Kupfer als Nährstoff: Eigenschaften und Wirkung

Lebensmittel mit viel Kupfer © Getty Images/bit245

Das Spurenelement Kupfer ist für den menschlichen Körper lebensnotwendig. Es ist Bestandteil zahlreicher Proteine und an vielen biologischen Prozessen beteiligt, wie beispielsweise dem Wachstum, der Entwicklung von Blutzellen und der Energiegewinnung. Damit hat der Nährstoff unter anderem Auswirkungen auf Haut, Haare und Knochen, das Immunsystem, den Stoffwechsel – aber auch auf die Psyche. Eine regelmäßige Aufnahme von Kupfer mit der Nahrung ist daher wichtig und für die Gesundheit unverzichtbar. Ein Kupfermangel ist hierzulande eher selten, denn Kupfer steckt in zahlreichen Lebensmitteln. Welche Eigenschaften Kupfer hat, wie der Kupferwert im Blut bestimmt wird, wie hoch der Tagesbedarf an Kupfer ist und was es bedeutet, wenn der Kupferwert zu hoch oder zu niedrig ist – das und mehr erfahren Sie hier.

Kupfer: was ist das?

Kupfer ist ein chemisches Element (Abkürzung: Cu) und gehört zu den Metallen. Es kommt in der Natur im Meer, im Süßwasser und in der Erdkruste vor. Im Körper stellt Kupfer ein lebensnotwendiges Spurenelement dar, das viele wichtige Funktionen erfüllt. Da Kupfer vom Organismus nicht selbst hergestellt werden kann, muss es über die Nahrung aufgenommen werden. Kupfer findet man besonders häufig in den Knochen, den Haaren, in der Leber sowie im Gehirn.

Wozu braucht der Körper Kupfer?

Geladene Kupferteilchen sind essenzieller Bestandteil zahlreicher Proteine im menschlichen Körper, die ihre Funktion ohne Kupfer nicht wahrnehmen könnten. Kupferabhängige Proteine (Enzyme) haben unterschiedliche Aufgaben und Eigenschaften:

  • Im Körper liegen 80 bis 95 Prozent des Kupfers gebunden an das Protein Caeruloplasmin vor. Dieses Protein verteilt das Kupfer im Körper an verschiedene Gewebe und Organe. Neben seiner Funktion als Speicher- und Transportprotein für Kupfer ist Caeruloplasmin auch wichtig für den Transport und die Verwertung von Eisen, einem anderen Spurenelement, das für die Bildung des Blutfarbstoffs Hämoglobin notwendig ist.
  • Als Bestandteil des Enzyms Cytochrom-C-Oxidase ist Kupfer am Energiestoffwechsel beteiligt. Ohne Kupfer funktioniert dieses Enzym nicht und es kommt es zu einem Energiemangel in den Körperzellen. Außerdem ist es unverzichtbar für die Produktion von Bestandteilen der Nervenhüllen (Myelin) von Nervenfasern (Neuronen).
  • Die Vernetzung von Kollagen und Elastin im Bindegewebe wird durch das kupferhaltige Protein Lysyloxidase bewerkstelligt.
  • Das Protein Tyrosinkinase ist beteiligt an der Pigmentierung von Haut, Haaren und Augen.
  • Ein weiteres wichtiges kupferabhängiges Protein ist die Superoxid-Dismutase (SOD), die für die Vernichtung von schädlichen freien Radikalen sorgt. Freie Radikale können das Erbgut sowie weitere Bestandteile und Gewebe des Körpers schädigen.
  • Das Enzym mit dem schwierigen Namen Dopamin-ß-Hydroxylase ist an der Produktion von Botenstoffen in den Nerven beteiligt.

Wieviel Kupfer pro Tag ist nötig?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schätzt folgende Werte für die tägliche Kupferaufnahme als angemessen ein:

Alter Kupferbedarf pro Tag
Babys: 0 bis unter 4 Monate 0,2-0,6 mg
Babys: 4 bis unter 12 Monate 0,6-0,7 mg
Kinder: 1 bis unter 7 Jahre 0,5-1 mg
Kinder: 7 bis unter 15 Jahre 1-1,5 mg
Jugendliche und Erwachsene 1-1,5 mg

Der Tagesbedarf an Kupfer wird unter Wissenschaftler*innen kontrovers diskutiert. Daher handelt es sich bei der Empfehlung der DGE lediglich um eine Schätzung der Kupfermenge, die aufgenommen werden sollte. In der Fachliteratur sind auch davon abweichende Werte zu finden.

Kupferhaltige Lebensmittel – welche enthalten viel?

Kupfer ist in Lebensmitteln des täglichen Lebens häufig vorhanden. So wird der Bedarf in der Regel durch eine normale, ausgewogene Ernährungsweise gedeckt. Gesunde Menschen müssen sich um die ausreichende Versorgung mit Kupfer also keine Gedanken zu machen.

