Das EU-Bio-Siegel

Apfel mit Bio-Etikett
© Angelo Esslinger

Wer in der EU beim Einkauf auf ökologische Lebensmittel achtet, muss sich oft durch einen Dschungel von Gütesiegeln und Bezeichnungen rund um Öko- oder Bio-Produkte kämpfen, ohne zu wissen, was sich genau dahinter verbirgt. Um Klarheit für den Verbraucher und Einheitlichkeit auf dem europäischen Lebensmittelmarkt für Bio-Produkte zu schaffen, hat die EU im Juli 2010 ihr eigenes Öko-Siegel eingeführt.

Das Öko-Siegel der EU

Das aus weißen Sternen geformte Blatt auf grünem Hintergrund soll Lebensmittel kennzeichnen, welche nach einer EG-Öko-Verordnung hergestellt wurden. Irgendwann, so die Hoffnung, wird eine Vielzahl verschiedener Öko-Siegel verschwinden und nur noch das EU-Siegel gelten.

Doch damit ist vorerst nicht zu rechnen. Denn die Gütezeichen von Anbauverbänden sowie Handelsketten sind mittlerweile nicht nur erfolgreiche Marken, sondern stehen oft auch für ein Mehr an Bio.

Öko und Bio: Geschützte Begriffe

Die gute Nachricht für alle Verbraucher ist: Wo "Öko" drauf steht ist auch "Öko" drin. Als Begriff ist ebenso wie "Bio", "biologisch" oder "ökologisch" von der EG-Öko-Verordnung geschützt und darf nur dann verwendet werden, wenn das Produkt zu 95 Prozent aus biologischen Zutaten erzeugt wurde.

Lebensmittel aus "kontrolliertem Anbau" hingegen erfüllen nicht automatisch die EG-Öko-Verordnung. Ähnliches gilt für irreführende Begriffe wie "naturgedüngt", "umweltverträglich" oder "unbehandelt".

Vielzahl an Bio-Siegeln

Weil Bezeichnungen alleine also nicht immer einen Hinweis darauf geben, ob es sich tatsächlich um Öko-Produkte handelt, sollten Kunden auf aufgedruckte Gütezeichen achten. Dabei unterscheidet man zwischen den Siegeln von Anbauverbänden wie Bioland, Demeter oder Biopark sowie den vielen Bio-Eigenmarken von Supermärkten.

Während bei den Verbänden darauf vertraut werden kann, dass Lebensmittel ausschließlich von Verbandsmitgliedern stammen, kann die Herkunft von Zutaten bei Produkten mit Biomarke nicht mehr zweifelsfrei nachvollzogen werden. Garantiert ist aber dennoch, dass solche Produkte mindestens nach den EU-Öko-Richtlinien hergestellt wurden.

Bio-Siegel in Deutschland

Allein in Deutschland gibt es weit über 100 Bio-Siegel. Um diesen Gütezeichen-Dschungel etwas zu lichten, führte 2001 die damalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast das heute bekannteste deutsche Öko-Siegel ein: Das wabenförmige "Künast"-Siegel vom Staat. Obwohl es das meist genutzte Bio-Siegel auf dem deutschen Markt ist, konnte es andere Öko-Label und Bio-Marken nicht verdrängen.

Grund dafür sind die wesentlich strengeren Auflagen von Anbauverbänden und Supermarktketten bezüglich ihrer ökologischen Herstellung. So ist bei den meisten Verbänden zum Beispiel vorgeschrieben, dass der gesamte Herstellerbetrieb ökologisch wirtschaftet. Um das EU-Siegel zu erhalten, reicht hingegen schon eine ökologische Teil-Bewirtschaftung aus. Auch beim Tierschutz oder Futtermittelerzeugung haben Verbände oft höhere Standards als sämtliche Vorgaben der EU verlangen.

Strenge Kontrollen bei Bio-Produkten

Für Anbauverbände und Händlerketten sind ihre Siegel zu einem wirtschaftlichen Gut geworden, welches das Vertrauen der Konsumenten besitzt. Um Marken und den Verband nicht zu schädigen, werden auch deutlich strengere Kontrollen durchgeführt. Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Überprüfungen checken Verbände darum zusätzlich verbandsintern die Qualität ihrer Erzeugnisse.

Auch diese Maßnahme trägt zur Vertrauensbildung bei, sodass davon auszugehen ist, dass in Zukunft neben dem EU Bio-Siegel verschiedene Logos weiterhin auf den Produkten zu finden sein werden.

Herkunft von Bio-Produkten

Immerhin wird die Herkunft der Zutaten von Lebensmitteln zumindest etwas transparenter. Mit der Einführung des neuen EU-Logos wird ab sofort eine Kennzeichnung verpflichtend, welche Auskunft darüber gibt, ob ein Produkt vollständig, teilweise oder gar nicht aus der EU kommt. Nur wenn alle Zutaten aus einem einzigen Land stammen, kann das Herkunftsland aufgeführt werden.

Gerade darauf sollte der Verbraucher jedoch ein Auge haben. Denn Bio-Joghurt mit importierter Milch aus Frankreich sowie eingeflogenen Früchten aus Spanien ist auch bei artgerechter Tierhaltung und ungespritztem Obst nicht wirklich ökologisch. Außerdem büßen Lebensmittel bei langem Transport sowie Ernte im unreifen Zustand nicht unerheblich an Qualität ein.

Aktualisiert: 27.06.2017
Autor*in: Astrid Zehbe

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