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Welchen Einfluss hat die Ernährung auf die Entstehung von Krebs?

Ständig gibt es neue Meldungen, welche Substanzen in Lebensmitteln vermutlich Krebs erregend sind und welche uns womöglich davor schützen. Viele Menschen haben Angst vor vermeintlich krebserregenden Stoffen in unserem Essen, dabei ist der Prävention von Krebs durch eine gesunde Ernährung eine viel größere Bedeutung beizumessen.

Ein Tumor entsteht

Eine Krebserkrankung entsteht in einem mehrstufigen Prozess über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg. Im Laufe des Lebens gibt es zahlreiche Faktoren, die zu Veränderungen unserer Erbinformation führen können. Dies sind sowohl Mechanismen, die sich im Körper abspielen, als auch Faktoren, die von außen auf den Körper einwirken.

Werden diese Defekte nicht durch unsere körpereigenen Abwehrmechanismen behoben, so kann es zu dauerhaften Schädigungen kommen, die zu einer Fehlregulation des Zellwachstums führen. Die Zellen vermehren sich dann unkontrolliert und ein Tumor wächst heran. Hierbei handelt es sich um ein sehr komplexes Geschehen, dass bis heute noch nicht in allen Details geklärt ist.

Ernährungsweise und Lebensstil

Zahlreiche Studien und Beobachtungen belegen, dass die Entstehung von Krebs maßgeblich durch den Lebensstil und die Ernährungsweise beeinflusst wird. Die tägliche Nahrungsaufnahme macht uns nicht nur satt, die Nahrungsbestandteile greifen auch in unendlich viele Stoffwechselprozesse ein, die in unserem Körper stattfinden. Je nachdem, was wir essen, können wir damit die Weiche in die eine oder andere Richtung stellen.

Dabei scheint es weniger auf einzelne isolierte Nahrungsbestandteile anzukommen als vielmehr auf das gesamte Ernährungsmuster eines Menschen. Die Auswahl, Zubereitung und Menge der Lebensmittel, die täglich aufgenommen werden, ist ausschlaggebend.

Viel Obst, Gemüse und Getreide

Bestimmte Inhaltsstoffe von Lebensmitteln haben gesundheitsfördernde Effekte. Dies wurde vornehmlich für pflanzliche Nahrungsmittel festgestellt. Insbesondere Obst und Gemüse enthalten Substanzen, die vor der Krebsentwicklung in verschiedenen Organen schützen können. Hierzu zählen beispielsweise Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Das Zusammenwirken des Cocktails dieser unterschiedlichen Substanzen scheint dabei wichtiger zu sein als hohe Dosen einzelner Inhaltsstoffe.

  • Essen Sie 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag.
  • Mischen Sie querbeet, so sind Sie optimal mit allen Pflanzenstoffen versorgt.
  • Bevorzugen Sie Vollkornprodukte (Vollkornbrot, Naturreis, Vollkornnudeln), sie enthalten besonders viele Ballaststoffe.

Lange Zeit wurde diskutiert, ob die Einnahme hoher Konzentrationen an Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E und ß -Carotin Krebs verhindern kann. Antioxidativ wirksame Vitamine sind in der Lage, die Erbinformation einer Zelle vor oxidativen Schäden zu bewahren und sie somit vor dauerhaften Schäden zu bewahren. Groß angelegte Studien konnten jedoch nicht belegen, dass mit höherer Dosierung auch ein größerer Schutz besteht. Einige Untersuchungen zeigten sogar höhere Krebsraten bei den Personen, die hochdosiert Antioxidantien aufnahmen.

Sparsam mit Fleisch und Wurst

Ein hoher Fleischverzehr hingegen scheint sich negativ hinsichtlich der Entwicklung mancher Krebsarten (zum Beispiel Brust- und Darmkrebs) auszuwirken. Steht sehr häufig Fleisch auf dem Speiseplan bedeutet dies meist, dass die Energie- und Fettaufnahme sehr hoch ist, was nicht selten zu Übergewicht führt.

Gleichzeitig kommt dann in der Regel der Verzehr von Obst und Gemüse zu kurz. Möglicherweise ist außerdem die mit dem Fleischverzehr verbundene Eisenzufuhr bedeutsam, da Eisen die Bildung von Sauerstoffradikalen fördert, die wiederum oxidative Schäden der Zellen hervorrufen können.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Zubereitung von Fleisch. Je nach Zubereitungsmethode können Substanzen entstehen (Heterozyklische aromatische Amine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), die sich im Tierversuch als krebserregend erwiesen haben. Diese Stoffe entstehen insbesondere bei starkem Anbraten, Bräunen und Grillen.

  • Fleisch sollte nur zwei bis dreimal pro Woche auf dem Speiseplan stehen.
  • Bevorzugen Sie magere Fleischsorten.
  • Bereiten Sie Fleisch schonend zu – dünsten, kochen und schmoren sind besser als starkes anbraten und grillen.
  • Beim Grillen das Grillgut nicht direkt auf den Grillrost legen, sondern Alufolie oder Aluschalen verwenden.

Gewicht normalisieren

In Deutschland sind mehr als 65 Prozent der Männer und 55 Prozent der Frauen zu dick. Übergewicht stellt einen eigenständigen Risikofaktor für die Entstehung bestimmter Krebsarten dar. Ist das Gewicht zu hoch, kommt es zu zahlreichen Veränderungen im Hormonhaushalt des Körpers, die unter anderem auch einen Einfluss auf die Entstehung von Krebs haben können.

Zum Beispiel findet im Fettgewebe eine Umwandlung von Androgenen (männliche Sexualhormone) in Östrogene (weibliche Sexualhormone) statt, wodurch es zu einer Erhöhung des Östrogenspiegels kommt. Die Konzentration an Östrogenen im Körper hat einen wesentlichen Einfluss auf Brust- und Gebärmutterkrebs. Aber auch für andere Tumorarten scheint es ein höheres Risiko bei bestehendem Übergewicht zu geben. Als optimal hat sich ein BMI (Body Mass Index) zwischen 20 und 25 erwiesen.

Und so berechnen Sie Ihren Body Mass Index (BMI):

  • Versuchen Sie Ihr Gewicht zu normalisieren beziehungsweise zu halten. Die weiter oben angegebenen Tipps zur Lebensmittelauswahl sind dabei sehr hilfreich.
  • Bewegen Sie sich täglich mindestens 30 Minuten – wandern, walken, Fahrrad fahren oder schwimmen sind gut geeignete Sportarten für Einsteiger. Aber auch zu Fuß einkaufen gehen, Treppen steigen und Gartenarbeit zählen als Bewegungseinheit.
  • Körperliche Aktivität bewirkt nicht nur eine Erhöhung des Energieverbrauchs, sie führt auch zu zahlreichen Veränderungen wichtiger Stoffwechselprozesse und des Hormonhaushaltes.

Fangen Sie noch heute an!

Die Entstehung von Krebs ist ein komplexes Geschehen, auf das unsere Ernährungsweise und der Lebensstil einen wichtigen Einfluss haben. Sie selbst können hier einen wichtigen Beitrag zur Weichenstellung leisten. Geben Sie pflanzlichen Lebensmitteln den Vorzug vermeiden Sie Übergewicht und bewegen Sie sich mehr. Auch hinsichtlich der Entstehung anderer Erkrankungen wie Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird es Ihnen Ihr Körper danken.

Aktualisiert: 27.09.2018 – Autor: Dr. rer. med. Angela Jordan (Diplom-Oecotrophologin)

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