Schadstoffe in Lebensmittelverpackungen – das müssen Sie wissen!

Lebensmittel verpackt in Dosen, Tetrapaks, Kunststoff, Zellglasfolien und Kartons füllen die Regale in unseren Supermärkten. Die lange Haltbarkeit dieser Produkte ermöglicht uns eine gute Vorratshaltung. Wenig bekannt ist, dass aus mancher Verpackung unerwünschte Substanzen, von denen manche sogar giftig sind, in das Lebensmittel übergehen können.

Verpackungen können unerwünschte Substanzen enthalten

Verpackte Lebensmittel sind aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Sie bieten in unserer Umwelt, die geprägt ist von Zeitnot und Hektik, viele Vorteile, denn sie: 

  • eignen sich gut zur Vorratshaltung
  • sind in den Regalen schnell griffbereit
  • bieten gewünschte Portionsgrößen 
  • sind leicht zu transportieren

Es werden ständig neue Verpackungen entwickelt, die besonders anwenderfreundlich sind und das Handling der Produkte erleichtern. Entsprechend ist auch der Einsatz neuer Technologien und Rohstoffe vonnöten. Leider ist bei manchen dieser Rohstoffe noch völlig unbekannt, welche Auswirkungen diese auf unsere Gesundheit haben. 

Meist nehmen wir unerwünschte Substanzen, die über die Verpackung in das Lebensmittel gelangen, nur in sehr kleinen Mengen auf, die in der Regel gesundheitlich unbedenklich sind. Dennoch sollte mancher Griff in das Lebensmittelregal nicht unreflektiert bleiben.

In Kunststoff gehüllt

Ob Wurst oder Käse, Süßigkeiten, Brot oder Obst, wir können nahezu alle Lebensmittel in Folie oder Kunststoff verpackt erhalten. Im Lebensmittelsektor wird eine Vielzahl von Kunststoffen eingesetzt. Dazu zählen beispielsweise Polyethylen, Polypropylen, Polystyrol und Hart-PVC. In Form von Folien, Blistern und anderen Verpackungsformen sind unsere Lebensmittel mit Kunststoffen umhüllt. 

Immer wieder gibt es Berichte darüber, dass Substanzen aus den Kunststoffen in die Lebensmittel übergehen können. Zum Teil handelt es sich hierbei um unerwünschte toxische Substanzen.

Folgende Verpackungsstoffe sind dabei besonders kritisch zu sehen:

  • Vinylchlorid
  • Epoxidiertes Sojaöl (ESBO)
  • Zinn
  • BADGE (Bisphenol-A-diglycidylether)
  • Phthalsäureester (Phthalate)
  • FTOH (Fluortelomer-Alkohole)

Im Folgenden finden Sie die Auswirkungen der verschiedenen Substanzen im Einzelnen erklärt.

Vinylchlorid

Vinylchlorid ist der Ausgangsstoff für die Herstellung von PVC (Polyvinylchlorid), das als Schutzüberzug bei beschichteten Verpackungen für Lebensmittel sowie Folien und Verbundfolien verwendet wird. Vinylchlorid steht im Verdacht, eine schwach Erbgut schädigende, Krebs fördernde Wirkung zu haben. Es soll vor allem Lebersarkome begünstigen, da Giftstoffe überwiegend in der Leber verarbeitet werden.

Sichere Erkenntnisse, die auf eine Krebs auslösende Potenz hindeuten, fehlen aber derzeit noch. Dennoch gilt aus Vorsorgegründen für diese Substanz, dass der Übergang auf Lebensmittel nicht nachweisbar sein darf.

Epoxidiertes Sojaöl (ESBO)

ESBO findet Einsatz als pflanzlicher Weichmacher und Stabilisator für PVC, insbesondere in Deckeldichtmassen und Ziehfolien. In Deckeln von Konserven und Glaskost kann es bis zu 40 Prozent der Dichtmasse ausmachen.

