Übergewicht und Adipositas

Ab wann leidet ein Mensch an Übergewicht? Wie äußert sich das Übergewicht und welche Methoden gibt es, dieses zu messen? Wir stellen Ihnen die gängigsten Methoden wie zum Beispiel den Body Mass Index vor.

Ideal-, Normal- und Wohlfühlgewicht

Normal- und Idealgewicht basieren auf dem Broca-Index (BI), benannt nach dem französischen Arzt P. Broca. Er ist einfach zu berechnen. Sie ziehen von ihrer Körpergröße in cm die Zahl 100 ab und erhalten Ihr Normalgewicht in kg. Das Broca-Normalgewicht abzüglich 10 Prozent ergibt das so genannte Idealgewicht. Speziell große oder kleine Menschen können mit diesem Index nicht zutreffend beurteilt werden.

Deshalb wird häufig vom Wohlfühlgewicht gesprochen. Das ist ein individueller Gewichtsbereich von ± 10 Prozent um das Broca-Normalgewicht, ein Bereich, in dem man sich noch wohlfühlen und fit sein kann.

Körper-Massen-Index (Body Mass Index, BMI)

Heute wird als Maß für das gesunde Mindest- oder Höchstgewicht der international anerkannte BMI verwendet. Er ist viel aussagekräftiger als der BI, da nicht nur die Körpergröße sondern auch das Gewicht (die Fettmasse) berücksichtigt werden.

Sie berechnen ihn, indem Sie ihr Körpergewicht durch das Quadrat der Körpergröße in Meter dividieren. Der Bereich von etwa 19 bis 25 gilt als normal und gesundheitlich zufriedenstellend. Werte darunter bedeuten Tendenz zu Untergewicht. Über 25 bis 30 bedeutet leichtes bis mäßiges Zuviel an Fettmasse. Über 30 spricht man von einer eindeutigen Gesundheitsgefährdung durch Adipositas. Mehrheitlich gilt, dass ab einem BMI von 27 die Risiken für Folgeerkrankungen wie z.B. erhöhter Blutdruck und Zuckerkrankheit steigen und ab einem BMI von 30 deutlich zunehmen.

Der BMI verschiebt sich mit zunehmendem Alter etwas nach oben. Er gilt nur eingeschränkt für Kinder im Wachstumsalter, Schwangere und sehr muskulöse Personen (Sportler).

Fettverteilungstyp

Übergewicht ist nicht gleich Übergewicht, wenn es um gewichtsbedingte Gesundheitsrisiken geht. Entscheidend ist vor allem, an welcher Stelle das Fett sitzt.

Man unterscheidet:

  • Weiblicher Fettverteilungstyp: hüft-und oberschenkelbetonte Birnenform
  • Männlicher Fettverteilungstyp: stamm-oder bauchbetonte Apfelform

Heute ist bekannt, dass bei einer Fettansammlung im Bauchbereich, wie sie meist bei Männern der Fall ist, das Risiko für die Entstehung von Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen entscheidend höher ist als bei einer Fettkonzentration im Hüft-Oberschenkelbereich. Folglich gefährdet Übergewicht die Gesundheit bei Männern im Allgemeinen stärker als bei Frauen.

Welchem Fettverteilungstyp Sie angehören, können Sie sehr einfach herausfinden, indem Sie den Umfang Ihrer Taille und Ihrer Hüfte messen. Teilen Sie den Wert des Taillenu mfangs in Zentimetern durch den Hüftumfang in Zentimetern (T/H-Verhältnis). Bei Frauen soll das T/H-Verhältnis unter 0,85 liegen. Bei Männern soll das T/H Verhältnis nicht größer als 1,0 sein.

Körperfettmessung

Zur Beurteilung des Fettanteils an der Körperzusammensetzung wird die Hautfaltenmesung und die Bioelektrische Impedanz-Analyse (BIA) eingesetzt. Durch Hautfaltenmessung an verschiedenen Körperstellen ist eine Aussage zur Größe des Fettanteils an der Körpermasse und der Fettverteilung gut möglich. Die Messung mittels BIA sollte von geschultem Fachpersonal angewendet werden.

Wann macht eine Gewichtsreduktion Sinn?

Auch heute noch wird Übergewicht vorwiegend als kosmetisches Problem und nicht als ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko gesehen. Dem Erfindungsreichtum scheinen deshalb keine Grenzen gesetzt zu sein. Zeitschriften werden nicht müde, immer wieder neue Schlankheitsdiäten anzupreisen, übergewichtige Prominente machen Werbung für Diäten gegen überflüssige Pfunde, Mager-Models geben den Modetrend an.

Das sollte aber kein Grund zum Abnehmen sein. Motivation zur Gewichtsreduktion sollte vom eigenen Körpergefühl kommen. Dabei ist ein Gewicht anzustreben, das man ohne große Entbehrung beim Essen und mit etwas mehr Bewegung halten kann.

Aus medizinischer Sicht sollte bei deutlichem Übergewicht (BMI > 30) in jedem Fall abgenommen werden. Bei einem BMI von 25 bis 30, wird eine Gewichtsreduktion im allgemeinen empfohlen, wenn gleichzeitig Risiken oder Krankheiten vorliegen, die durch Übergewicht ausgelöst oder verschlimmert werden (Bluthochdruck, Diabetes, Gicht, Fettstoffwechselstörungen usw.), ein ungünstiges Taille/Hüftumfang-Verhältnis vorliegt oder ein erheblicher seelischer Leidensdruck durch die ungeliebten Fettpolster besteht.

Im letzteren Fall ist es wichtig zu überlegen, inwieweit der Leidensdruck tatsächlich durch das Übergewicht bedingt ist oder ob das Zuviel an Gewicht nicht Symptom eines tieferliegenden Problems ist.

Wie kommt eine Gewichtsreduktion zustande?

Um Ihr Körpergewicht zu halten , müssen Sie Ihre Energieaufnahme Ihrem Bedarf anpassen. Wollen Sie abnehmen, müssen Sie Ihrem Körper weniger Energie zuführen, als er verbraucht. So wird der Organismus gezwungen, auf seine Reserven zurück zu greifen.

In seiner "Hungersnot" bedient er sich zuerst der leicht zugänglichen Glukose-Reserven. Er holt sich die fehlenden Kalorien aus den Glycogenspeichern von Muskeln und Leber. Da jede Glycogeneinheit an mehrere Moleküle Wasser gebunden ist, verliert der Körper beim Verbrennen viel Wasser.

Dann beginnt er mit dem Abbau von wertvollem Körpereiweiß. Am Anfang einer Diät verlieren Sie zwar Gewicht, jedoch kein Fett. Es handelt sich also nicht um einen echten Gewichtsverlust. Der Abbau des Fetts aus dem Fettgewebe beginnt erst nach ungefähr einer Woche Diät. Das Gewicht nimmt nun langsamer ab als in den ersten Tagen.

Aktualisiert: 23.09.2016

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