Piercing – was ist zu beachten?

Frau mit Piercings
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Piercing hat in vielen Kulturen eine lange Tradition und erlebt seit Jahren eine echte Renaissance. Ein Ring im Bauchnabel oder ein Schmuckstück in der Nase sind mit Sicherheit ein Blickfang – sie bergen jedoch auch Risiken. Wer sich solchen Schönheitseingriffen unterziehen will, muss deshalb gesundheitliche Aspekte berücksichtigen. Das Einhalten von bestimmten Hygieneregeln ist die Grundvoraussetzung, um Risiken weitgehend auszuschließen.

Piercings – welche Gefahren bestehen?

Piercing gehen mit einigen Risiken für die Gesundheit einher:

  • Bei der Auswahl des Materials ist auf hohe Reinheit zu achten. Empfehlenswert sind Reintitan, Hochgold oder Platin. Legierungen, die Nickel oder andere unedle Metalle enthalten, können zu Allergien führen und sollten deshalb nicht verwendet werden.
  • Beim Piercing kommt es zu offenen Wunden. Werden die Hygieneregeln nicht eingehalten, besteht die Gefahr, dass Viren oder Bakterien in die Wunde gelangen können.
  • Bei unsachgemäßem Einsetzen eines Schmuckstückes besteht außerdem die Gefahr, dass Blutgefäße oder Nerven verletzt werden können.
  • Eine richtige Wundversorgung mit sterilem Verband verhindert eitrige Wundentzündungen.
  • In seltenen Fällen kann es nach etwa 6 Wochen zu einem sogenannten Keloid, einer überschießenden Form der Narbenbildung, kommen. Dann muss das Schmuckstück sofort entfernt werden und sollte an dieser Stelle auch nicht mehr eingesetzt werden.

An welchen Stellen sollte man sich nicht piercen lassen?

Ein Piercing in den Bauchnabel, die Augenbraue oder ein Stecker in der Nase sind bei fachgerechter Einbringung nach Meinung vieler Experten zu vertreten.

Ein Piercing der Unterlippe oder der Zunge ist problematischer, da es beim Essen, Trinken oder Schlucken zu Schädigungen führen kann. Diese Piercings berühren beim Schlucken leicht die Innenseite der Zähne. Da wir am Tag viele hundert Male schlucken, können die Zähne auf diese Weise mit der Zeit zertrümmert werden.

Piercings im Intimbereich werden oft gewünscht, um das Sexualleben zu verbessern. Jedoch führen sie auch häufiger zu Komplikationen, wie Infektionen. Es besteht das Risiko, dass eine solche Infektion auf die Geschlechtsorgane übergeht. Im schlimmsten Fall kann Unfruchtbarkeit die Folge sein. Auch zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kann eine solche Infektion führen. Darüber hinaus können solche Piercings zu schmerzhaften Wunden und Verletzungen führen. Experten warnen daher vor Intimpiercings.

Piercing im Mundraum: Was ist zu beachten?

Lippenpiercings und Zungenpiercings erfreuen sich großer Beliebtheit. Zahnärzte weisen jedoch auf die Risiken hin. Denn Zungen- und Lippenpiercings können den Zähnen und dem Zahnhalteapparat schaden. Zu den möglichen Folgen gehören unter anderem Entzündungen, Schmerzen und Schädigungen von Nervenbahnen.

So kann ein Zungenpiercing, das ständig gegen die Zähne schlägt, beispielsweise zu irreparablen Rissen im Zahnschmelz führen, was die Zähne schmerzempfindlich macht und darüber hinaus Karies und Reizungen des Zahnnervs begünstigt. Ein Piercing in der Unterlippe hingegen drückt gegen das Zahnfleisch und kann zu dessen Rückgang führen. In einer Studie hatten die Testpersonen bereits nach wenigen Monate tiefe Taschen im Zahnfleisch. Ein solcher Rückgang des Zahnfleischs kann auf Dauer dazu führen, dass die Zähne ausfallen.

8 Tipps für das Stechen von Piercings

Beim Stechen von Piercings sollten Sie Ihrer Gesundheit zuliebe folgende Tipps beachten:

  1. Voraussetzung für eine komplikationslose Abheilung ist ein steriles Vorgehen beim Einbringen des Piercings sowie sterile Instrumente und Materialien.
  2. Zuerst muss die Haut im Ein- und Austrittsbereich des Stichkanals sorgfältig gereinigt und desinfiziert werden.
  3. Der Ring wird anschließend unter absolut sterilen Bedingungen eingebracht. Deshalb müssen auch alle verwendeten Instrumente und der einzusetzende Ring steril sein.
  4. Alle benötigten Instrumente dürfen erst unmittelbar vor dem Eingriff aus der sterilen Verpackung entnommen werden.
  5. Die Verwendung steriler Handschuhe ist ebenfalls erforderlich. Vor dem Anziehen der Handschuhe muss eine Händedesinfektion, die mindestens 30 Sekunden dauert, durchgeführt werden.
  6. Auch wenn später ein Stecker oder eine andere Form benutzt wird, ist zunächst einmal ein Ring, der dafür sorgt, dass der Stichkanal von Haut ausgekleidet wird, das beste.
  7. Nach dem Einlegen des Schmuckstücks muss die Wunde gereinigt, desinfiziert und mit einem sterilen Verband abgedeckt werden. Sorgfältige Wundpflege ist für einen guten und schnellen Heilungsverlauf notwendig.
  8. Ein separater Raum mit Waschbecken, Seifen- und Desinfektionsmittelspender sowie Einmalhandtüchern ist für ein hygienisches Arbeiten ebenfalls notwendig.

Fazit: Wenn Sie sich piercen lassen wollen, gehen Sie zu einem Fachmann, der das Risiko abschätzen kann und einen fachgerechten, sterilen Eingriff garantieren kann.

Aktualisiert: 09.10.2020

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