Bettnässen bei Kindern – Enuresis

Kind im Bett
© istockphoto, Portra (Symbolfoto)

Der Druck von außen ist groß: Sobald sie in den Kindergarten kommen, sollten die Kleinen wenigstens tagsüber auf ihre Windel verzichten können. Wenn dann allen Versuchen zum Trotz Hose oder Bett immer wieder nass sind, wächst oft die Panik der Eltern. Doch meist reichen Geduld und eine Portion Gelassenheit – und das Thema erledigt sich nach und nach von selbst.

Überblick

Zur Beruhigung erst mal ein paar Zahlen: In Deutschland nässt jedes fünfte 5-jährige Kind und immerhin noch jedes zehnte 7-jährige Kind regelmäßig oder immer mal wieder nachts ein. Fehlende Blasenkontrolle vor allem nachts ist bis zu einem gewissen Alter durchaus noch normal.

Von Einnässen sprechen die Kinderärzte erst dann, wenn ein Kind nach seinem 5. Geburtstag nicht trocken ist – und zwar länger als 3 Monate am Stück und mir einer gewissen Regelmäßigkeit. Nässt es tagsüber ein („Hosennässen“) spricht der Mediziner von Enuresis diurna, spielt sich das Ganze nachts ab („Bettnässen“) von Enuresis nocturna.

Übrigens: Ein gelegentliches Missgeschick ist auch bei Älteren völlig normal. Den meisten Kindern gelingt es um ihren 3. Geburtstag herum, ihre Blase zu kontrollieren, wobei Mädchen das durchschnittlich schneller beherrschen als Jungen. Viele Kinder schaffen es problemlos, tagsüber trocken zu sein, nässen aber nachts noch Wochen bis Monate (manchmal auch Jahre) ein.

Ursachen

Die häufigste Ursache für das Bettnässen bei Kindern ist das „antidiuretische Hormon“ (ADH), das die Urinproduktion während des Schlafes bremst, und dessen Tag-Nacht-Rhythmus sich erst einpendeln muss. Bei dem einen Kind geht das schneller, bei dem anderen dauert es einfach länger. Dabei scheinen auch erbliche Einflüsse eine Rolle zu spielen. Oft sind Kinder betroffen, die einen besonders festen Schlaf haben und deshalb vom Signal der gefüllten Blase nicht wach werden.

Heute weiß man, dass psychische Faktoren beim Nicht-Trocken-Werden eine eher geringe Rolle spielen. Für das Einnässen am Tag kann eine – selten auftretende – unzureichende Blasenkontrolle verantwortlich sein – Blase und Muskeln spielen dann nicht richtig zusammen. Dadurch setzt der Harndrang sehr plötzlich und stark an, sodass die betroffenen Kinder es einfach nicht mehr rechtzeitig bis zur Toilette schaffen.

Was können Sie tun?

Hat Ihr Kind bereits seinen 5. Geburtstag gefeiert, sollten Sie die Situation mit Ihrem Kinderarzt besprechen. In Einzelfällen können auch krankhafte Ursachen wie eine Fehlbildung der Harnwege oder eine Zuckerkrankheit dahinter stecken. Diese müssen durch eine gründliche Untersuchung ausgeschlossen werden. Vielleicht sollen Sie dann ein Miktionsprotokoll erstellen, bei dem Sie über mindestens 24 Stunden aufschreiben, wie viel und wann Ihr Kind getrunken hat, wann es auf Toilette musste und wann es eingenässt hat.

Organische Störungen werden therapiert, eine unzureichende Blasenkontrolle wird mit einem speziellen Beckenbodentraining und evtl. Medikamenten behandelt. Fast immer liegt jedoch ein „einfaches Bettnässen“ vor. Egal, ob und welche der folgenden Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen, anwenden: Fast alle Kinder werden im Lauf der Jahre trocken. Mit einer Portion Geduld sorgen Sie dafür, dass aus dem einfachen Bettnässen nicht eine schwierige psychische Belastung wird.

  • Bleiben Sie gelassen, auch wenn es manchmal schwer fällt. Ihr Kind will Sie nicht ärgern, sondern leidet vermutlich auch unter der Situation. Deshalb: Nicht schimpfen oder bestrafen, sondern reden. Erklären Sie ihrem Kind, dass es keinen Grund gibt, sich zu schämen, sondern dass sein Körper einfach etwas Zeit braucht, bis er alles gelernt hat. Machen Sie ansonsten nicht viel Aufhebens um das Malheur, legen Sie eine wasserdichte Unterlage unter das Bettlaken und bieten Sie Ihrem Kind für nachts eine Windel an. Zwingen Sie es allerdings nicht dazu, sie zu tragen – manche Kinder fühlen sich dadurch nicht entspannter, sondern nicht ernst genommen.
  • Wasserlassen und Weckmanöver: Ein striktes Trinkverbot ab dem späten Nachmittag bringt nichts, nach dem Abendbrot sollte die Flüssigkeitszufuhr eingeschränkt werden. Ob das Waserlassen vor dem Zubettgehen hilft, ist nicht erwiesen, ebenso wenig wie die Wirkung das häufig propagierten nächtlichen Weckens und Zur-Toilette-Führens. Entspannend ist Letzteres weder für die Eltern noch das Kind.
  • Klingelhose oder Klingelmatte: Diese lösen Alarm bei Feuchtigkeit aus und sollen bei konsequenter Anwendung das kindliche Gehirn schulen, die volle Blase rechtzeitig wahrzunehmen. Sie sind nach mehreren Monaten ohne Besserung einen Versuch wert – setzen allerdings die Motivation von Kind und Eltern voraus.
  • Medikamente: Desmopressin ist eine verschreibungspflichtige Substanz, die ähnlich wie das körpereigene Hormon ADH wirkt und es unterstützt, bis sich sein Rhythmus eingependelt hat. Es wird als Tablette über einige Wochen eingenommen und dann langsam reduziert. Außerdem kann es – vorübergehend eingenommen – dem Kind ermöglichen, bei Klassenfahrten oder Übernachtungen bei Freunden teilzunehmen.
  • Heilpflanzen: Einen Versuch wert: Der regelmäßige Abend-Tee aus Fenchel, Lavendel, Linde, Melisse (je 50 g) und Orangenblüten (10 g). Davon 1 TL mit ¼ Liter kochenden Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen; dazu vor dem Schlafengehen ein warmes Fußbad und das Einreiben von Oberschenkeln und Leistengegend Ihres Kindes mit Johanniskrautöl.
  • Homöopathie bei Bettnässen: Empfehlenswert ist allenfalls eine Konstitutionstherapie unter der Betreuung eines erfahrenen Therapeuten.

Aktualisiert: 16.02.2017
Autor*in: Dagmar Reiche

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