Lebensmittel: Was gehört aufs Etikett?

Frau liest beim Einkauf Etikett auf Lebensmittel
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Wussten Sie eigentlich, dass die Angaben auf einem Etikett oder an anderer Stelle der Verpackung von Lebensmitteln vom Gesetzgeber genau festgelegt sind? Das soll sicher stellen, dass der Verbraucher nicht die sprichwörtliche "Katze im Sack" kauft. Ein genauer Blick lohnt sich also. Auf dem Etikett finden sich Informationen unter anderem über Inhaltsstoffe, Allergene, Qualitätsmerkmale und Eigenschaften des Lebensmittels. Diese Art "Visitenkarte" soll die Kaufentscheidung erleichtern und vor Betrug schützen.

Die Verkehrsbezeichnung

Hierbei handelt es sich um den Namen des Lebensmittels. Mit der Verkehrsbezeichnung kann man die Art des Lebensmittels bestimmen und es von anderen (zum Beispiel ähnlichen) unterscheiden.

Das Zutatenverzeichnis

Bezeichnet, was im Lebensmittel drin ist. Es werden zwar keine genauen Mengenangaben gemacht, die Zutaten werden aber nach ihrem Gewichtsanteil aufgelistet: An erster Stelle steht die Hauptzutat, an letzter die mit der geringsten Menge.

Besonderheiten: Ist bei einem Produkt eine Zutat in der Verkehrsbezeichnung oder in einem Bild besonders hervorgehoben, muss im Zutatenverzeichnis oder bei der Verkehrsbezeichnung der Anteil dieser Zutat in Prozent stehen. Beispiel: Sahnepudding mit ... % Sahne.

Zusatzstoffe

Man erkennt Sie in der Regel an ihrem Klassennamen. Dieser Begriff beschreibt die Funktion des Zusatzstoffes. Zusätzlich zum Klassennamen ist entweder der Name des Zusatzstoffes selbst oder die EU-einheitliche E-Nummer genannt, also zum Beispiel Verdickungsmittel Guar; Emulgatoren E 471, E 475.

Zutaten, die selbst aus mehreren Zutaten bestehen

Hier müssen die einzelnen Bestandteile noch einmal aufgeführt werden. Beispiel: Hühnersuppe mit Nudeln. In der Zutatenliste steht nicht nur "Nudeln", sondern auch die Bestandteile von Nudeln (Hartweizengries, Eier, Speisesalz) werden aufgelistet.

Ausnahme: Die genaue Nennung kann in Einzelfällen entfallen, wenn eine zusammengesetzte Zutat weniger als zwei Prozent des Produkts ausmacht und keines der Hauptallergene enthält. Daher wird bei Gewürz- und Kräutermischungen in der Regel einfach "Gewürze" oder "Kräuter" angegeben.

Allergenkennzeichnung

Die Allergenkennzeichnung ist in dem Zutatenverzeichnis enthalten (optisch hervorgehoben) und listet alle Zusätze, die am häufigsten zu Allergien führen. Diese Angabe ist auf allen verpackten Produkten verpflichtend. Einige Hersteller geben mit der freiwilligen Angabe "kann Spuren von... enthalten" auf der Verpackung Hinweise über mögliche Verunreinigungen mit Allergenen.

Zutaten, die für 90 Prozent der Lebensmittelunverträglichkeiten verantwortlich sind, müssen zwingend namentlich angegeben werden. Dazu gehören:

  1. glutenhaltiges Getreide
  2. Eier
  3. Fisch
  4. Weichtiere
  5. Krebstiere
  6. Erdnüsse
  7. Soja
  8. Milchprodukte und Laktose
  9. Schalenfrüchte (Baumnüsse)
  10. Senf
  11. Senfsamen
  12. Sellerie
  13. Schwefeldioxid und Sulfite
  14. Lupine

Produktspezifische Angaben

Einige Lebensmittel müssen nach dem EU-Recht oder den landesweiten Richtlinien eine besondere Kennzeichnung erfahren. So wird bei Milchprodukten wie Milch, Käse und Joghurt der Fettgehalt in Prozent angegeben. Erzeugnisse aus Früchten wie Marmelade, Gelee oder Saft tragen die Kennzeichnung, wie viel Gramm Früchte in 100 Gramm des Produkts verarbeitet sind. Bei Fischprodukten sind die Methode des Fangs, die Methode der Herstellung und die Fang-Region auf dem Etikett angegeben.

