Geschichte der Brille
"Des Mittags, als es zwölfe war, setzt sich zu Tisch der Herr Aktuar. Er schaut bedenklich, ernst und stille, die Suppe an durch seine Brille. Und durch die Brille, scharf und klar, entdeckt er gleich ein langes Haar. "Nun!" - sprach die Frau - "das kann wohl mal passieren! Hast Du mich lieb, so wird´s Dich nicht genieren!"
Ohne die Sehhilfe hätte Herr Aktuar aus Wilhelm Busch´s Geschichte das Haar in der Suppe vielleicht nie entdeckt. Rund 70 % der Bevölkerung sind fehlsichtig und benötigen Brillen oder Kontaktlinsen, damit Ihr Sinnesorgan Auge wieder alle einströmenden Informationen richtig wahrnehmen kann. Die Erfindung der Brille ist ein Segen. Wagen wir einen Blick in die Geschichte....
Erste Aufzeichnungen
Der römische Rechtsgelehrte Cicero (106-43 v. Chr.) beklagte sich in einem Brief an seinen Freund Attikus über die Abnahme seines Sehvermögens, und dass er sich von Sklaven vorlesen lassen müsse. Offenbar waren Sehhilfen zu dieser Zeit noch nicht bekannt.
Plinius (23-79 n. Chr.), römischer Schriftsteller, erwähnte die Vergrößerungswirkung einer wassergefüllten Glaskugel. Dieser Erkenntnis folgte jedoch nicht der Durchbruch.
Vom Beryll zur Brille
Mönche des Mittelalters entwickelten nach den Theorien eines arabischen Mathematikers einen Lesestein. Diese halbkugelig geschliffene Linse, die Schrift vergrößerte, bestand häufig aus Halbedelsteinen, sogenannten Beryllen. Ein aus Beryll geschliffener Lesestein wurde "Brill" genannt, zwei "Brille". Eine Brille zu besitzen war im Mittelalter gleichbedeutend mit : "viel wissen, gelehrt sein".
Ende des 13. Jahrhunderts wurden erstmals Augengläser gefertigt. Die venezianische Glasbläserstadt Murano darf sich als Geburtsort der Brille bezeichnen. Diese Lesehilfen mussten jedoch noch von Hand auf der Nase festgehalten werden. Viele hundert Jahre später, erst nach ca. 1850, nahmen die Brillen die Form an, die wir heute noch kennen.
Bonjour lunettes, adieu fillettes
"Guten Tag Brillchen, lebewohl Mädchen". Mit diesem Satz lehnten die Franzosen alles, was mit der Brille zu tun hatte, ab. Galt die Brille in Spanien als Indiz für Gelehrsamkeit, so stand sie in Frankreich für hohes Alter. Auch Goethe gefiel sich gar nicht mit Sehhilfe: "So oft ich durch eine Brille sehe, bin ich ein anderer Mensch und gefalle mir nicht."
