Vaginalflora – starkes Gleichgewicht

Vaginalflora: Frau in Unterwäsche © istockphoto, Voyagerix

Tag für Tag ist die Scheide möglichen feindlichen Attacken ausgesetzt: Schließlich ist sie eine ständige Verbindung zur Außenwelt, in der auch zahlreiche potenzielle Krankheitserreger lauern. Um die Vagina und die damit verbundenen Geschlechtsorgane zu schützen, hat die Natur ein ausgeklügeltes Abwehrsystem ersonnen. Wichtiger Teil des Schutzprozesses ist das ständig produzierte Scheidensekret, mit dem abgestorbene Zellen, Blut, Krankheitserreger und Spermien nach außen transportiert werden.

Außerdem macht es die Schleimhäute durch die ständige Befeuchtung weniger anfällig für kleine Verletzungen. Einen enorm wichtigen Anteil an der vaginalen Schutzfunktion hat das Scheidenmilieu, also die Zusammensetzung des Sekrets und dessen, was die Schleimhaut besiedelt.

Zusammensetzung der Vaginalflora

Der saure pH-Wert der Vaginalflora macht vielen Krankheitserregern das Leben schwer und wird durch Laktat hervorgerufen. Diese Milchsäure wird von den normalerweise in der Vagina vorhandenen zahlreichen "guten" Laktobazillen beim Abbau von Glykogen hergestellt, ein Zucker, der unter dem Einfluss von Hormonen in die Schleimhautzellen eingelagert wird.

Doch die Laktobazillen, die oft auch als Döderlein-Stäbchen bezeichnet werden, produzieren noch mehr:

  • andere giftige Säuren und Wasserstoffperoxid
  • Stoffwechselprodukte (Bakteriozine), die das Keimwachstum hemmen
  • Biosurfactants, die andere Bakterien daran hindern, sich an die Scheidenwand zu klammern
  • Koaggregationsmoleküle, durch die Erreger am Wandern gehindert werden.

Diese Mischung macht es den meisten potenziell krankmachenden Keimen fast unmöglich, sich in der Scheide häuslich niederzulassen. Damit leuchtet ein, wie wichtig eine gesunde Vaginalflora ist.

Antibiotika stören die Vaginalflora

Und so erklärt sich auch, warum die Einnahme von Antibiotika zu Scheidenproblemen führen kann – schließlich sind die Laktobazillen (und andere, zur normalen Besiedlung gehörende Keime) auch Bakterien, die durch manche Medikamente empfindlich gestört werden können.

Vaginalsekret: Welches Aussehen ist normal?

Das ständig in geringen Mengen produzierte Vaginalsekret besteht aus abgeschilferten Schleimhautzellen der Scheide, Wasser, Salzen, Harnstoff, Säuren und Eiweißen sowie Bakterien und vereinzelten Blutzellen.

Normaler Ausfluss ist glasig-weißlich ("Fluor alba“), flüssig und von unauffälligem Geruch und er verursacht keine Beschwerden. Scheidensekret, das während der sexuellen Erregung erzeugt wird, entsteht übrigens durch Abpressen von Flüssigkeit aus den Zellen der geschwollenen Schleimhaut und dient der Befeuchtung (Lubrikation); es vermischt sich mit einer schleimhaltigen Absonderung der Bartholin-Drüsen am Scheideneingang.

Menge und Geruch des Ausflusses

Die Menge (sowie die Zusammensetzung, die Konsistenz und der Geruch) des Ausflusses verändert sich nicht nur im Lauf des Lebens, sondern auch während des weiblichen Zyklus, gesteuert von den Sexualhormonen, vor allem Östrogen. So wird er kurz vor dem Eisprung vermehrt gebildet, um ein besonders befruchtungsfähiges Milieu zu schaffen, und verstärkt sich dann noch einmal kurz vor der Regelblutung.

Aktualisiert: 14.08.2019 - Autor: Dagmar Reiche

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