Trinkwasser: Wie ist die Qualität unseres Leitungswassers?

Immer mehr Menschen verzichten auf den Kauf von Mineralwasser und trinken stattdessen Leitungswasser oder stellen ihr kohlensäurehaltiges Mineralwasser mit sogenannten Sodabereitern selbst her. Doch ist klares Wasser auch immer sauber? Über die Qualität von Trinkwasser informieren wir Sie hier.

Wasser – ein streng kontrolliertes Lebensmittel

Ohne Flüssigkeit kann der Mensch nur einige Tage überleben. Das gesündeste Getränk für den Körper ist Wasser. Trinkwasser wird aus Fluss-, See-, Quell- oder Grundwasser gewonnen.

Bevor es für das öffentliche Netz verfügbar ist, durchläuft es mehrere Reinigungsschritte. Das Wasser, das aus unseren Leitungen kommt, ist den strengen Vorschriften der deutschen Wasserverordnung unterworfen – es ist in Deutschland wohl das am strengsten kontrollierte Lebensmittel.

Durch unsere Leitungen läuft also gesundheitlich einwandfreies Wasser, doch kann dieses durch Metalle wie Kupfer und Blei aus Wasserrohren belastet sein. Und wie steht es mit Schadstoffen wie Nitrat aus den Böden?

Wie sauber ist unser Leitungswasser?

Über die Hälfte aller Trinkwasserleitungen in Deutschland sind aus Kupfer hergestellt. Zwar ist Kupfer für den Menschen ein essentielles Spurenelement, von dem der Erwachsene täglich rund 1 bis 1,5 Milligramm zuführen sollte. Hat das Wasser allerdings einen sauren pH-Wert unter 7, kann das Kupfer aus den Leitungen gelöst werden und sich im Wasser anreichern.

Bis in die siebziger Jahre wurden Wasserleitungen aus Blei installiert. In größeren Mengen ist Blei giftig, insbesondere für Kinder. Weiches Wasser in Kombination mit solchen Rohren kann zu hohen Bleikonzentrationen im Leitungswasser führen, die eventuell gesundheitliche Schäden hervorrufen. Deshalb sollten alle Bleirohre in den Haushalten ausgetauscht werden.

Nitrat und Nitrit im Trinkwasser

Nitrat und Nitrit sind unter anderem Bestandteile von Düngemitteln. Je nach Sauerstoffgehalt des Wassers werden sie ineinander umgewandelt. Nitrat löst sich gut in Wasser und kann deshalb durch Auswaschung der Böden mit dem Regen ins Grundwasser gelangen. In Gebieten, in denen starke Landwirtschaft oder intensiver Weinanbau betrieben wird, können die Werte für Nitrat erhöht sein.

Der Grenzwert für Nitrat liegt nach der Trinkwasserverordnung bei 50 Milligramm pro Liter. Wird dieser Grenzwert überschritten, darf das Wasser gar nicht erst in unsere Leitungen gelangen. Trinkwasser trägt zu etwa 25 Prozent zu unserer Nitrataufnahme bei, Gemüse zu 60 Prozent.

Belastung durch Uran

Untersuchungen haben in den letzten Jahren mehrfach gezeigt, dass das Leitungswasser in vielen Regionen zu hoch mit Uran belastet ist. Der Grenzwert liegt bei 10 Mikrogramm Uran pro Liter Wasser. Damit liegt er über dem für kleine Kinder kritischen Wert.

Familien mit kleinen Kindern sollten deshalb ihr Wasser testen lassen und eventuell Mineralwasser aus Flaschen für die Nahrungsherstellung verwenden – zu hohe Uranwerte sind dort durch "nicht geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung" gekennzeichnet.

Leitungswasser untersuchen

Schnelle und einfache Teststreifen, unter anderem zur Messung des pH-Wertes und des Härtegrades können Sie in Apotheken kaufen. Genauere Wasseranalysen werden bei Ihren örtlichen Wasserwerken durchgeführt und können auch (kostenpflichtig) bei unabhängigen Instituten in Auftrag gegeben werden.

Sodabereiter ja oder nein?

Trotz der oben genannten Einschränkungen: Die strengen Vorgaben des Gesetzgebers sichern in Deutschland eine sehr gute Wasserqualität. Wenn Sie beim Herstellen Ihres eigenen kohlensäurehaltigen Mineralwassers auf einige Dinge achten, dann ist Wasser aus der Leitung ein idealer Durstlöscher.

Allerdings sollten Sie bedenken, dass Ihr selbst "gesprudeltes Leitungswasser" nicht die Menge an lebensnotwendigen Mineralstoffen (zum Beispiel Kalzium) enthält wie gekauftes Mineralwasser. Die meisten Menschen können diese Defizite durch eine gesunde Ernährung ausgleichen. Bei Personen mit einem besonderem Bedarf (Schwangere, Sportler, Menschen mit Erkrankungen wie Osteoporose oder lang anhaltenden Durchfällen) ist es jedoch günstiger, die Zufuhr über geeignete Mineralwässer zu decken.

Darauf sollten Sie bei Trinkwasser achten

Folgende Tipps sollten Sie beachten, wenn Sie Leitungswasser (ob gesprudelt oder nicht) trinken möchten:

  • Verwenden Sie kein Wasser, das lange in der Leitung gestanden hat (morgens, nach der Arbeit oder nach dem Urlaub). Durch kurzes Ablaufen des Wassers können gesundheitsschädliche Stoffe minimiert werden.
  • Flaschen, in die Sie Ihr Wasser füllen, sollten absolut sauber und hygienisch sein.
  • Bevorzugen Sie Glasflaschen – diese lassen sich besser reinigen.
  • Verbrauchen Sie Ihr Wasser möglichst schnell. Bei längerer Lagerung bewahren Sie es im Kühlschrank auf, das schützt vor Keimvermehrung.
  • Benutzen Sie Wasser zur Herstellung von Baby-/Kleinkindernahrung gehen Sie sicher, dass in Ihrem Leitungswasser die Grenzwerte für kritische Substanzen nicht überschritten werden. Greifen Sie im Zweifelsfalls auf Wasser in Flaschen zurück.

Aktualisiert: 24.04.2019 – Autor: Dagmar Reiche / Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung

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