Fasten als Heilmethode

Fasten ist einerseits ein uralter, religiöser Brauch, der in den meisten Weltreligionen vorkommt. Andererseits wird Heilfasten heute auch oft eingesetzt, um bestimmten chronischen Wohlstandskrankheiten vorzubeugen, sie zu behandeln oder um an Gewicht zu verlieren. Ist Heilfasten sinnvoll?
Im deutschsprachigen Raum unterziehen sich jährlich mehrere Tausend Patienten in spezialisierten Fastenkliniken sowie zahlreichen Sanatorien und Kliniken für Naturheilweisen einer Heilfasten-Kur. Mit gut 30 Millionen weitaus größer ist die Zahl derjenigen, die insbesondere im Frühjahr ohne ärztliche Aufsicht mit Hilfe von Erfahrungsberichten oder Ratgeber-Büchern versuchen, möglichst viel und schnell abzuspecken. Das kann gefährlich werden – viele Menschen unterschätzen die Gefahren beim Heilfasten, jedes Jahr kommt es bei fastenden Risikopatienten zu ernsthaften Komplikationen.

Was ist Fasten?

Fasten kommt als religiöser Brauch in den meisten Weltreligionen vor und bedeutet für die Gläubigen, den Körper vor religiösen Festen zu reinigen, ein persönliches Opfer zu bringen oder ist Zeichen von Sühne. Beim Fasten wird für eine bestimmte Zeit völlig oder teilweise auf Essen verzichtet. Oft werden auch nur bestimmte Speisen wie Fleisch oder Fisch nicht gegessen. Davon abzugrenzen ist das Heilfasten, welches nicht aus religiösen Gründen geschieht.

Fasten als Heilmethode

Bereits in der Medizin des antiken Griechenlands wurde Fasten als Heilmethode eingesetzt. Heute zählt Heilfasten zu den Naturheilverfahren. Der Begriff Heilfasten geht zurück auf Otto Buchinger, der 1935 eine Fastenklinik in Bad Pyrmont eröffnete. Im gleichen Jahr schrieb er ein grundlegendes Lehrbuch über das Heilfasten und seine spirituelle und psychotherapeutische Wirkung. Neben der stationären Heilfasten-Kur waren für ihn Maßnahmen wie körperliche Bewegung, Massagen, warme Bäder, Atemschulung und Vorträge zur "Seelenführung" wichtig.

Heilfasten wird als Teil einer Therapie angewendet, um ernährungsmitbedingten Krankheiten vorzubeugen oder ihren Verlauf positiv zu beeinflussen. Dazu zählen z.B. Herz-Kreislauf-Krankheiten und Erkrankungen des Verdauungstraktes. Es wird auch Gesunden empfohlen (zur „Entschlackung“ und Stärkung des Immunsystems). Ebenso sind die psychosoziale und die spirituelle Dimension Bestandteil von Heilfastenkuren. Bewegung, Physiotherapie, Psychotherapie, verschiedene naturheilkundliche Verfahren (z.B. Atemtherapie, Akupunktur, Homöopathie), Yoga, Autogenes Training und Meditation als auch ein Nachsorgeprogramm sind mögliche Inhalte.

Eine Gewichtsreduktion ist dabei nur eine positive Begleiterscheinung. "Fasten ist nicht geeignet, um langfristig Gewicht zu verlieren. Das Hungern lohnt sich nur, wenn die Ernährungsgewohnheiten langfristig verändert werden", sagt Dr. Helmut Oberritter von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Was passiert beim Fasten?

Beim Fasten wird für eine bestimmte Zeit völlig oder teilweise auf Essen verzichtet. Oft werden nur bestimmte Speisen wie Fleisch oder Fisch nicht gegessen. Wenn der Körper keine oder weniger Nahrungsenergie erhält, als er braucht, stellt er sich auf den sogenannten Hungerstoffwechsel um: Der Stoffwechsel brennt auf Sparflamme. Der Organismus greift dann seine Energiereserven an in Form von Glykogen, die körpereigenen Kohlenhydratreserven in Leber und Muskeln, Körpereiweiß und -fett und.

Wenn zu lange gefastet wird oder Kinder, Kranke und Normalgewichtige fasten, kann der Angriff auf die Energiereserven gefährlich werden, da es zu einem bedrohlichen Abbau von Muskeleiweiß (z.B. von Organen wie dem Herz) kommen kann. Auch bei kurzzeitigem Fasten können Probleme auftreten: Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindelgefühl und Schweißausbrüche sind als sogenannte Fastenkrisen bekannt. Auch Blutdruckabfall oder ein akuter Gichtanfall können Folgen des Fastens sein.

Dr. Helmut Oberritter von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung warnt: "Nur gesunde Erwachsene sollten über längere Zeit fasten und dies unter ärztlicher Kontrolle. Für Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche, alte Menschen, Menschen mit schweren Allgemeinerkrankungen sowie mit bestehender Herzkrankheit oder zu hohem Harnsäurespiegel ist längeres Fasten ungeeignet und kann gesundheitsschädlich sein."

Aktualisiert: 29.05.2012 – Autor: Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?