Entscheidend für einen Übergang des ESBO in das Lebensmittel ist der direkte Kontakt mit der Speise sowie deren Fettgehalt. Große Mengen ESBO können in stark ölhaltige Lebensmittel wie beispielsweise Pesto, Olivenpaste und in Öl eingelegtes Gemüse übergehen.

Anfang 2005 wurde ESBO in zahlreichen in Schraubdeckelgläsern verpackten Lebensmitteln, unter anderem in Säuglingskost, nachgewiesen. Bisher gibt es keine ausreichenden Daten zur Beurteilung der gesundheitlichen Bedeutung von ESBO für den Menschen.

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass eine Toxizität bei wiederholtem Kontakt zu ESBO besteht. Die zulässige tägliche Aufnahmemenge wurde auf 1 mg pro kg Körpergewicht festgelegt. 

Da der Grenzwert für die tägliche Aufnahmemenge bei Säuglingen deutlich niedriger ist und beispielsweise Babynahrung in Gläsern ESBO enthalten könnte, wird aktuell diskutiert, eine Höchstmenge an nachweisbarem ESBO in Lebensmittelverpackungen festzulegen.

Zinn

Sei es Gemüse, Obst oder Fisch, die gute alte Konservendose hat ihren festen Platz im Lebensmittelregal. Schon lange ist bekannt, dass aus verzinnten Weißblech-Konserven bei Luftzutritt Zinn in den Doseninhalt übergehen kann. Zinn ist ein Schwermetall, das relativ ungiftig ist.

Die Aufnahme größerer Mengen kann jedoch zu Durchfall und Erbrechen führen. Lebensmittel aus verzinnten Weißblech-Dosen sollten deshalb zügig verarbeitet und Reste in ein anderes Behältnis umgefüllt werden.

Die Gefahr, hohe Konzentrationen an Zinn aufzunehmen, ist in der Regel jedoch sehr gering, da deutsche Hersteller überwiegend Konservendosen mit einer Innenbeschichtung oder -lackierung verwenden. 

BADGE (Bisphenol-A-diglycidylether)

Aber auch in Beschichtungen und Lackierungen können unerwünschte Substanzen enthalten sein, beispielsweise BADGE (Bisphenol-A-diglycidylether). BADGE ist ein Weichmacher, der von den Innenlackierungen der Konservendosen an das Füllgut abgegeben werden kann.

Bei Untersuchungen in der Schweiz und in Deutschland wurden beispielsweise hohe Gehalte im Ölaufguss von Fischkonserven sowie in Konserven mit einem Aufreißdeckel gefunden. Vermutlich dient der Weichmacher zur Erzielung einer optimalen Flexibilität des Lackes. 

BADGE steht im Verdacht, durch eine antiandrogene Wirkung den Hormonhaushalt des Menschen zu verändern. Eine ursprünglich angenommene Krebsgefahr oder Gesundheitsgefährdung konnte bisher nicht bestätigt werden. Dennoch wurde durch die Europäische Kommission ein Grenzwert von 1 mg pro kg Lebensmittel festgelegt.

Phthalsäureester (Phthalate)

Phthalate werden als Weichmacher für PVC, Polystyrol und andere Kunststoffe eingesetzt. Sie werden den Materialien beigemischt, um deren Dehnbarkeit und Verarbeitbarkeit zu optimieren. Der häufigste Vertreter unter den Phthalaten ist das DEHP (Di-2-ethylhexylphthalat). 

Phthalate sind toxikologisch noch nicht umfassend untersucht und bewertet. Wahrscheinlich greifen sie durch eine schwach östrogen-ähnliche Wirkung in den Hormonhaushalt des Menschen ein und wirken somit auf die Entwicklung der Geschlechtsorgane. Sie stehen außerdem im Verdacht, bei Männern Diabetes zu begünstigen.

Seit seiner Reglementierung 2015 kommt DEHP jedoch nur noch in medizinischen Verpackungen vor, in Verpackungen von Lebensmitteln sollte der Stoff nicht mehr nachgewiesen werden. Anstatt des vermutlich gesundheitsgefährdenden DEHPs wird dort jetzt nur noch DINP (Di-isononylphthalat) verwendet, das weniger bedenklich sein soll. 

