Vitamine

Vitaminreiche Mandarinen © Anna Quaglia

Unter Vitaminen versteht man gemeinhin eine heterogene Gruppe von Substanzen, die vergleichbare Wirkung im menschlichen Körper aufweisen. Für zahlreiche chemische Reaktionen in unserem Körper, für Wachstum und Entwicklung und für einen gesunden, abwehrstarken Organismus sind Vitamine unentbehrlich. Im Gegensatz zu Tieren ist der Mensch auf die regelmässige Zufuhr von Vitaminen angewiesen - wie beispielsweise auf Vitamin C.

Tagesdosis Vitamine

Die Empfehlungen bezüglich des täglichen Bedarfes an Vitaminen sind als Richtlinien zu verstehen. Sie variieren, je nach Institution, welche die Empfehlungen abgibt. Die Unterschiede ergeben sich aus der Tatsache, dass es äusserst schwierig ist, den tatsächlichen Bedarf des Organismus zu messen. Komplexe Mechanismen machen viele Vitamine wiederverwertbar, einige Vitamine werden vom Körper selbst oder von Darmbakterien gebildet. Komplizierte Resorptionsmechanismen erschweren diese Einschätzung zusätzlich.

Vitamine: Hohe Dosen

Während man sich über eine sinnvolle Mindestmenge an benötigten Vitaminen einig ist, gehen bei der oberen Grenze die Meinungen auseinander. Besonders in den Vereinigten Staaten gibt es vermehrt Wissenschaftler die eine Zufuhr verschiedener Vitamine in so genannten Megadosen (das Mehrfache der empfohlenen Tagesdosis) empfehlen.

Dieses Vorgehen ist allerdings kritisch zu betrachten. Zum einen werden ab einer gewissen Dosis die Vitamine unverändert ausgeschieden, zum anderen können gewisse Vitamine in grossen Mengen den Verbrauch anderer übermässig steigern, wodurch sogar eine Mangelsituation auftreten kann. Wenn schon hochdosierte Vitaminsubstitution, dann sollte sie sehr gezielt nach vorheriger Diagnostik und nur mit einzelnen Vitaminen durchgeführt werden.

Synthetisch hergestellte Vitamine

Bei der Einnahme von Nährstoffen besteht seit längerem die Option diese in "künstlicher" Form zu konsumieren. Chemisch gesehen weisen die synthetisch hergestellten die selbe Struktur auf wie die natürlich vorkommenden Vitamine. In Obst, Gemüse und tierischen Produkten kommen die Vitamine jedoch in Kombination mit zahlreichen anderen wichtigen Stoffen vor, über deren Funktion im menschlichen Körper wir heute zum Teil noch wenig wissen. Auch die Gefahr einer falschen Dosierung ist bei natürlichen Quellen geringer.

Aus diesen und weiteren Gründen ist der "natürliche" Weg zu seiner täglichen Vitaminration zu kommen vorzuziehen, zumal ein gesunder Körper bei ausgeglichener und abwechslungsreicher Ernährung keine zusätzliche Zufuhr von Nährstoffen benötigt. Vitaminpräparate können eine mangelhafte und einseitige Ernährung nicht kompensieren.

Vitamine: Mangelerscheinungen

In Europa sind schwere Mangelerscheinung mit charakteristischen Krankheitszeichen, wie sie oft in Entwicklungsländern vorzufinden sind, selten. Allerdings sind viele uncharakteristische Symptome, die auf einen Vitaminmangel zurückzuführen sind, auch bei uns recht weit verbreitet. Vermehrte Müdigkeit, Antriebsschwäche, Anzeichen von Depression, Verdauungsstörungen und Störungen des Nervensystems können Zeichen einer mangelhaften Zufuhr sein. Trockene, rissige Haut, Mundwinkelrhagaden, brüchige Nägel und Haarwuchsprobleme müssen auch an eine Mangelversorgung denken lassen.

Bei einem gesunden, ausgeglichen ernährten Körper besteht geringe Gefahr in eine Mangelsituation zu kommen. Der menschliche Organismus verfügt über ausgeklügelte Mechanismen Vitamine zu speichern, wiederzuverwenden und sparsam einzusetzen, weshalb er mit äusserst geringen Mengen auskommt.

Trotzdem existieren besondere Umstände, unter welchen es zu einer mangelnden Versorgung kommen kann:

  • Verminderte Zufuhr durch einseitige Ernährung mit einem grossen Anteil an "leeren Kalorien".
  • Gestörte Resorption (Aufnahme), bedingt durch mangelhafte Verdauung (Galleproduktions- oder -resorptionsstörung, nach Operationen im Mangendarm-Bereich, bei infektiösen oder chronischen Darmentzündungen, bei angeborenen Defekten und bei Beeinträchtigung der Darmflora nach Antibiotikatherapie).
  • Gesteigerter Bedarf, beispielsweise im Rahmen von Streßsituationen (Infekte, Traumen, Operationen, chronische Krankheiten), von Schwangerschaft oder bei schwerer körperlicher Arbeit (Ausdauersport, Schwerstarbeit).
  • Störung der Vitaminspeicherung bei Leberfunktionsstörungen.
  • Vermehrte Ausscheidung bei Nieren- und Leberfunktionsstörungen oder bei starkem Schwitzen.

Besonders gefährdet, in eine Mangelsituation zu geraten, sind:

  • Säuglinge, bei ausschliesslicher, langfristiger (länger als bis zum vierten Lebensmonat) Ernährung mit Muttermilch.
  • Kinder und Jugendliche bei einseitiger Ernährung (zu viele Süssigkeiten) und wachstumsbedingtem vermehrtem Bedarf.
  • Schwangere, da insbesondere ab dem vierten Monat ein erhöhter Vitaminbedarf besteht.
  • Ältere Menschen: Ernährung oft mangelhaft, Aufnahme- und Resorptionskapazität zusätzlich im Alter reduziert.
  • Menschen, die ihren Energiebedarf im wesentlichen mit Alkohol decken. Alkohol bedeutet für den Körper reine Energie und enthält keinerlei Nährstoffe. Bei längere, regelmässiger Zufuhr in grösseren Mengen können Mangelerscheinungen auftreten (besonders Mangel an Vitamin B1).

Überdosierung

Ein Überschuss wasserlöslicher Vitamine wird zum grossen Teil über die Niere oder die Leber ausgeschieden und hat deshalb höchstens kurzfristige Konsequenzen. Fettlösliche Vitamine (A, D, E und K) hingegen häufen sich im Körper an und können bei übertriebenem Konsum weitreichende Folgen haben. Besonders bei Kleinkindern ist bei der Verabreichung von "synthetischen" Vitaminen unbedingt die vom Arzt vorgeschriebene Dosis einzuhalten.

Aktualisiert: 31.10.2018

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