Fördern und fordern – Wie Kinder selbstbewusst und stark werden

Selbstbewusstes Mädchen mit Seifenblasen © istockphoto, AzmanL

Wohl alle Eltern wünschen sich starke Kinder, die an sich glauben, ihre Bedürfnisse ohne Angst äußern und mit offenen Augen durch das Leben gehen. "Damit aus einem Kind eine selbstbewusste Persönlichkeit wird, braucht es viel Wärme und Geborgenheit, Aufmerksamkeit und Zuwendung, aber auch Förderung und Ansporn", weiß Karin Schreiner-Kürten, Diplom-Psychologin beim AOK-Bundesverband. Damit ein Kind lebensfroh und selbstbewusst wird, muss es sich der Liebe und Zuneigung seiner Eltern sicher sein. "Unterstützen Sie Ihr Kind und trauen Sie ihm etwas zu", rät Karin Schreiner-Kürten. "Geben Sie Ihrem Kind das Gefühl, dass es wertvoll und einzigartig ist – dadurch stärken Sie sein Selbstwertgefühl." Neben den Eltern können Erzieherinnen, Erzieher, Verwandte und Freunde viel für die positive Entwicklung eines Kindes tun.

Das Loben nicht vergessen

Wichtig sind auch Lob und Anerkennung. "Heben Sie kleine Erfolge hervor und greifen Sie Missgeschicke als eine Gelegenheit auf, aus denen das Kind etwas lernen kann", rät die Psychologin. Damit es sich grundsätzlich angenommen fühlt, sollten die Erwachsenen nie die Person des Kindes bewerten, sondern stets zu seinem Verhalten Rückmeldung geben. Statt "du bist böse" ist es zum Beispiel besser zu sagen "es ist nicht Ordnung, dass du dein Spielzeug auf den Boden wirfst".

Gleichzeitig sollten die Eltern ihren Sprössling nicht übermäßig behüten, sondern ihm altersgemäße Freiräume lassen, in dem er seine Kreativität entdecken und eigene Erfahrungen machen kann. Beim selbstständigen Forschen, Spielen und Bewegen kann sich das Kind selbst kennenlernen und erste Erfolgserlebnisse haben.

Meinung akzeptieren

"Jedes Kind muss außerdem lernen, seinen eigenen Standpunkt zu vertreten und damit Widerstand in Kauf zu nehmen – das formt das Selbstbewusstsein", sagt die Psychologin. Die Eltern sollten seine Meinung akzeptieren und es an Entscheidungen in der Familie teilhaben lassen. Gleichzeitig muss jeder Heranwachsende lernen, Regeln zu akzeptieren. Denn ein Kind, dem jeder Wunsch erfüllt wird, lernt nicht, verzichten zu können.

Dieses Defizit in der Entwicklung führt zu einer geringen Frustrationstoleranz und kann sich im späteren Leben als gravierender Nachteil herausstellen. Schreiner-Kürten: "Menschen mit einer niedrigen Frustrationstoleranz sind weitaus gefährdeter für die Flucht in süchtiges Verhalten als andere, die gelernt haben, auch einmal zu verzichten."

Nicht aufgeben

Die Eltern sollten sich zudem bewusst sein, dass sie ein wichtiges Vorbild für ihre Tochter oder ihren Sohn sind. "Wer zum Beispiel selbst stundenlang vor dem Fernseher sitzt, wirkt wenig glaubwürdig, wenn er dem Nachwuchs das Fernsehen verbieten will", erklärt Karin Schreiner-Kürten. "Besser ist es, mit gutem Beispiel voranzugehen." Dies gilt unter anderem auch beim Umgang mit Alkohol.

Die Art und Weise, wie die Eltern Konflikte untereinander lösen, ist ebenfalls entscheidend für das spätere Verhalten des Kindes. Fördern heißt auch fordern. "Geben Sie nicht zu schnell auf, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter sich etwas nicht traut. Bewahren Sie Geduld, wenn das Kind sich zum Beispiel im Schwimmbad vor dem Sprung ins Wasser scheut", empfiehlt Karin Schreiner-Kürten.

Aktualisiert: 07.06.2017 – Autor: AOK-Bundesverband

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?