In der Regel sind die Mengen an Phtalaten, die wir durch die Umwelt oder durch Lebensmittel aufnehmen, jedoch so gering, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung das Gesundheitsrisiko sehr niedrig eingeschätzt hat.

Nur bei 1,5 Prozent der in einer Studie untersuchten Kleinkinder konnte eine erhöhte Menge an Phtalaten im Körper nachgewiesen werden, die wahrscheinlich mit dem dauerhaften oralen Kontakt mit Plastikspielzeugen in Verbindung stand.

Lebensmittel in Pappkartons

Pizza und Hamburger sind als Fast-Food an jeder Ecke erhältlich. Den Pappkarton gibt es natürlich dazu, damit das Essen auch heil zu Hause ankommt. Damit Kartons und Papiere beim Gebrauch nicht aufweichen, werden sie häufig mit Perfluorchemikalien beschichtet, da diese fett- und wasserabweisend sind. 

In Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Perfluorchemikalien als Verunreinigung FTOH (Fluortelomer-Alkohole) enthalten können. Diese stehen im Verdacht, auf das Lebensmittel überzugehen und so in den menschlichen Körper zu gelangen, wo sich die Substanz aufgrund der langsamen Abbaurate anreichern kann. 

Über das gesundheitliche Risiko für den Verbraucher ist bisher wenig bekannt. Aufgrund von Ergebnissen aus Tierversuchen wird die Substanz jedoch als kritisch eingestuft.

Wie können wir uns schützen?

Zum Schutz des Verbrauchers werden vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Höchstmengen und Grenzwerte für gesundheitlich bedenkliche Substanzen festgelegt. Außerdem wird Forschung auf dem Gebiet der Lebensmittelsicherheit betrieben, unter anderem mit dem Ziel, neue Technologien zur Herstellung von Lebensmitteln und Verpackungen zu entwickeln, die bei gleicher Effizienz ein hohes Maß an Sicherheit für den Verbraucher gewährleisten.

Gerade bei kritischen Produkten, wie fetthaltige Lebensmittel und Säuglingskost in Gläsern mit Schraubverschluss, haben viele Hersteller bereits reagiert und verzichten auf diese bedenklichen Substanzen. Aber auch das kritische Kaufverhalten der Verbraucher ist gefragt.

5 Tipps zur Vermeidung von Schadstoffen in Verpackungen

In fast allen konventionellen Verpackungen können Spuren von Substanzen verarbeitet werden, die sich in die Umwelt, auf unsere Gebrauchsgegenstände und auf Lebensmittel verflüchtigen.

Die nachhaltige Schädigung der Gesundheit oder eine erhöhte Karzinogenität konnte bei den meisten Stoffen nicht eindeutig nachgewiesen werden. Dass die Einnahme dieser Stoffe in großen Mengen nicht gesund ist, bleibt jedoch unbestritten.

Wer so gut es geht auf in Kunststoff eingepackte Ware verzichtet, muss sich keine Sorgen um eine mögliche Vergiftung machen. Zur Vermeidung von Phtalaten und Co. im Alltag haben wir diese 5 Tipps zusammengestellt:

  1. Bevorzugen Sie Produkte mit alternativen Verpackungen aus Glas und Papier.
  2. Greifen Sie häufiger auf die sogenannte "lose Ware" zurück. Kaufen Sie beispielsweise in der Bäckerei, an der Wurst- und Käsetheke oder am Obst- und Gemüsestand unverpackte Ware.
  3. Bereiten Sie, wann immer möglich, Speisen frisch zu und verzichten Sie auf verpackte Fertiglebensmittel und Tiefkühlkost.
  4. Achten Sie besonders bei fetthaltigen Lebensmitteln auf deren Verpackung.
  5. Verpacken Sie eingeschweißte Lebensmittel zu Hause gleich in Glasbehälter und ähnliches.

Aktualisiert: 27.09.2018 - Autor: Dr. rer. med. Angela Jordan (Diplom-Oecotrophologin); überarbeitet: Lena Kaarow

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?