PEKiP: Gemeinsam lernt's sich leichter

Ihr Baby spielerisch zu fördern ohne es zu überfordern, das liegt wohl allen Vätern und Müttern am Herzen. Sich mit anderen Eltern zusammen zu tun, um sich auszutauschen, auch das ist im ersten Jahr des Kindes den meisten ein dringendes Anliegen. Und natürlich profitieren auch die Babys davon, wenn sie mit Gleichaltrigen erste Kontakte knüpfen können. Genau zugeschnitten auf diese Bedürfnisse ist PEKiP, ein Spiel- und Bewegungsangebot für Eltern und ihre Kinder.

Spielerische Entwicklung

"Erziehung durch Bewegung", so lautete das Motto des Prager Psychologen Dr. Jaroslav Koch (1910-1979). Er hatte festgestellt, dass sich Babys besonders gut entwickeln, wenn sie sich schon früh spielerisch bewegen. Eine Aufsehen erregende Theorie in Zeiten, in denen die Babys noch den ganzen Tag in ihrem Bettchen verbrachten und außer Essen und Schlafen wenig Abwechslung kannten.

Die zweite erstaunliche Erkenntnis: Babys spielen am besten nackt. Denn nur nackte Babys sind nicht beengt und können wesentlich aktiver und spontaner ihrem Bewegungsdrang nachgehen. Von der deutschen Psychologin Professor Christa Ruppelt wurden die Ideen Kochs in den 70er Jahren in Zusammenarbeit mit Sozialarbeiterinnen und Pädagoginnen zum Konzept PEKiP weiterentwickelt. Heute erfreuen sich die Kurse größter Beliebtheit und sind meist über Monate im Voraus ausgebucht.

Was ist PEKiP?

In der heutigen Form ist PEKiP ein Spiel- und Bewegungsangebot für Eltern und Kinder unter der fachlichen Begleitung durch eine speziell ausgebildete PEKiP-Leiterin. Der Kurs begleitet die Entwicklung der Babys über 1 Jahr. Die Kinder sollten beim Start 4 bis 6 Wochen alt sein. Eltern und Kinder (in der Regel 6-8 Babys mit ihren Müttern und/oder Vätern) treffen sich einmal pro Woche für 90 Minuten.

Warm und geborgen

Eltern und Kinder bleiben in dieser Konstellation für ein Jahr zusammen. Das bedeutet, man lernt sich sehr gut kennen. Eine wichtige Voraussetzung, denn die Kinder sollen sich wohl und geborgen fühlen, wenn sie mit ihren Müttern/Vätern und den anderen Kindern umgehen. In einem gut beheizten Raum (25-28 Grad Celsius), dessen Boden mit abwaschbaren Gummimatten ausgelegt ist, dürfen sich die Kinder nach Herzenslust bewegen und spielen.

Sind die Babys noch sehr klein, werden vor allem Hochnehm-, Halte- und Tragetechniken vermittelt, die sowohl für die Eltern als auch das Kind angenehm und vor allem schonend für den Rücken sind. Später kommen Übungen hinzu, die den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder spielerisch unterstützen und sie in ihrer persönlichen Entwicklung fördern.

Spielen mit einfachen Mitteln

Neben diesen motorischen Übungen und Spielen geht es aber auch darum, die Sinne anzuregen. Die Eltern erhalten Anregungen, mit welchen Spielsachen sie dies erreichen können und wie man diese mit einfachen Mitteln selbst herstellen kann. Die Babys werden z.B. mit Federn und Tüchern gestreichelt und gekitzelt, sie dürfen mit Händen und Füßen in Wasser oder Schlamm spielen und lernen über das Betasten viele verschiedene Materialien kennen. Außerdem ist Musik ein wichtiger Bestandteil der Sinnesübungen, z.B. die Wahrnehmung verschiedener Geräusche oder Instrumente oder auch das Singen und Bewegen in der Gruppe.

Freundschaften schließen

Kontakte zu knüpfen, dass ist für beide Seiten wichtig. Die Eltern haben in den Kursen eine Plattform. In ausführlichen Gesprächsrunden können sie Erfahrungen im Umgang mit ihrer neuen Rolle als Eltern austauschen und bei der Neuorganisation des Alltags- und Berufslebens.Die Kinder finden erste Kontakte unter Gleichaltrigen. Letzteres ist besonders wichtig, denn in jedem Alter kommunizieren Babys anders, z.B. im frühen Alter über Blickkontakt, später durch Berühren oder noch viel aktiver in dem sie aufeinander zu krabbeln.

Nähe herstellen - Distanz zulassen

Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, dass sich Eltern und ihre Kindern besser kennen lernen. Im gemeinsamen Spiel und unter fachlicher Anleitung lernen die Eltern die Gefühle und Stimmungen ihres Kindes besser zu verstehen. Im ersten halben Jahr geht es dabei vor allem um einen engen Kontakt zwischen Eltern und Kind. Später spielt dann das Loslassen eine größere Rolle. Im geborgenen Kreis lernt das Baby sich ohne Angst von Mutter oder Vater zu entfernen und zunächst diese kleine Welt zu entdecken und für sich zu erobern.

Fördern ohne zu überfordern

Das erste Jahr des Babys, eine Zeit gewaltiger Entwicklungssprünge. Aber jedes Kind hat auch sein eigenes Tempo und seine eigenen Stärken und sollte niemals in seiner Entwicklung als defizitär wahrgenommen werden. Vielleicht ist der "Krabbelverweigerer" eher der Typ "stiller Beobachter", der lieber filigran mit den Händen spielt und diese schon früh sehr gezielt einsetzen kann. Oder er gehört zu den Sprachvirtuosen, die uns schon bald die Welt erklären wollen. Es wäre schade, wenn Eltern-Kind-Kurse den allgemeinen Konkurrenzdruck noch erhöhten, welches Kind denn nun das schnellere und begabtere sei. PEKiP-Kurse wollen demgegenüber vermitteln, dass jedes Baby seinen eigenen Rhythmus hat, unterschiedliche Verhaltensweisen zeigt und sich auf eigene Weise entwickelt.

Das sollte man wissen:

  • PEKiP-Gruppen sollten nur von Personen geleitet werden, die durch eine spezielle Zusatzausbildung qualifiziert sind. Zu dieser Ausbildung werden nur Fachkräfte zugelassen, die einen sozialpädagogischen Grundberuf haben.
  • Die Kurse sind sehr schnell ausgebucht. Man sollte sich deshalb direkt nach der Geburt des Kindes anmelden. Informationen gibt es z.B. bei Volkshochschulen, Familienbildungsstätten oder auf der offiziellen Homepage des PEKiP-Vereins.

Aktualisiert: 13.09.2012 – Autor: Ina Mersch

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