Essen und Trinken bei Demenz - Ernährungstipps

In Erinnerungen schwelgen

Bei Menschen mit schwerer Demenz kann der Geschmack und Geruch von Speisen und Getränken Erinnerungen hervorrufen an einst beliebte Gerichte und Traditionen. Das Aroma von Kaffee zum Frühstück, der Duft nach frisch gebackenen Waffeln oder nach angebratenem Speck mit Zwiebeln lässt frühere Zeiten aufleben und weckt darüber häufig den Appetit. Auch das Geschirr klappern bei der Essenszubereitung ist ein vertrautes Geräusch. Lassen Sie Ihren Angehörigen mit Demenz deshalb so oft wie möglich an den alltäglichen Dingen teilhaben und versuchen Sie ihn durch bekannte Gerüche und Geräusche zumindest zeitweise wieder in unsere Welt zurückzuholen.

Neue Tischmanieren

Essen mit Messer und Gabel ist für uns die natürlichste Sache der Welt. Menschen mit fortgeschrittener Demenz hingegen nehmen Besteck häufig als Bedrohung wahr. Auch wissen sie oftmals die Funktion nicht mehr richtig zu deuten. Sie greifen einfach mit den Fingern zu. Sicherlich ist jedermann darüber zunächst einmal pikiert und unangenehm berührt. Doch bleibt bei vielen der Mund verschlossen, wenn sich die Gabel oder der Löffel nähert. Geben Sie in diesen Fällen Hilfe im Umgang mit dem Besteck.

Führt dies nicht zum Erfolg, lassen Sie ganz einfach das Essen mit den Fingern zu. Bereiten Sie am besten Speisen zu, die gut mit den Fingern gegessen werden können, so genanntes "Fingerfood". Beispielsweise Kroketten, Gemüsesticks, Fischstäbchen und Hackbällchen lassen sich gut mit den Fingern essen. Dadurch entspannt sich die Tischsituation, es wird nicht gekleckert und gematscht.

So weit die Füße tragen

Durch den Bewegungsdrang und die innere Unruhe verbrauchen Demenzkranke zum Teil erhebliche Mengen an Energie. Ständiges Verschieben des Mobiliars, endloses Herumlaufen, aber auch das stereotype Schreien und Stöhnen steigern den Energiebedarf. Gerade bei den zusätzlichen Störungen beim Essen und Trinken kann es dadurch schnell zur Gewichtsabnahme und zur Mangelernährung kommen. Deshalb sollten die Speisen und Getränke möglichst energiereich sein.

So bringen Sie mehr Kalorien auf den Teller!

  • Verfeinern Sie Soßen, Suppen und Aufläufe mit Sahne oder Creme fraiche.
  • Geben Sie Butter oder Pflanzenöl zu Gemüsegerichten.
  • Verwenden Sie Sahnequark und Sahnejoghurt.
  • Stellen Sie Knabbereien für zwischendurch bereit, z. B. Kekse, Nüsse und Käsehäppchen.
  • Bereiten Sie kalorienreiche Milchshakes zu, z. B. aus pürierten Früchten, Sahne, Quark und Zucker.
  • Bei starkem Gewichtsverlust können energie- und nährstoffreiche Trinknahrungen aus der Apotheke hilfreich sein. Es gibt sie in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen und sie können gut als Zwischenmahlzeit eingesetzt werden.

Das persönliche Umfeld anpassen

Bedenken Sie bei den vielfältigen Verhaltensänderungen, dass der Betroffene sich nicht mehr seiner Umwelt anpassen kann, vielmehr muss das persönliche Umfeld dem Kranken angepasst werden. Wird dies erkannt, ist der Umgang mit Demenzkranken häufig einfacher und manche Konfliktsituation wird umgangen. Auch das Essen und Trinken wird dadurch für viele erleichtert und macht noch bis ins hohe Alter Spaß.

Buchtipp/Lesetipp

  • Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. (2004) Ernährung in der häuslichen Pflege Demenzkranker.
  • aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e. V., Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): Ernährung im hohen Alter – Ratgeber für Angehörige und Pflegende.

Aktualisiert: 27.09.2018 - Autor: Dr. rer. med. Angela Jordan (Diplom-Oecotrophologin)

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