Können Zeichentrickfilme Epilepsien auslösen?

Ein wahrer Alptraum ereignete sich 1997 in Japan, als plötzlich ein Kinderzeichentrickfilm bei hunderten von Kindern epileptische Anfälle auslöste. Doch war das alles nur ein Zufall oder sind japanische Zeichentrickserien eine Gefahr für die Gesundheit?
Wie alles begann…
Als 1996 die kleinen, knuddligen Pokémons in Form eines Gameboy-Spiels das Licht der Welt entdeckten, wusste noch niemand, welchen Erfolg die Fantasiewesen haben würden. Vor allem bei Kindern im Grundschulalter kamen das Spiel und andere Fan-Artikel besonders gut an. 1997 flimmerten dann die ersten Folgen der gleichnamigen Zeichentrickserie über den Bildschirm. Doch schon kurz nach Start der Serie erlitten hunderte Zuschauer (überwiegend Kinder) epileptische Anfälle und mussten vorübergehend ins Krankenhaus.
Was war passiert?
Die epileptischen Anfälle während der Serie waren auf schnelle Farb- und Hell-Dunkel-Wechsel zurückzuführen, die in der verantwortlichen Szene gezeigt wurden. Nicht nur Menschen mit epileptischen Vorgeschichten sondern auch Menschen, die vorher epileptisch unauffällig waren, waren betroffen.
Der japanische Verband der Fernsehindustrie reagierte sofort und nahm die Serie vorübergehend aus dem Programm, um sie überarbeiten zu lassen.
Medizinische Hintergrundinformationen
Epilepsien gehören zu den häufigsten Funktionsstörungen des Gehirns. Dabei führen spontane Entladungen der Nervenzellen zu vielfältigen Anfallserscheinungen. In Deutschland sind etwa 400.000 bis 800.000 Menschen betroffen.
Als Ursachen gelten z.B. nachweisbare Hirnschädigungen (Fehlbildung, Narbe, Tumor) oder erbliche Veranlagungen. Eine andere Ursache kann aber auch Flackerlicht sein. In diesem Fall spricht man von Photosensibilität. Betroffene können z.B. durch Lichteffekte in der Disco Anfälle erleiden.
Tipps für Epileptiker mit Photosensibilität
Menschen mit epileptischer Vorgeschichte sollten beim Fernsehen immer darauf achten, einen Abstand von mindestens zweieinhalb Metern zum Gerät einzuhalten und den Raum nicht zu verdunkeln. Außerdem haben neuere Fernsehgeräte eine höhere Bildwiederholung pro Sekunde (100 Herz) als alte Fernsehgeräte und sind deshalb für photosensible Menschen zu empfehlen.
Fazit
In dem geschilderten speziellen Fall lösten die Zeichentrickserie tatsächlich epileptische Anfälle aus. Die Serie wurde aber überarbeitet und stellt heute keine Gefahr mehr für Kinder und Erwachsene dar. Da Gutachter auch alle anderen Filmmaterialien nach verdächtigen Licht- und Farbmustern absuchen und es inzwischen auch Computerprogramme gibt, die für die Nachbearbeitung von Filmen eingesetzt werden, können Kinder und Erwachsene Filme ohne Ängste genießen.
