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Adipositas – Therapie und Behandlung

Adipöse Frau beim Sport © rawpixel

Ist das Übergewicht Folge einer Erkrankung, muss zunächst diese behandelt werden. Ansonsten sind Übergewicht und Adipositas den ärztlichen Leitlinien zufolge mit einer Therapie zu begegnen. Wie genau die Leitlinien aussehen, erfahren Sie in nachfolgendem Artikel.

Ärztliche Leitlinien

  • Bei einem BMI ab 30 (Adipositas bzw. Adipositas permagna)
  • Bei einem BMI ab 25 (Übergewicht), wenn weitere Faktoren vorliegen:
    • Bereits Folgeerkrankungen wie Hypertonie (Bluthochdruck)
    • Apfeltyp (abdominales Fettverteilungsmuster)
    • Erkrankungen, die sich durch das Übergewicht verschlechtern
    • Hoher Leidensdruck des Betroffenen

Wichtig bei Übergewicht: Ernährung und Bewegung

Eine Therapie von Übergewicht ist allerdings nur dann erfolgreich, wenn der Betroffene motiviert und bereits ist, mit dem Therapeuten aktiv zusammenzuarbeiten. Die Ziele der Therapie müssen realistisch sein – besser erst einmal das Gewicht stabilisieren oder mäßig zu senken, als direkt das Normalgewicht anzustreben. Sonst sind Frust und vorzeitiges Aufgeben trotz begonnener Behandlung vorprogrammiert.

Ziele bei der Therapie bei Adipositas oder Adipositas permagna sind:

  • Abnehmen: Je nach Grad der Adipositas und vorheriger Fettzufuhr ist ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von 5–8 kg pro Jahr realistisch.
  • Das Körpergewicht langfristig stabil halten
  • Gewohnheiten bezüglich Ernährung und Bewegungsverhalten optimieren; lernen, was gesund ist
  • Sonstige Risikofaktoren und Folgekrankheiten senken beziehungsweise verhindern
  • Lebensqualität steigern
  • Ausfälle bei Arbeit reduzieren
  • Selbstbewusstsein und Fähigkeiten der Stressbewältigung stärken

Zum Abnehmen sollte die tägliche Zufuhr von Energie rund 500–800 kcal unter dem Umsatz liegen. Dieser Energieverbrauch in Ruhe (GU) hängt vom Körpergewicht, Geschlecht und Alter ab und variiert je nach BMI.Dazu empfiehlt sich regelmäßig drei- bis fünfmal pro Woche eine halbe bis eine Stunde körperliche Aktivität zur Gewichtserhaltung; zur Gewichtsabnahme sind mindestens fünf Stunden Bewegung pro Woche (entspricht rund 2500 kcal) notwendig. Auch eine verhaltenstherapeutische Unterstützung hilft vielen Betroffenen beim Abnehmen.

Adipositas: Therapie durch Medikamente

Weitere Maßnahmen im Rahmen einer Therapie sollten allenfalls unter ärztlicher Betreuung durchgeführt werden. Sogenannte Appetitzügler haben immer wieder Nebenwirkungen gezeigt und sind in Deutschland überwiegend aus dem Handel genommen (beispielsweise Sibutramin, Rimonabant).

Der derzeit einzige zugelassene Wirkstoff Orlistat (Xenical®) stört die Fettaufnahme der Nahrung, die entsprechend unverdaut wieder über den Stuhl ausgeschieden wird – zusammen mit fettlöslichen Vitaminen. Vorübergehend kann dieses Präparat Sinn machen, wenn die Basistherapie allein keinen ausreichenden Erfolg hat – allerdings nur vorübergehend und möglichst unter ärztlicher Aufsicht.

Andere Präparate, die immer wieder als Appetitzügler gepriesen oder verwendet werden (zum Beispiel Diuretika, Wachstumshormone, Amphetamine, Schilddrüsenhormone) sind zur Therapie von Übergewicht nicht geeignet oder sogar gefährlich.

Therapie mittels Adipositaschirurgie

Vor allem bei Adipositas permagna oder bei einer Adipositas Grad II und gleichzeitigen anderen Krankheiten wie Diabetes (Zuckerkrankheit) stehen chirurgische Maßnahmen bei der Therapie zur Verfügung. Dabei werden rein restriktive Verfahren (Magenband, Magenverkleinerung) unterschieden von kombinierten Verfahren, bei denen zusätzlich noch die Verstoffwechselung der Nahrung eingeschränkt wird (durch Magen-Darm-Umgehungen). Letztere kommen in der Regel erst bei Adipositas permagna mit einem BMI größer 50 zum Einsatz. Wenn möglich wird laparoskopisch operiert, da bei einem offenen Bauchschnitt die Komplikationsrate höher ist.

Aktualisiert: 27.10.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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