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Selen: Eigenschaften und Zufuhr

Selenhaltiger Fisch © Dana Tentis

Selen gehört zur Gruppe der Mineralstoffe und wird zu den essentiellen Spurenelementen gezählt. Es hat im menschlichen Körper eine ähnliche Funktion wie das Vitamin E: Es ist Bestandteil eines Enzyms, das freie Radikale bindet, die bei der Beschädigung von Fettsäuren durch Sauerstoff entstehen. Zudem ist Selen bei der Bildung des Schilddrüsenhormons beteiligt. Welche Lebensmittel enthalten Selen und wie wirkt es auf die Gesundheit?

Zufuhr von Selen durch Lebensmittel

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt auf Grundlage von Schätzungen für Frauen eine tägliche Zufuhr von 60 µg, für Männer 70 µg – die Empfehlungen der WHO liegen mit 55 µg etwas darunter. Diese Tagesdosis ist zum Beispiel enthalten in:

  • 150 g Hering oder Makrele
  • 120 g Linsen
  • 25 g Paranüssen
  • 150 g Geflügelfleisch
  • 250 g Kartoffeln
  • 60 g Emmentaler

Gute Selenquellen sind tierisches und pflanzliches Eiweiß. Besonders reich an Selen sind Innereien, Fleisch und Fisch, Getreide, Nüsse (vor allem Paranüsse) und Hülsenfrüchte sowie Steinpilze.

Bevorzugen Sie beim Kauf Produkte aus biologischer Landwirtschaft – da dort keine schwefelhaltigen Düngemittel verwendet werden, enthalten sie mehr Selen. Zusätzlich empfiehlt sich die Aufnahme von Nahrung mit einem hohen Gehalt an den Vitaminen A, C und E, da diese die Bioverfügbarkeit von Selen im Körper verbessern.

Steckbrief: Selen als Spurenelement

Das wegen seines silbrig-grauen Glanzes nach der griechischen Mondgöttin Selene benannte essenzielle Spurenelement wurde im Jahre 1818 durch den schwedischen Chemiker Berzelius entdeckt, dass es auch im menschlichen Körper vorkommt, wurde erst 1975 festgestellt. Der Bestand von Selen im Körper liegt bei etwa 10 bis 15 mg; ein großer Teil davon ist in den Muskeln enthalten, daneben vor allem in Leber, Nieren und Herz. Selen wird in den oberen Dünndarmabschnitten aufgenommen und vor allem über den Urin ausgeschieden.

Folgendes sollten Sie außerdem über Selen wissen:

  1. Selen ist ein essenzielles Spurenelement, das über die Nahrung aufgenommen werden muss.
  2. Reich an Selen ist tierisches Eiweiß in Schweinefleisch, Innereien, Fisch, aber auch in Nüssen und Steinpilzen.
  3. Selen ist als Bestandteil von Schutzenzymen wichtig für die Entgiftung des Körpers.
  4. Als "Antioxidans" wehrt es freie Radikale ab, die täglich unter Einwirkung von Umweltgiften, Zigaretten und Stress entstehen.
  5. Selengaben könnte den Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen günstig beeinflussen.
  6. Selen wird als Begleittherapie bei Krebs, gestörter Immunabwehr sowie akuten und chronischen Infektionen eingesetzt.
  7. Mit einem Bluttest lässt sich der Selenspiegel feststellen.

Gesundheitliche Bedeutung von Selen

Selen ist Bestandteil wichtiger Enzyme und hilft (in Form des Enzyms Glutathionperoxidase) den Körperzellen bei der Abwehr aggressiver Stoffwechselprodukte, den sogenannten freien Radikalen. In dieser Funktion gehört es – wie die Vitamine A, C und E – zu den sogenannten Antioxidanzien. Die freien Sauerstoffradikale entstehen bei nahezu allen Stoffwechselvorgängen, können die Körperzellen und das darin enthaltene Erbgut (DNA) schädigen und dadurch zu Krebs führen.

Außerdem hat Selen Einfluss auf die Fruchtbarkeit des Mannes, da bestimmte Bausteine der Spermienproduktion davon abhängen.

Schützt Selen vor Krebs?

Es wurde beobachtet, dass in Gebieten wo eine selenreiche Ernährung vorherrscht, Krebserkrankungen und Herzinfarkte seltener sind. Deshalb wird auch eine gewisse Schutzwirkung vor Krebs und Artherosklerose (Arteriosklerose) diskutiert. In experimentellen Studien zeigte sich, dass Selen möglicherweise Krebs vorbeugen kann. Diese Wirkung gilt jedoch nicht als wissenschaftlich nachgewiesen und ist umstritten.

Bei Krebspatienten wurde festgestellt, dass eine ausreichende Versorgung mit Selen die Verträglichkeit von Krebsmedikamenten und die Nebenwirkungen der Strahlentherapie verbessert, ohne deren Wirksamkeit zu beeinträchtigen. Deshalb wird die Selengabe zur unterstützenden Behandlung vieler Tumorerkrankungen eingesetzt. Außerdem deuten internationale Studien darauf hin, dass Selen dazu beitragen könnte, die Tumorbildung und deren Wachstum in Haut, Leber, Prostata und Dickdarm zu hemmen.

Zudem schützt Selen den Körper auch vor giftigen Schwermetallverbindungen (Kadmium, Blei, Arsen, Quecksilber) und schädlicher Strahlenbelastung wie UV-Licht oder Strahlen bei der Krebsbehandlung.

Selen für die Schilddrüse

Auch die Schilddrüse wird durch Selen beeinflusst, denn der Haushalt der Schilddrüse wird von Enzymen geregelt, die von dem Spurenelement abhängen. Studien deuten darauf hin, dass bei entzündlichen Erkrankungen der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow) die Selengabe das Allgemeinbefinden und manche der Beschwerden verbessern könnte.

Abwehrkräfte und Immunsystem

Außerdem hat Selen einen positiven Effekt auf das Immunsystem. Selen stärkt die Abwehrkräfte – besonders gut in Verbindung mit Zink – und die zusätzliche Gabe kann den Körper bei einer Blutvergiftung oder bei einer HIV-Erkrankung unterstützen. Auch bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen des Darms, bei rheumatischen Erkrankungen oder allergischem Asthma kann der Krankheitsverlauf durch Selen günstig beeinflusst werden.

Tipp: Während der infektreichen Winterzeit braucht der Körper besonders viel Selen. Um diesen erhöhten Bedarf zu decken, kann das Spurenelement zusätzlich als Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel in Form von Selenhefe (erhältlich in der Apotheke) zugeführt werden. Ist eine Erkältung bereits im Anzug, kann die vermehrte Aufnahme sogar helfen, die Krankheitssymptome abzumildern und den Verlauf abzukürzen.

Quellen und weitere Informationen

Aktualisiert: 05.03.2020 – Autor: Dagmar Reiche; überarbeitet: Silke Hamann

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