Nährwertkennzeichnung

Seit Dezember 2016 ist auf allen Lebensmittelverpackungen eine Nährwerttabelle mit sieben Angaben zu den Nährstoffen (in Gramm) und dem Brennwert des Produkts Pflicht. Die Tabelle enthält Informationen über den Gehalt folgender Nährwerte bezogen auf 100 Gramm beziehungsweise Milliliter:

  1. Energiegehalt: Beschreibt den Brennwert eines Produktes – also wie viel Kilojoule (kJ) beziehungsweise Kilokalorien (kcal) in ihm steckt. Der Brennwert ist ein Richtwert für die Energie, die der Körper aus dem Lebensmittel ziehen kann.
  2. Fett: Hier steht, wie viel Fett in dem Lebensmittel enthalten ist. Diese Angabe ist zum Beispiel bei Fettstoffwechselstörungen oder bei erhöhtem Cholesterinspiegel besonders relevant. Fett liefert Energie und ist Träger fettlöslicher Vitamine. Es besteht unter anderem aus Fettsäuren. Dabei unterscheidet man ungesättigte und gesättigte Fettsäuren.
  3. gesättigte Fettsäuren: Gesättigte Fettsäuren gelten als die ungesünderen. Sie kommen meist in tierischen Lebensmitteln vor und müssen nicht in großen Mengen über die Nahrung aufgenommen werden, da sie vom Körper selbst gebildet werden können. In Übermaßen genossen erhöhen gesättigte Fettsäuren den Cholesterinspiegel und können das Herz-Kreislauf-System belasten.
  4. Kohlenhydrate: Hiermit sind zunächst alle Kohlenhydrate – inklusive Zucker – gemeint. Die Zuckermenge wird aber auch noch einmal extra aufgeführt. Zucker und Stärke sind die am schnellsten verfügbaren Energielieferanten.
  5. Zucker: Diese Nährwertangabe umfasst zum Beispiel Kristallzucker, Fruchtzucker und Milchzucker. Durch die Angabe des Zuckergehaltes in einem Lebensmittel lassen sich Zuckerbomben leicht erkennen. Vor allem für Diabetiker ist diese Angebe von großer Bedeutung.
  6. Eiweiß: Beschreibt die Menge an Proteinen, die das Lebensmittel enthält. Eiweiß ist besonders für Wachstum, Muskel- und Zellaufbau wichtig.
  7. Salz: Salz (Natriumchlorid) ist die Hauptquelle für Natrium, einem lebenswichtigen Mineralstoff für den Körper. Natrium reguliert den Flüssigkeits- und Mineralhaushalt und schafft damit die Basis für einen funktionierenden Stoffwechsel. Da es nicht selbst vom Körper gebildet werden kann, muss Natrium durch die Nahrung aufgenommen werden. Doch zu viel Salz ist schädlich fürs Herz. Daher ist die Angabe zur Salzkonzentration in einem Produkt vor allem für Menschen wichtig, die sich aufgrund von Herz-Kreislauf-Problemen salzarm ernähren müssen.

Manchmal sind auch Angaben zu Ballaststoffen, Mineralstoffen oder Vitaminen auf der Lebensmittelverpackung zu finden. Diese Angaben sind freiwillig, Lebensmittelhersteller sind also gesetzlich nicht dazu verpflichtet, diese anzugeben.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum

Gibt den Zeitpunkt an, bis zu dem das Lebensmittel in der ungeöffneten Packung seine besonderen Eigenschaften wie Geruch, Geschmack, Farbe und Nährstoffe mindestens behält. Nach Ablauf des Datums ist das Lebensmittel nicht automatisch verdorben oder sein Wert gemindert. Bevor Sie es verwenden, sollten Sie jedoch Aussehen, Geruch und eventuell den Geschmack überprüfen.

Besonderheiten: Leicht verderbliche Lebensmittel wie abgepacktes Hackfleisch tragen statt des Mindesthaltbarkeitsdatums ein Verbrauchsdatum. Bis zu diesem Tag sollten Sie das Produkt spätestens verbrauchen. Ist die Haltbarkeit nur bei bestimmten Lagerbedingungen gewährleistet, sind diese zusätzlich genannt. Beispiel: "Bei 4-8 Grad Celsius mindestens haltbar bis ..." oder "Kühl und trocken lagern."

Die Füllmenge

Die Füllmenge informiert über das Gewicht, das Volumen oder die Stückzahl des abgepackten Lebensmittels.

