Familienzuwachs führt oft zu Eifersucht

Mädchen ist auf Bruder eifersüchtig

Die meisten Kinder wünschen sich ein Geschwisterchen. Doch wenn das Baby da ist, müssen die Größeren die Aufmerksamkeit der Eltern plötzlich teilen. Besonders Erstgeborene fühlen sich dann zurückgesetzt. "Dass Kinder eifersüchtig sind, wenn eine Schwester oder ein Bruder zur Welt kommt, ist ganz normal", sagt Karin Schreiner-Kürten, Diplom-Psychologin beim AOK-Bundesverband. "Eine gute Vorbereitung und die gezielte Zuwendung der Eltern helfen den Älteren dann, mit der neuen Situation zurechtzukommen."

Wenn ein Geschwisterkind da ist, brauchen Ältere viel Zuwendung

Mit der Geburt eines Geschwisterchens ändert sich viel im Leben eines Kindes: Es merkt, dass sich nicht mehr alles um es dreht. Umso wichtiger ist es, dass Eltern ihrem Erstgeborenen den Nachwuchs rechtzeitig ankündigen. Als Faustregel gilt: Je jünger das erstgeborene Kind ist, desto später sollten die Erwachsenen ihm von dem Baby erzählen.

Bei Kindern bis zwei Jahren genügt es, kurz vor der Geburt zu erklären, dass ein weiterer Sprössling erwartet wird. "Schon in der Schwangerschaft können Sie Ihr Kind einbeziehen, indem Sie gemeinsam Babywäsche sortieren, es über den Bauch streichen lassen, Freunde mit einem Säugling besuchen oder gemeinsam Bilderbücher zum Thema anschauen", empfiehlt Karin Schreiner-Kürten. Auf den Krankenhausaufenthalt der Mutter sollten Eltern ihre Tochter oder ihren Sohn ebenfalls vorbereiten. Das Kind sollte die Person, von der es betreut wird, vorher möglichst gut kennen.

Größere auch beschenken

Wenn das Geschwisterkind auf der Welt ist und Verwandte oder Freunde zu Besuch kommen, gilt der erste Blick meist dem Säugling. Die Älteren stehen plötzlich nicht mehr im Mittelpunkt und reagieren umso eifersüchtiger. Die Psychologin rät deshalb: "Achten Sie darauf, dass das ältere Kind auch etwas bekommt, wenn die ersten Geschenke für das Baby eintreffen. Es sollte ebenfalls beachtet und seine Fortschritte gewürdigt werden."

Gerade in der ersten Zeit ist wichtig, dass Eltern dem Größeren so viel Aufmerksamkeit wie möglich schenken und ihm ihre Liebe zeigen - so können sie Verlustängste mindern. "Nehmen Sie sich bewusst Zeit für das ältere Kind, wenn das Baby versorgt ist. So spürt es, dass es genauso wichtig ist wie der Säugling und dass Sie es genauso lieb haben wie früher", sagt Schreiner-Kürten. Die Mutter oder der Vater können auch Babybilder des Erstgeborenen hervorholen und ihm von der Zeit erzählen, als er selbst ein Säugling war.

Zeit mit älterem Kind allein verbringen

Wichtig ist es auch, dass die Eltern gezielt Zeit mit ihrer älteren Tochter oder ihrem älteren Sohn allein verbringen, zum Beispiel beim Lesen, Toben oder Spielen. So geben sie ihrem Großen wieder einmal das Gefühl, die Hauptperson zu sein. Sinnvoll ist es darüber hinaus, dass sich die Väter gezielt mit dem älteren Kind beschäftigen, wenn die Mutter stillt oder sich um das Neugeborene kümmern muss. Schreiner-Kürten: "Pflegen Sie lieb gewonnene Rituale, indem Sie dem Erstgeborenen zum Beispiel wie gewohnt vor dem Zubettgehen eine Geschichte vorlesen."

In die Pflege des Babys einbeziehen

Damit sich das ältere Kind nicht ausgeschlossen fühlt, können die Eltern es in die Pflege des Babys einbeziehen. Zum Beispiel können sie es fragen, ob es beim Baden, Wickeln oder Eincremen helfen möchte und es anschließend für seine Mitarbeit loben. Wenn das Größere doch einmal aggressiv reagiert, sollten die Erwachsenen nach Möglichkeit gelassen bleiben und seine gemischten Gefühle akzeptieren.

Generell ist Eifersucht, die offen gezeigt wird, besser als versteckte Aggression. Nicht selten ist das Kind vor den Augen der Eltern sehr lieb zu dem Geschwisterchen. Wird es mit ihm allein gelassen, ärgert oder stupst es das Baby. "Reden Sie klar und deutlich mit dem Großen und sagen Sie ihm, dass er nicht zu ruppig mit dem Neugeborenen umgehen darf. Die Kritik sollte sich allerdings auf die Sache beziehen und nicht auf die Person des Kindes", rät die Psychologin. "Vermeiden Sie aber, dass sich das Kind schuldig fühlt, weil es negative Gefühle dem Geschwisterchen gegenüber hat."

Aktualisiert: 15.11.2016
Autor*in: AOK

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