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Pilze sammeln: Vergnügen mit Risiko

Selbst gesammleter Pilz © Bruno Glätsch

Rätselhaft, fast ein wenig magisch und vor allem geschmackvoll sind sie - die Speisepilze. Noch dazu, wenn sie selbst gesammelt wurden. Aber Vorsicht: Allzu oft werden sie mit Giftpilzen verwechselt, manchmal mit tödlichem Ausgang. Ein paar wichtige Dinge sind zu beachten, damit der Genuss kein Risiko für die Gesundheit ist.

Pilzvergiftungen in der Geschichte

Unter Geschichtsschreibern herrscht die Vermutung, auch der römische Kaiser Claudius sei ein Pilzliebhaber gewesen – und hätte seine Leidenschaft mit dem Tode bezahlt. Ob wirklich seine Frau oder politische Gegner die Henkersmahlzeit mit dem Extrakt des Grünen Knollenblätterpilzes angereichert haben, alles nur eine unglückliche Verwechslung war oder die Sterbeursache auch eine ganz andere war: Fakt ist, dass auch heute noch Pilzvergiftungen auftreten, wenngleich selten und kaum mit tödlichem Ausgang.

Genaue Zahlen gibt es für Deutschland nicht, da ein zentrales Melderegister fehlt und Menschen mit leichten Vergiftungserscheinungen nicht unbedingt beim Arzt vorstellig werden. Man schätzt, dass etwas 1–2 % aller Vergiftungen Folge von Pilzen sind und davon wiederum 8 % schwer verlaufen.

Viele giftige Pilze sind geschmacksneutral

Claudius wird von dem Giftpilz nichts geschmeckt haben, denn das ist das Gefährliche an den schmackhaften "Schwammerln": Die Gifte in den rund 150 giftigen Pilzarten sind farb- und geruchlos, geschmacksneutral und lassen sich nicht durch heimische "Testmethoden" wie das Schwarzwerden eines mitgekochten Silberlöffels entlarven. Außerdem reicht bei vielen schon eine geringe Menge, um ihre gefährliche Wirkung zu entfalten. Auch die Tatsache, dass die Schnecke genüsslich an einem Pilz knabbert, ist kein Indiz für dessen Ungiftigkeit – der Stoffwechsel von Schnecken und anderen Tieren ist nicht mit dem des Menschen vergleichbar.

Gefährliche Doppelgänger unter den Pilzen

Es ist gar nicht so einfach, giftige von ungiftigen Pilzen zu unterscheiden. Viele der rund 100 Speisepilze haben gefährliche Doppelgänger, die nicht nur ähnlich ausschauen, sondern zum Teil auch noch angenehm duften. Doch auch Abkochen macht den in ihnen enthaltenen Giften nicht den Garaus.

  • Besonders in sich hat es die Familie der Knollenblätterpilze: Der Grüne Knollenblätterpilz ähnelt dem Waldchampignon, der weiße spitzhütige und der weiße flachhütige Knollenblätterpilz sehen dem Anis-Egerling bzw. dem Wiesenchampignon zum Verwechseln ähnlich.
  • Den Fliegenpilz kennt fast jeder und weiß, dass er giftig ist.
  • Ein unscheinbarer und ebenso ungenießbarer Verwandter hingegen ist der Pantherpilz, der immer wieder mit dem essbaren Perlpilz oder auch dem Gedrungenem Wülstling verwechselt wird.
  • Risspilze und Trichterpilze wie die Nebelkappe sind so unscheinbar, dass viele Verwechslungen möglich sind.
  • Karbol-Egerlinge werden nicht umsonst im Volksmund auch „Weißer Giftchampignon“ genannt.
  • Der Kahle Krempling ist ein Sonderfall – Symptome treten erst nach mehrmaligem Genuss auf und sind Folge einer allergischen Reaktion.

Übrigens: Vergiftungen mit Röhrenpilzen (auch als Schwammpilze bezeichnet –Steinpilze gehören z.B. in diese Kategorie) verlaufen in der Regel mild. Gefährlicher sind dagegen Lamellenpilze – da sollten Sie Wildpilze wirklich nur essen, wenn Sie ganz sicher sind, keinen giftigen erwischt zu haben.

Aktualisiert: 21.05.2012 – Autor: Dagmar Reiche

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