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Was tun bei Ertrinkungsunfällen?

In der Skala tödlicher Unfälle bei Kindern folgt er direkt auf den Verkehrsunfall: der Tod durch Ertrinken! Dabei sind 20 % der Betroffenen Kinder jünger als 5 Jahre. Das liegt vor allem daran, dass bei Säuglingen und Kleinkindern schon eine geringe Wassertiefe ausreicht, um sie in eine tödliche Gefahr zu bringen. Durch den so genannten Tauchreflex kann es beim Eintauchen des Gesichtes in kaltes Wasser zum Atemstillstand kommen. Ein weiteres Problem ist, dass immer weniger Kinder Schwimmen lernen.

Was bedeutet Ertrinken?

Ertrinken bedeutet per Definition einen Erstickungstod durch Untertauchen in Flüssigkeit.Bei Ertrinkungsnotfällen kommt es durch das Eindringen von Flüssigkeit bzw. Schlamm oder Erbrochenem in die Atemwege zu einem akuten Sauerstoffmangel, der zum Kreislaufstillstand führen kann. Hinzu kommt oft eine ausgeprägte Unterkühlung, die durch die hohe Wärmeleitfähigkeit des Wassers bedingt ist. Allein diese Unterkühlung kann schon zu Komplikationen führen, wie z.B. Herzrhythmusstörungen.

Die Unterkühlung senkt aber auch den Sauerstoffverbrauch der Betroffenen. So lässt es sich erklären, dass sich die Überlebenszeiten nach einem Kreislaufstillstand verlängern, z.B. nach einem Einbruch im Eis. Tatsächlich gibt es Fälle, in denen Kinder, die länger als eine Stunde unter Wasser waren, trotzdem überlebt haben.

Wichtig: Sie, als Ersthelfer, sollten unverzüglich mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen und so lange wie möglich durchhalten.

Was muss ich tun?

  • Das Kind bergen: Halten Sie den Kopf des Kindes über der Wasseroberfläche. Achten Sie auf einen ausreichenden Selbstschutz, z.B. bei starker Strömung!
  • Sorgen Sie für eine Notfallmeldung. Lassen sie das Kind aber auf keinen Fall allein.
  • Wenn das Kind bei Bewusstsein und ansprechbar ist: Versorgen Sie es mit trockener, warmer Kleidung und beruhigen Sie es.
  • Atmet das Kind selbst: Bringen Sie es in die stabile Seitenlage. Stellen Sie sicher, dass sich keine Fremdkörper (z.B. Sand oder Pflanzen) im Mund des Kindes befinden.
  • Bei fehlender Atmung: Beginnen Sie sofort mit der Beatmung. Diese Maßnahme muss fortgeführt werden bis die Atmung wieder einsetzt.
  • Bei fehlendem Puls: Sofort mit der Herzmassage beginnen. Auch hier gilt: Erst aufhören, wenn Atmung und Kreislauf wieder funktionieren!

Achtung: Jedes Kind, das beinahe ertrunken wäre, muss weiter medizinisch überwacht werden. Auch ein kurzer Sauerstoffmangel kann zu Organschäden führen, die sich erst nach 24 bis 48 Stunden zeigen oder ein komplettes Organversagen (z.B. der Lungen) verursachen.

Kindliche Anatomie

Die wesentliche Ursache dafür ist eine Besonderheit der kindlichen Anatomie. Kinder haben im Verhältnis zu ihrem Gesamtgewicht einen schweren Kopf, und deshalb liegt ihr Schwerpunkt im Brustbereich und nicht, wie bei Erwachsenen oder älteren Kindern, in der Höhe des Bauchnabels. Beugen sich neugierige Kinder über die glitzernde Wasserfläche des Teiches oder stützen sich auf dem wackeligen Plastikrand des Planschbeckens auf, dann kippen sie leicht vorüber und fallen ins Wasser. Da ihre Nackenmuskulatur noch nicht stark genug ausgeprägt ist, gelingt es Kindern kaum aus eigener Kraft, den Kopf aus dem Wasser zu heben.

Deshalb gilt beim Froschteich genauso wie beim einfachen, aufblasbaren Planschbecken: Egal, wie wenig Wasser drin ist – Kinder nie ohne Aufsicht am und im Wasser spielen lassen!

Schon bei der Planung auf Sicherheit achten

Schutz vor dem Ertrinken bieten natürliche Barrieren wie Buchsbaum- oder Rosenhecken. Landschaftsgerecht eingebundene Wälle und Tore sind eine weitere, zudem optisch reizvolle Sicherung. Sinnvoll sind auch reißfeste Netze und Baustahlmatten, die wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche fest verankert werden. Mit der Zeit setzen sie Patina an und sind dann fast unsichtbar. Dafür wirken sie umso besser, wenn Kinder ins Wasser fallen. Die Kleinen werden dann zwar nass, gehen aber nicht unter.

Kinder unter drei Jahren können sich allerdings auch auf Baustahlmatten und Netzen nicht hochstützen. Sie brauchen immer Aufsicht! Auch der Teich in Nachbars Garten kann Gefahren bergen, daher sollten Tore und Durchgänge so gesichert sein, dass sie von kleinen Kindern nicht geöffnet oder überklettert werden können. Aktion Das sichere Haus

Aktualisiert: 22.06.2012

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