Gen-Food - endlich mit "Ausweispflicht"

Endlich ist es soweit, das EU-Parlament hat strengere Vorschriften zu gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln erlassen. Dank der EU-Verordnung müssen diese in Zukunft für den Verbraucher deutlich erkennbar gekennzeichnet sein, und zwar mit Hinweisen wie "gentechnisch verändert" oder "genetisch verändert". Die neuen strengeren Vorschriften werden wahrscheinlich im Spätherbst 2003 rechtskräftig. Der Wirtschaft wurde noch eine Übergangsfrist von sechs Monaten eingeräumt, danach werden Verstöße bestraft.

Was sieht die Verordnung vor?

Nach der neuen Verordnung müssen alle gentechnisch hergestellten und veränderten Produkte gekennzeichnet werden, deren Anteil an gentechnisch veränderten Organismen (GVO) mehr als 0,9 Prozent beträgt. Hierunter fallen auch Lebensmittel, in denen nur Teile des Ausgangsprodukts gentechnisch verändert wurden. Und es gilt auch dann, wenn die Manipulation nicht mehr nachweisbar ist, wie z.B. bei Öl aus Gen-Soja

. Insgesamt gelangt der größte Teil der gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU ins Tierfutter. Auch dieses soll gekennzeichnet werden. Dann können die Landwirte künftig wählen, ob sie ihre Tiere mit gentechnisch veränderter Nahrung füttern wollen oder nicht. Ausgenommen sind aber weiterhin das Fleisch, Milch oder Eier von Tieren, die gentechnisch manipulierte Futtermittel erhalten haben.

Landwirte haben jedoch die Möglichkeit, Verbraucher darauf hinzuweisen, dass ihre Tiere mit GVO-freien Futtermitteln ernährt werden. Das Parlament hat außerdem eine zweite Richtlinie verabschiedet, die eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von GVO in Lebens- und Futtermitteln sicherstellen soll. Die Hersteller müssen also in Zukunft den gesamten Herstellungsprozess lückenlos dokumentieren.

Noch ist kein Schaden beim Mensch bekannt

Derzeit ist noch kein Fall bekannt, bei dem ein Mensch durch ein neues Gen in einem zugelassenen Lebensmittel geschädigt wurde. Und das, obwohl der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit im Jahr 2002 mit 58,7 Millionen Hektar mehr als die anderthalbfache Fläche Deutschlands erreicht hat. Führend sind mit großem Abstand die USA (39 Millionen Hektar). Es folgen Argentinien (13,5), Kanada (3,5) und China (2,1). Angebaut werden vor allem Soja, Mais, Raps und Baumwolle. Die Gen-Pflanzen sind zumeist gegen wichtige Schädlinge resistent oder haben ein Gen, das sie vor einem Spritzmittel schützt.

Pflanzen können außerhalb der Anbaufläche gelangen

Unbestritten ist allerdings, dass die neuen Gene auch in andere Pflanzen außerhalb der Anbaufläche gelangen können - mit derzeit noch nicht absehbaren Konsequenzen. Agrarkonzerne verweisen zwar darauf, dass dadurch bislang noch kein Schaden eingetreten sei. Der Anbau vieler Gen-Pflanzen seien sogar gut für die Umwelt, weil er weniger Spritzmittel benötige. Andererseits zeigt die Tatsache, dass Gene aus veränderten Organismen beispielsweise in den traditionellen Maisanbau Mexikos gelangt sind, dass man von einer gewissen Unkontrollierbarkeit ausgehen muss.

Alle Macht dem Verbraucher?

Nun liegt die Macht beim Verbraucher beim Einkauf im Supermarkt. Laut einer Greenpeace-Umfrage nach gentechnisch veränderte Zutaten wollen nur 18 von 216 befragten Firmen solche Beimischungen in ihren Produkten nicht ausschließen. Und auch die große Mehrheit der Lebensmittelfirmen in Deutschland möchte darauf verzichten.

Aktualisiert: 13.09.2012

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