Soja in der Medizin

Die Sojabohne wird in unserer Gesellschaft sehr zwiespältig betrachtet. Auf der einen Seite herrscht große Verunsicherung, was den Einsatz von Gentechnik bei der Sojaproduktion betrifft. Auf der anderen Seite haftet den Sojaprodukten das Image an, einen besonders großen gesundheitlichen Nutzen zu haben.
So wird Soja unter anderem eine Krebs vorbeugende Wirkung und die Milderung von Wechseljahresbeschwerden zugesprochen. Hierfür sollen insbesondere die, in der Sojabohne vorkommenden, Isoflavone verantwortlich sein, die zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe gehören. Da sie im Körper eine ähnliche Wirkung wie die Östrogene ausüben, werden sie auch als Phytoöstrogene bezeichnet.

Hilft Soja gegen Wechseljahresbeschwerden?

Typische Wechseljahrsbeschwerden sind bei Japanerinnen mit traditioneller Lebensweise kaum bekannt. Erstaunlich ist jedoch, dass Japanerinnen, die in westliche Industrieländer auswandern und sich der westlichen Lebens- und Ernährungsweise anpassen, plötzlich unter Beschwerden wie Hitzewallungen leiden. Auf Grund der östrogenen Aktivität der Isoflavone werden diese auch hierzulande zunehmend als Alternative zur klassischen Hormonersatztherapie eingesetzt. So sind beispielsweise Phytoöstrogenpräparate auf der Basis von Soja- oder Rotklee-Extrakten erhältlich, die Linderung bei klimakterischen Beschwerden versprechen.

Um diesem Versprechen auf den Grund zu gehen wurde eine Reihe von Studien durchgeführt, die die Wirkung von Phytoöstrogen-Präparaten im Vergleich zu Placebo (Scheinmedikament) untersuchten. Die Ergebnisse zeigten in der Mehrzahl der Studien keine oder zumindest keine signifikante Abnahme der typischen Menopause-Beschwerden.

Wirkt Soja vorbeugend gegen Krebs?

Seit langem ist bekannt, dass hormonabhängige Krebserkrankungen wie Brust- und Prostatakrebs in asiatischen Ländern, in denen Soja Bestandteil einer traditionellen Ernährung ist, weitaus seltener auftreten als in westlichen Industrieländern. In Untersuchungen mit isolierten Isoflavonen konnte dieser Effekt bisher jedoch nicht nachgewiesen werden. Es gibt sogar Hinweise, dass das Wachstum bei bereits vorhandenen Krebserkrankungen durch die Aufnahme hoher Konzentrationen isolierter Isoflavone gefördert werden könnte.

Vermutlich sind neben dem Verzehr von Sojaprodukten in den asiatischen Ländern weitere Lebensstil-Faktoren für die unterschiedlichen Krebsrisiken verantwortlich. Möglicherweise spielt auch der Zeitpunkt der Zufuhr eine Rolle. So traten bei weiblichen Ratten seltener Tumore der Brustdrüsen auf, wenn eine isoflavonreiche Nahrung vor der Pubertät gegeben wurde, nicht aber bei Verfütterung erst im Erwachsenenalter.

Ist Soja gut fürs Herz?

In der Diskussion ist neben den oben genannten Punkten auch eine Senkung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch erhöhten Verzehr von Sojaprodukten. Es ist noch unklar, welche Inhaltsstoffe für diesen Effekt verantwortlich sein sollen. Als gesichert scheint jedoch, dass er nicht alleine auf den Gehalt an Isoflavonen zurückzuführen ist.

Studien zeigten, dass zwar der Einsatz von intaktem Sojaprotein, nicht aber von isolierten Isoflavonen zu einer Erniedrigung des LDL-Cholesterins (so genanntes "böses“ Cholesterin), der Serum-Triglyceride und in einzelnen Studien zu einer Erhöhung des HDL-Cholesterins (so genanntes "gutes“ Cholesterin), führte. Auch eine günstige Beeinflussung der Dehnbarkeit der Blutgefäße und der Fließfähigkeit des Blutes wird der Sojabohne zugesprochen.

Fazit

Die Sojabohne liefert hochwertiges Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Sie weist eine günstige Fettsäurenzusammensetzung auf und enthält wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe, die Isoflavone. Vor allem den letzt genannten werden zahlreiche gesundheitliche Wirkungen zugesprochen. Dies hat dazu geführt, dass in den letzten Jahren vermehrt isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel im Markt verfügbar sind.

Bis heute ist jedoch nicht geklärt, ob isolierte Isoflavone tatsächlich die versprochenen Effekte erzielen können. Sogar von gegenteiligen Wirkungen wurde berichtet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt deshalb, dass der langfristige Einsatz von isoflavonhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln insbesondere für Frauen in und nach der Menopause nicht ohne Risiko ist. Die Sojabohne und daraus hergestellte Produkte sind hochwertige Lebensmittel, die eine gute Ergänzung unseres Speiseplans darstellen. Der Einsatz von isolierten Isoflavonen bedarf jedoch noch der kritischen Prüfung.

Aktualisiert: 27.09.2018 - Autor: Dr. rer. med. Angela Jordan (Diplom-Oecotrophologin)

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