Das steckt in Grappa

Grappa und Trauben © istockphoto, 5PH

Grappa schmeckt den Deutschen. Wer schätzt nicht die verlockenden, mundgeblasenen Grappaflaschen? Erfahren Sie mehr über diese Edelspirituose und über die Unterschiede bei diesem "Lebenswasser". Grappa ist ein alkoholisches Getränk, das aus Trester (die Rückstände der Trauben bei der Traubenkelterung: Stiele, Stängel, Kerne und insbesondere die Traubenschalen) gebrannt wird. Der Name ist international geschützt. Grappa darf nur in Italien hergestellt werden. Analoge Produkte heißen zum Beispiel in Frankreich "Marc", in Deutschland "Trester". Grappa besitzen meist einen Alkoholgehalt von 43% Vol.

Herkunft des Grappa

Die Geburtsstunde liegt im Dunkel der Geschichte. Über den Ursprung gibt es die verschiedensten Mutmaßungen: Im 5. Jahrhundert sollen die Burgunder die Kunst der Tresterdestillation ins Friaul gebracht haben. Andere behaupten, dass die Friauler diese Kunst bereits beherrscht haben. Wieder andere sagen, die Erfindung stamme von den Arabern, die im 9. Jahrhundert Sizilien besetzten.

Fest steht, dass die Araber die Kunst der Destillation entdeckten. Zwar wurde nachweislich im 15. Jahrhundert mit Grappa Handel sowie Export betrieben, aber lange Zeit blieb der Grappa ein unbekannter Winzerschnaps, zumal den Winzern erlaubt war, geringe Mengen Grappa für den Eigenbedarf ohne Auflagen zu benennen.

Nicht zuletzt dient Grappa der Dorfbevölkerung heute noch als "Hausmedizin". Erst seit den sechziger und siebziger Jahren unserer Zeit wurde aus dem "Armeleuteschnaps" ein internationales Edelgetränk. Die Pionierarbeit einzelner Destillateure und Winzer in der Produktion, neue Glas- und Verpackungsformen und das Vordringen der italienischen Gastronomie und Weinkultur gaben dem Grappa sein neues, modernes Image. Heute ist Grappa ein "genussreiches i-Tüpfelchen einer niveauvollen Ess- und Trinkkultur".

Unterschiede beim Grappa

Die Unterschiede zwischen den Grappa beruhen weniger in der verwendeten Brennmethode als in den Ausgangsstoffen (Rebsorte, Säureanteil, Feuchtigkeitsgrad des Tresters, Anteile vom Traubenstiele etc.), Dauer und Art der Lagerung (Fassgröße, Alter und Holzart) sowie in der "Kunst" des Destillateurs.

Grappa besitzen bereits kurz nach der Destillation schon einen ansprechenden Geschmack. Sie benötigen nur kurze Fassreife. Gute Brenner geben ihrem Grappa natürlich eine längere Reifezeit, um ihm Finesse, Fülle und Komplexizität zu verleihen. "Stravecchia" oder "Riserva" bedeutet zum Beispiel, dass der Grappa mindestens ein halbes Jahr im Holzfass sowie ein halbes Jahr im geschlossenen Edelstahltank gelagert wurde.

Man unterscheidet zwischen aromatisierten und nicht-aromatisierten Grappa. Bei den aromatisierten Grappa werden beim Ausbau zusätzlich Geschmacksstoffe wie Kräuterauszüge, Früchte oder Blumenaromen dem Grappa beigegeben. Viele Grappa werden heute sortenrein, das heißt aus einer einzelnen Rebsorte, destilliert.

Besonders bekannt sind die international renommierten Rebsorten: Chardonnay, Sauvignon und Pinot Noir. Mit etwas Übung lässt sich die Rebsorte am Geruch und am Geschmack erkennen.

Keimzellen der Grappakultur sind Friaul, Piemont, Venetien und Trentino. Aus diesen Regionen kommen aufgrund des kühleren norditalienischen Klimas (höhere Säure) sehr finessereiche und körperreiche Grappa.

Wann und wie genießen?

Bekannt ist Grappa als Digestiv, als harmonische Abrundung eines Essens. Guten Grappa trinkt man zimmertemperiert, am besten in formechten Grappagläsern. Daher sind Grappa und Grappagläser zugleich eine geschmackvolle Geschenkidee an den Gastgeber. Grappa lässt sich auch pur trinken: zum Beispiel zum Kaffee oder Mokka oder mit einem Glas Mineralwasser zur Seite. Aber auch als Barmixgetränk (z. B. "Grappa-Fiz") hat Grappa seinen Einzug gefunden.

Aktualisiert: 30.09.2016 – Autor: Sandra Baumann

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