Führt Kälte wirklich zu Erkältungen?

Vor über 50 Jahren sollte ein Experiment belegen, dass Erkältungen etwas mit Kälte und Frieren zu tun haben. Es scheiterte. Eine niedrige Umgebungs- und Außentemperatur führt nicht automatisch zu einer Erkältung oder einem Infekt. Sonst würden wir alle während eines kalten Winters ständig krank sein.

Eine weitere Tatsache spricht gegen den Zusammenhang von Kälte und Erkältung. Die meisten Krankheitserreger sind ziemlich empfindlich gegen Kälte - in der Arktis oder Antarktis kommt es viel seltener zu Erkältungskrankheiten als in gemäßigten Breiten. Zu einer Erkältung bedarf es also eines Krankheitserregers und nicht nur kalter Temperaturen.

Geschwächte Immunabwehr

Allerdings treten Erkältungen tatsächlich in der kalten Jahreszeit häufiger auf als im Sommer. Warum ist das so? Viren können sich unter den Bedingungen im Winter besonders schnell verbreiten. Die Häufung von Erkältungen im Winter ist auf die erhöhte Keimzahl in den Räumen zurückzuführen. Dazu kommt noch, dass wir uns die meiste Zeit in schlecht belüfteten, beheizten Räumen aufhalten. Die Schleimhäute trocknen aus, Erreger haben so ein leichteres Spiel.

Sind bereits Krankheitskeime im Körper, kommt es bei niedrigen Außentemperaturen eher zu Erkrankungen als im Sommer. Denn durch Kälteeinwirkung wird die Immunabwehr des Körpers etwas herabgesetzt, so dass Krankheiten durch bereits vorhandene Erreger leichter ausgelöst werden können.

Wieso frösteln wir vor einer Erkältung?

Die Empfindung einer Unterkühlung entsteht typischerweise kurz vor der Entwicklung von Fieber, das den übrigen Krankheitssymptomen vorausgeht. Wenn Menschen frösteln, führen sie eine Erkältung gerne auf die Kälte zurück. Es ist jedoch gerade umgekehrt: Ein Mensch, der sich erkältet hat, fängt an zu frieren – dies ist also das Ergebnis und nicht die Ursache der Erkrankung.