Mit einem Gehalt zwischen 0,1 und 0,5 Milligramm pro 100 Gramm sind folgende Lebensmittel besonders reich an Kupfer:

  • Nüsse
  • Vollkornprodukte, auch Haferflocken
  • Hülsenfrüchte
  • Sonnenblumenkerne
  • Schokolade und andere Kakaoerzeugnisse
  • Innereien, vor allem Leber
  • Schalen- und Krustentiere, wie Muscheln, Hummer oder Krebse
  • Hagebutten

Das Kupfer aus der Nahrung wird nur zu einem geringen Teil im Dünndarm vom Körper aufgenommen. Den größten Teil an überschüssigem Kupfer scheidet der Darm aus, der Rest wird von Leber, Galle und zum Teil auch über die Nieren wieder ausgeschieden.

Wann und wie wird der Kupferwert im Blut und Urin bestimmt?

Die Bestimmung des Kupferwertes gehört nicht standardmäßig zur einer Blutuntersuchung. Besteht der Verdacht auf einen Kupfermangel oder einen Kupferüberschuss, dann kann der Kupfergehalt folgendermaßen bestimmt werden:

  • Im Blut: Die Bestimmung des Kupferspiegels im Blut ist die gängige Methode. Dafür wird der Gehalt an freiem Kupfer und zum Teil auch der Gehalt des Speicher- und Transportproteins für Kupfer, Caeruloplasmin, im Blutserum bestimmt. Die Angabe des gemessenen Kupferwerts erfolgt in Mikrogramm pro Deziliter (µg/dl) oder Mikromol pro Liter (µmol/l).
  • Im Urin: Man kann den Kupfergehalt auch mithilfe einer Urinprobe bestimmen. Hierzu wird über 24 Stunden der Urin gesammelt und die Menge an ausgeschiedenem Kupfer bestimmt. Anhand dieser Werte kann man auf den Kupfergehalt im Körper schließen. Ein Nachteil der Methode: Es können nur starke Abweichungen von den normalen Kupferwerten erkannt werden.

Welcher Kupferwert ist normal?

Der normale Kupferwert (Abkürzung: Cu) im Blutserum richtet sich nach Alter und Geschlecht. Er wird in der folgenden Tabelle in Mikrogramm pro Deziliter (µg/dl) angegeben:

Alter Kupferwert im Blut
1-5 Jahre 80-150 µg/dl
6-9 Jahre 84-136 µg/dl
10-13 Jahre 80-121 µg/dl
14-19 Jahre 64-117 µg/dl
Frauen ab 20 Jahre 74-122 µg/dl
Männer ab 20 Jahre 79-131 µg/dl

Der Kupferwert im 24-Stunden-Urin sollte 10 bis 60 µg/24h oder 0,16 bis 0,94 µmol/24h betragen.

Erhöhter Kupferwert im Blut: Welche Symptome treten auf?

Weichen die Blutwerte nur geringfügig von den Normwerten ab, dann sind keine Symptome zu bemerken. Oft handelt es sich um natürliche Schwankungen. Erst wenn der Kupferwert stark erhöht ist und sich zu viel Kupfer im Blut befindet, können folgende Symptome auftreten:

  • Kopfschmerzen und Schwindelgefühl
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bauchschmerzen und -krämpfe
  • Starker Durchfall
  • Muskelzittern und Lähmungserscheinungen
  • Häufiger Harndrang
  • Hautausschläge

Hoher Kupferwert: was bedeutet das?

Ist der Kupferwert zu hoch, sind die Ursachen dafür vielfältig:

  • Ein hoher Wert tritt beispielsweise bei Frauen auf, die die Antibabypille nehmen oder sich im letzten Drittel der Schwangerschaft befinden. In diesen Fällen ist eine Erhöhung des Kupferwerts ganz normal.
  • Eine akute Entzündung kann den Kupferwert vorübergehend erhöhen. In der Regel sinkt der Wert wieder, wenn die Entzündung abgeklungen ist.
  • Bei chronischen Entzündungen wie rheumatoider Arthritis oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kann der Kupferwert erhöht sein.
  • Manche Medikamente sind für eine Erhöhung des Kupferwerts verantwortlich, zum Beispiel Wirkstoffe zur Behandlung einer Epilepsie.
  • Lebererkrankungen können Leberschäden zur Folge haben, die zu einer Verminderung der Abgabe von überschüssigem Kupfer führen. Das Kupfer reichert sich daraufhin im Körper an.
  • Bluterkrankungen wie Leukämie oder Anämie können ebenfalls die Kupferwerte erhöhen.
  • Auch Diabetes mellitus kann die Ursache für einen erhöhten Kupferwert sein.
  • Bei der Wilson-Krankheit (Morbus Wilson), auch bekannt als Kupferspeicherkrankheit, ist der Kupferstoffwechsel gestört. Das Kupfer wird nicht ausreichend ausgeschieden und reichert sich im Körper an.

