Der erste Herzkatheter
Heute ist sie gang und gäbe, die Untersuchung mit einem Herzkatheter. Aber so alt ist die Geschichte des Herzkatheters noch gar nicht. Gerade mal 74 Jahre ist es her, dass sich ein junger Assistenzarzt selbst einen langen, dünnen Katheter von einer Armvene aus bis in den rechten Vorhof seines Herzens schob und das Ganze mit einem Röntgenbild dokumentierte.
Der Assistenzarzt hieß Werner Forßmann (1904-1979) und gilt heute als Pionier der Herzkathetertechnik. Er war es auch, der als erster bewies, dass das menschliche Herz gefahrlos mit Kontrastmittel gefüllt werden konnte.
Doch der Erfolg blieb ihm damals erst einmal versagt, denn obwohl ihm die populäre Presse applaudierte, wurde er von der medizinischen Einrichtung für verrückt und tollkühn erklärt. So meinte der berühmte Chirurg Ferdinand Sauerbruch dazu: "Mit solchen Kunststücken habilitiert man sich im Zirkus und nicht an einer anständigen deutschen Klinik."
Enttäuscht wandte sich Forßmann von der Herzforschung ab und widmete sich fortan der Urologie. Aber als Jahre später die US-amerikanischen Wissenschaftler André Frédéric Cournand und Dickinson William Richards anfingen, die Herzkatheteruntersuchung am Menschen zu erforschen, fiel ihnen der Artikel Forßmanns über seine Selbstversuche in die Hände. Sie zitierten Forßmann daraufhin in ihrer ersten Veröffentlichung. Das führte dazu, dass nicht nur Cournand und Richards 1956 den Nobelpreis für ihre Arbeiten bekamen, sondern auch Forßmann - und dieser damit endlich die gebührende Anerkennung für seine wagemutigen und bahnbrechenden Experimente erhielt.