Besonderheiten: Bei konzentrierten Produkten wie Suppen und Soßen finden Sie zusätzlich die Angabe, wie viel Liter oder Milliliter das zubereitete Produkt ergibt. Bei Lebensmitteln in einer Aufgussflüssigkeit, zum Beispiel Obst in Dosen oder Gewürzgurken, steht außerdem das Abtropfgewicht. Beispiel: Füllmenge 825 Gramm, Abtropfgewicht 490 Gramm.

Die Herstellerangabe

Nennt Namen oder Firma und Anschrift des Herstellers, Verpackers oder des in der EU niedergelassenen Verkäufers. Bei einer Reklamation können Sie und der Verkäufer somit feststellen, woher das Lebensmittel stammt.

Losnummer oder Chargennummer

Ordnet das Lebensmittel einer Warenpartie zu. Ein Los umfasst Lebensmittel, die unter praktisch gleichen Bedingungen erzeugt, hergestellt und verpackt wurden. Wird die Ware reklamiert, kann der Hersteller mit Hilfe der Nummer betriebsintern Fehlern nachgehen.

Identitätskennzeichen

Das Identitätskennzeichen dient dazu den Betrieb zu identifizieren, bei dem das Lebensmittel zuletzt verpackt oder hergestellt wurde. Diese Angabe ist nur bei Lebensmitteln wie Fleisch- und Milchprodukten notwendig, also allen Lebensmitteln tierischen Inhalts. Konkret gibt das Identitätskennzeichen dann Auskunft über den EU-Mitgliedstaat (Kürzel) und das Bundesland indem der Betrieb angesiedelt ist. Zudem enthält die Kennzeichnung eine spezielle Nummer, dies ist die Zulassungsnummer der Produktionsstätte.

Der Grundpreis

Es ist der Preis pro Kilogramm oder pro Liter des Lebensmittels. Hierdurch können Sie die Preise von Produkten, die in verschiedenen Mengen abgepackt sind wie Käse oder Fleisch, leichter vergleichen. Der Grundpreis muss beim Endpreis platziert sein. Viele Lebensmittel sind jedoch von dieser Angabe befreit. Beispiel: 2,58 Euro / 4,98 Euro/kg.

Produktsiegel und Logos

Die Kennzeichnung von Lebensmittelprodukten mit Siegeln und Logos beruht auf der freiwilligen Angabe des Herstellers. Dabei unterscheiden sich die Logos in der Transparenz, der Bedeutsamkeit und der Güte stark voneinander. Im Folgenden sind einige aussagekräftige Siegel und Logos aufgezeigt:

  • EU-Bio-Logo und staatliches Bio-Siegel: Beides steht für die Einhaltung von EU-Vorschriften bei ökologischem Anbau.
  • Ohne-Gentechnik-Siegel: Das Siegel kennzeichnet ausschließlich Lebensmittel, die keine gentechnisch veränderten Komponenten tragen. Bei pflanzlichen Lebensmitteln dürfen genveränderte Bestandteile auch nicht in Spuren vorkommen. Bei Futtermitteln bei tierischen Produkten dürfen diese auch mit Siegel bis zu 0,9 Prozent genveränderter Bestandteile enthalten. Zudem bezieht sich das nur auf einen bestimmten Zeitraum der Fütterung, bevor Fleisch, Milchprodukte oder Eier gewonnen wurden.
  • EU-Gütesiegel: Die drei EU-Gütesiegel nennen sich "Geschütze Ursprungsbezeichnung", "Geschützte geografische Angabe" und "garantiert traditionelle Qualität". Sie werden an Produkte vergeben, die in einer bestimmten Region erzeugt, in einem speziellen Gebiet hergestellt oder auf traditionelle Art und Weise produziert werden, wobei Region und Herstellung dem Produkt eine besondere Qualität und Beschaffenheit verleihen.
  • Tierschutzlabel: Mit diesem Siegel wird angezeigt, dass bei der Tiermast bessere Bedingungen vorliegen, als es gesetzlich vorgeschrieben ist.
  • Fair Trade: Das Logo steht für gute Arbeits- und Lebensbedingungen von Arbeitern und Beschäftigten, die an der Produktion des Erzeugnisses beteiligt sind.
  • Regionalfenster: Dieses Logo macht die Herkunft und die Produktionsstätte landwirtschaftlicher Zutaten kenntlich.
  • MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei: MSC steht für Marine Stewardship Council. Dieser stuft die Nachhaltigkeit von Fischereien ein.

Aktualisiert: 13.07.2020

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