck in den Atemwegen, und die Druckverhältnisse kommen wieder in Balance.
In Fachgeschäften gibt es einen speziellen Ohrenschutz, der ähnlich wie die Stöpsel zum Lärmschutz direkt in die Ohrmuschel eingeführt wird. Dieses in den USA entwickelte Filtersystem wirkt wie ein Ventil: Es sorgt für einen "entschleunigten" und gleichbleibenden Druckausgleich.
(dgk)