Kann ein BH die Entstehung von Brustkrebs begünstigen?

In regelmäßigen Abständen geistert diese These durch die Medien. Bis heute herrscht Verwirrung bei Frauen, die Behauptung ist nicht mehr verstummt. So wird in Internetforen diskutiert und gerätselt. Neuerdings ist auch zu hören, dass bei Nacht anbehaltene BHs die Gefahr für Brustkrebs erhöhen.

Die Geschichte des BHs

Vor über einhundert Jahren wurde der Büstenhalter in Frankreich erfunden. Während der Emanzipationsbewegung der Frauen in den siebziger Jahren galt es als "Befreiung“, keinen BH zu tragen. Das Kleidungsstück galt gar als Symbol der Unterdrückung und Disziplinierung der Frau. Ungefähr zu dieser Zeit tauchten auch die ersten Berichte auf, nach denen BHs durch einschnürende Wirkung Krebs verursachen könnten.

Medizinische Meinung

Für die angeblich so schädliche Unterwäsche wurde sogar eine medizinische Erklärung gefunden: Demnach würden BHs Lymphbahnen abdrücken, sodass Stoffwechselschlacken nicht abgeleitet werden könnten. Dass dies aus medizinischer Sicht Unsinn ist, hat die Verbreitung des Gerüchts nicht behindert.

Prof. Dr. Volker Barth vom Institut für Mammodiagnostik in Esslingen sagte in MEDIZIN-WELT: "Der BH hat keinerlei Einfluss auf die Entstehung von Brustkrebs, weder bei kleinen, noch bei großen, noch bei operierten Brüsten in jedweder Form. Das vermeintliche Brustkrebsrisiko durch den BH geistert seit 35 Jahren in regelmäßigen Abständen von ein bis zwei Jahren durch die Medien, ohne dass jemand eine Erklärung hierfür hätte. Gleiches gilt für Deodorantien u.ä. Durch den BH passiert effektiv nichts."

Die Ursache der Spekulationen

Da Mädchen und Frauen mit großen Brüsten häufiger Büstenhalter tragen als ihre kleinbrüstigeren Geschlechtsgenossinnen, wurde der Zusammenhang der Brustgröße bei jungen Frauen und einem späteren Auftreten von Brustkrebs untersucht. Denn gerüchteweise hieß es auch, dass Mädchen mit großem Busen das höchste Risiko tragen, weil sie bereits früh zu einengenden Büstenhaltern gezwungen werden. Belegen ließ sich auch dieser Zusammenhang nicht.

Es ist jedoch bekannt, dass hormonelle Risikofaktoren und die schwierigere Früherkennung von Erkrankungen bei großen Brüsten die Gründe für das leicht erhöhte Brustkrebsrisiko bei Frauen mit großer Oberweite ist. Büstenhalter selbst haben jedoch auch bei diesen Frauen keinen nachweisbaren Einfluss auf die Entstehung einer Krebserkrankung.