Stark überhöhte Konzentration von Kupfer im Körper können schädlich sein, man spricht dann von einer Kupfervergiftung.

Kann man Kupfer überdosieren?

Wird dem Körper zur viel Kupfer auf einmal zugeführt, zum Beispiel durch eine Überdosierung von Kupfertabletten, kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen. Schon wenige Milligramm Kupfer genügen, um einen Brechreiz auszulösen. Auch Magen-Darm-Koliken, Teerstuhl, ein niedriger Blutdruck, Kopfschmerzen und Schwindel gehören zu den möglichen Symptomen einer Kupfervergiftung.

Mögliche Langzeitschäden einer Überdosierung von Kupfer sind beispielsweise Arthritis, Leber- und Nierenschäden, Atemwegsinfektionen oder Depressionen.

Tipps zur Vermeidung einer Überdosierung sind:

  • Säurehaltige Getränke nicht in Kupfergefäßen aufbewahren, da sich Kupferteilchen aus dem Metall lösen können und sich dann im Getränk wieder finden.
  • Bei alten, kupferhaltigen Wasserleitungen kann das Kupfer ins Trinkwasser übergehen. Den Kupfergehalt des Leitungswassers kann man zum Beispiel in der Apotheke bestimmen lassen.
  • Kupferhaltige Nahrungsergänzungsmittel bitte immer nach Packungsanweisung einnehmen.

Die täglich aufgenommene Kupfermenge sollte 2 Milligramm nicht überschreiten.

Wie erkennt man einen Kupfermangel?

Wie schon erwähnt, kommt ein Kupfermangel bei gesunden Menschen äußerst selten vor. Bei einem geringfügig niedrigem Kupferwert sind keine Symptome zu beobachten. Erst wenn der Kupfermangel sehr ausgeprägt ist, kann er Wirkung zeigen und es können folgende Symptome auftreten:

  • Müdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Magenkrämpfe
  • Durchfall
  • Gestörte Pigmentbildung in Haut und Haaren
  • Neurologische Symptome wie Nervenschmerzen
  • Depressive Verstimmungen

Ein Mangel an Kupfer verringert gleichzeitig die Aufnahme von Eisen im Körper. Dadurch wird die Blutbildung gestört, eine Blutarmut (Anämie) kann die Folge sein.

Niedriger Kupferwert: welche Ursachen gibt es?

Erblich bedingte, schwere Erkrankungen, die den Kupferstoffwechsel betreffen, wie das Menkes-Syndrom, gehen mit einem massiven Mangel an verfügbarem Kupfer einher. Auch bei chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa kann es zu einem Kupfermangel kommen, insbesondere dann, wenn eine Mangelernährung vorliegt.

Wird über die Ernährung sehr viel Zink aufgenommen, beispielsweise durch ein Nahrungsergänzungsmittel, kann das ebenfalls einen Einfluss auf den Kupferhaushalt haben. Denn die Einnahme von Zink über einen längeren Zeitraum kann die Aufnahme von Kupfer hemmen und in der Folge zu einer Unterversorgung mit Kupfer führen.

Erhöhter oder zu niedriger Kupferwert: was tun?

Wenn Ihr*e behandelnde*r Arzt*Ärztin einen zu hohen oder zu niedrigen Kupferwert bei Ihnen vermutet oder festgestellt hat, wird er*sie versuchen, die Ursache dafür herauszufinden. Dazu werden möglicherweise weitere Laboruntersuchungen notwendig.

Etwas zu niedrige Kupferwerte im Blut können in den meisten Fällen durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung normalisiert werden. Bei zu hohen Werten kann die Ausscheidung von Kupfer durch die Einnahme anderer Mineralstoffe und Vitamine gefördert werden. Suchen Sie bei Fragen dazu am besten Ihre*n Arzt*Ärztin auf und lassen sich professionell beraten.

Wenn Kupfer krank macht – Morbus Wilson

Eine seltene, genetische bedingte Erkrankung im Zusammenhang mit dem Kupferstoffwechsel in der Leber ist die Kupferspeicherkrankheit Morbus Wilson. Bei dieser Erkrankung reichert sich sehr viel Kupfer in der Leber und auch im Gehirn an, weil die Entsorgung über die Galle nicht funktioniert. Die Folgen: Hirnschäden, Leberschäden und schlimmstenfalls Leberversagen. Mit einer frühen Diagnose der Erkrankung und einer lebenslangen Therapie haben Morbus-Wilson-Betroffene jedoch die gleiche Lebenserwartung wie Gesunde.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
E83.0, E61.0, R79.0, T56.4

Aktualisiert: 29.07.2021 - Autor: Dr. rer. nat. Isabel Siegel, Diplom-Biologin und Medizinautorin

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