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Functional Food: Zu viel des Guten?

Gemüsekorb voller "Functional Food" © Jill Wellington

Streng genommen sind alle Lebensmittel "funktionell": Sie dienen der Versorgung mit Nährstoffen. Der englische Begriff Functional Food bezeichnet per Definition neue Nahrungsmittel, welche die Gesundheit zusätzlich fördern sollen und zu diesem Zweck mit zusätzlichen Inhaltsstoffen angereichert sind: Mineralien, Faserstoffen, Vitaminen, Spurenelementen, Mikroorganismen. Das hört sich futuristisch an und passt zum Zeitgeist. Die Frage ist nur, ob auch ein Nutzen dahinter steckt.

Funktionelle Nahrungsmittel keine Neuheit

Funktionell ist auch nichts Neues. Bereits im vorletzten Jahrhundert entdeckten Seefahrer den Zusammenhang von Vitamin-C-Mangel und Skorbut. Zahnausfall, Muskelschwund, Gewichtsverlust und Blutungen wussten sie durch (getrocknetes) Obst und (eingelegtes) Gemüse zu vermeiden.

Europäische Verbraucher müssen sich mit den zahlreichen neuen Produkten, die als Functional verkauft werden, erst noch vertraut machen. Japaner haben schon seit Jahrzehnten die Wahl, durch den Genuss gewisser Nahrungsmittel aktiv Gesundheitsvorsorge zu betreiben. Die Wirkung ist sichtbar. Japanische Frauen erkranken seltener an Brustkrebs, als amerikanische oder europäische. In Japan werden seit 1993 Nahrungsmittel mit nachweislich gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen von den staatlichen Gesundheitsbehörden ausgezeichnet.

Foshu oder Functional food?

Inzwischen haben mehr als 100 Lebensmittel das begehrte FOSHU-Label erhalten. Neuanmeldungen für das Label müssen einen oder mehrere der Inhaltsstoffe mit wissenschaftlich anerkannter und in Studien nachgewiesener positiver Wirkung auf die Gesundheit haben. Einzelnachweise der Wirkung sind nicht mehr nötig. Daher nimmt die Zahl der als FOSHU gekennzeichneten Produkte rasant zu. Die Artikel reichen von kalziumhaltigem Tee über Kekse gegen Eisenmangel, Vitamindrinks bis hin zu Eiscreme, die mit Milchsäurebakterien und Ballaststoffen angereichert ist.

In Japan gibt es auch bereits Esswaren für die Schönheit: Drinks mit Hyaluronsäure oder Collagen für eine schönere Haut, Gingko-Chips, die Stress abbauen und damit Gesundheit und Aussehen verbessern sollen und Lebensmittel mit anregenden Substanzen. Europäer kritisieren eine zu wenig strenge Kontrolle und Auswahl bei der Zertifizierung. In Amerika boomt dagegen der Markt mit japanischen FOSHU-Lebensmitteln.

Inhaltsstoffe, die zertifiziert werden können

Nahrungsfasern Beta-Glucane, Weizenkleie, Psyllium
Oligosachharide und Zuckeralkohole Frukto-Oligosaccharide, Maltit
peptide und Proteine Kasein, Phosphopeptite
Sekundäre Pflanzeninhaltstoffe Phenole Glykoside, Terpene, Sterine
Vitamine Beta-Carotin (Vitamin A), Vitamine C und E
Coline Soya- und Ei-Lecithin
Milchsäurebakterien Lactobacillus acidophilus La1
Mineralstoffe Eisen, Kalzium

Beispiele für funktionelle Lebensmittel

Lebensmittel Vermuteter Gesundheitsnutzen
Probiotische Kulturen von Mikroorganismen in fermentierten Milchprodukten Verbesserung und Regulation der Darmfunktionen
Margarine, Käseaufstriche, Joghurts Pflanzliche Sterole und Stanole zur Senkung des Cholesterinspiegels und des Risikos von Herz- Kreislauf-Erkrankungen
Eier mit essentiellen Omega-3-Fettsäuren Eier mit essentiellen Omega-3-Fettsäuren
Frühstücks-Cerealien Zusatz von Folsäure verringert das Risiko von Spina bifida (offenem Rücken) bei Neugeborenen
Brot, Müsliriegel Isoflavone senkt das Risiko von Brust- und Prostatakrebs, Herzleiden und Osteoporose
Natriumarme Produkte Vermindern Bluthochdruck
Hohe Anteile an Sojaprotein, Reichtum an löslichen Nahrungsfasern Positive Wirkung auf das Herz- Kreislaufsystem und die Verdauung
Produkte mit hohem Gehalt an Folsäure Vorbeugung von Neuralrohrschäden (Spina bifida oder offener Rücken bei Neugeborenen)
Produkte, die mit Zuckeralkoholen gesüsst sind Vorbeugung von Zahnkaries
Produkte mit Antioxidantien Förderung der Immunabwehr, Krebsvorbeugung

Zu viel des Guten?

Neun von zehn Schweizerinnen sind überzeugt: Ernährung ist wichtig für die Gesundheit. Dass Wissen nicht vor Fehlern schützt, zeigt sich daran, dass dennoch auch bei uns zu viel und zu fett gegessen wird. Die moderne Ernährungswissenschaft versucht, die Menschen weg von "angemessener" hin zu "optimaler" Ernährung zu führen: Jede Frau und jeder Mann sollte Nahrung zu sich nehmen, welche den individuellen Bedürfnissen genügt. Kinder und Jugendliche brauchen ausreichend Vitamine für ein gesundes Wachstum und Kalzium für den Knochenaufbau, schwer körperlich arbeitende Menschen mehr tägliche Kalorien, als jemand, der die ganze Woche vor dem Computer sitzt. Hochleistungssportler müssen sich anders ernähren als ältere Personen.

Aktualisiert: 19.12.2018

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