Lebensmittelkontrolle: "Amtliche Probe" auf Verderblichkeit

Ob an der Imbissbude, im Restaurant, beim Bäcker oder im Supermarkt – Lebensmittelkontrolle muss sein und schützt jeden Verbraucher. Die Kontrolleure kommen aufgrund von Beschwerden und außerdem routinemäßig mindestens einmal im Jahr – und zwar unangekündigt. Wann sollten Sie als Verbraucher die amtliche Kontrolle einschalten und was wollen die Behörden von Ihnen wissen?

Ein Grund zur Lebensmittelkontrolle

Die Überraschung ist groß, als Hanna S. aus Braunschweig ihr Schweinefilet auspackt: Neben einem widerlichen Geruch bedeckt ein untypischer Schmierfilm das Fleisch – das laut Aufdruck auf der Verpackung noch mindestens fünf Tage haltbar sein sollte. Hanna S. hat das Fleisch im Supermarkt gekauft, wo sie sich schon einmal über verschimmelte Ware geärgert hatte. Zwar konnte sie das angeschimmelte Brot zurückgeben und bekam Ersatz, doch das Vertrauen in das nahe gelegene Geschäft war dahin. Frau S. handelt: Sie ruft beim Ordnungsamt der Stadt Braunschweig an. Wenige Tage später besuchen die Lebensmittelkontrolleure den Supermarkt.

Betriebskontrollen mindestens einmal im Jahr

Ein Fall von Tausenden und Frau S. hatte Glück, weil man verdorbenes Fleisch riechen kann. Ganz anders sieht der Fall bei Salmonellen aus, wie sie häufig genug im Sommer in Eis oder Mayonnaise vorkommen. Denn man riecht und schmeckt sie nicht – mit allerschlimmsten Folgen für die Gesundheit. Lebensmittelkontrolle in Deutschland ist Sache der Kreise und Kommunen. Etwa 2.500 Kontrolleure sind bundesweit unterwegs. Doch nach Aussage des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure müssten es doppelt so viele sein, um wirklich ausreichend kontrollieren zu können.

Die "amtliche Probe"

Ein Lebensmittelkontrolleur entnimmt im Geschäft beziehnugsweise in der Küche des Restaurants eine "amtliche Probe" für die Untersuchung und gleichzeitig eine zweite Gegenprobe, die er amtlich verschlossen im Geschäft zurücklässt. Sie dient als Beweisstück. Häufig wird gleichzeitig eine Betriebskontrolle durchgeführt, um den allgemeinen Zustand des Betriebes zu erkunden. In dem Supermarkt, in dem Hanna S. einkauft, wird die Fleischtheke genauestens inspiziert. Die Proben, die aufgrund einer Beschwerde genommen werden, machen im Durchschnitt aber nur einige Prozente der untersuchten Proben aus. Die meisten Proben zieht die Überwachungsbehörde von sich aus ein, zum Beispiel bei einer Betriebskontrolle.

Jeder Lebensmittelbetrieb, der Bäcker oder Metzger, der Schnellimbiss, sie alle sollten unangekündigt mindestens einmal im Jahr kontrolliert werden. Betriebe, die leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch, Milch oder Fisch herstellen oder verarbeiten, werden besonders intensiv überwacht. Und die schwarzen Schafe, Betriebe also, die sch on öfter aufgefallen sind, bekommen häufiger Besuch. Bessern sich die Zustände nicht, drohen Bußgelder und Schließungen.

Wann sollten Sie die amtliche Lebensmittelkontrolle einschalten ?

Kunden sollten die Lebensmittelüberwachungsbehörde dann einschalten, wenn:

  • im Geschäft nicht auf Reklamation eingegangen wird,
  • wenn bekannt ist, dass es in einem bestimmten Geschäft schon öfter zu Beanstandungen gekommen ist,
  • wenn von einem verdorbenen Lebensmittel auch für Andere eine Gesundheitsgefahr ausgeht, etwa durch verdorbene Feinkostsalate oder Fisch.

Neben Angaben über die Art des Lebensmittels benötigt die Behörde diese Angaben:

  • Aussehen der Verpackung
  • Angaben zum Hersteller oder Importeur
  • Bei loser Ware: welche Angaben im Geschäft an der Ware angebracht waren
  • Zeitpunkt, wann welcher Mangel entdeckt wurde
  • Lagerung des Lebensmittels zuhause
  • Zeitraum zwischen Einkauf und Verzehr des Lebensmittels
  • Sind bereits Gesundheitsschäden aufgetreten: Wie viel Zeit ist zwischen dem Verzehr des Lebensmittels und dem Auftreten der Beschwerden vergangen?

Das Gleiche gilt, wenn bei einem Restaurantbesuch das Essen allzu unappetitlich aussieht und schmeckt oder gar Küchenschaben ihren Anteil am Essen fordern – hier sollte der Gast nicht lange zögern, sondern schnellstens die Adresse der örtlichen Lebensmittelüberwachung, etwa beim Ordnungsamt erfragen. Die Adressen aller Lebensmittel-Überwachungsämter sind im Telefonbuch oder über die Stadt- oder Kreisverwaltung zu finden.

Aktualisiert: 25.04.2017
Autor*in: dkd test

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