Kinderfrühförderung: Private Frühforderung

Vater fördert seine Tochter
© istockphoto, Robert Ingelhart

Ein Frühenglisch-Kurs? Oder Kreativ-Seminare und Computer-Workshops für Kinder? Bereits im Kindergartenalter möchten Eltern ihren Nachwuchs optimal fördern, schließlich soll aus ihm einmal etwas werden. Aber wie sinnvoll ist private Frühforderung wirklich? Heiderose Kesselring, Diplom-Pädagogin und Leiterin einer Kindertagesstätte, meint, dass solche Angebote nicht unbedingt nötig seien: "Derartige zusätzliche Aufgaben basieren häufig auf Leistungserwartungen der Eltern. Diese befürchten, maßgebliche Dinge zu versäumen. Kinder geraten so früh unter Stress; Entspannung und freies Spiel kommen zu kurz. Beides benötigen die Kleinen aber."

Zeit zum Nichtstun

Die Pädagogin erklärt, wie wichtig es sei, sich mit dem Nachwuchs zu befassen und Anregungen zu geben. Das sei aber nicht gleichbedeutend mit einem vollen Terminkalender: "Kinder sind neugierig, sie wollen die Welt erforschen. Sie brauchen Spaß und Lust an der Sache, Lob und Anerkennung. Dazu gehört auch, dass sie die Möglichkeit haben, freie Zeit selbst zu gestalten, denn das regt die Fantasie an und fördert die Kreativität." Einem Kind darf auch mal langweilig sein. Wenn es lernt, diese Langeweile allein zu vertreiben, festigt sich seine Persönlichkeit.

Der Umgang mit Langeweile gilt als wichtige Lebenskompetenz. "Wer als Kind gelernt hat, seine Zeit selbst zu füllen, wird später frustrierende Situationen besser aus eigener Kraft überstehen, statt zu Drogen zu greifen." Nach Meinung der Expertin ist es wesentlich für die kindliche Entwicklung, dass Eltern sich ihrem Nachwuchs widmen, ihm Zeit geben und er zusätzlich im Kindergarten gut betreut und gefördert wird.

Die Vielfalt bringt's

Natürlich hat jedes Kind, unterschiedliche Begabungen, keines ist auf allen Gebieten gleich gut. Welche Talente ein Kind besitzt, lässt sich am besten durch Beobachtung erkennen. Dazu gehören auch Toleranz und Verständnis, wenn der Sprössling mit der farbigen Zahnpasta schöne Schlangen auf die Fliesen malt oder voller Neugierde die Zimmerpflanzen zerpflückt. 

Wer seinem Nachwuchs viele verschiedene Spielaktivitäten anbietet, wird schnell feststellen, ob der Kleine lieber singt, Perlen auffädelt oder mit Bällen spielt.

Kinder sollten von klein auf Erfahrungen mit der Natur machen und sich spätestens im Grundschulalter sowohl im technischen als auch im handwerklichen Bereich versuchen können. Bücher und kindgerechte PC-Programme vermitteln Wissen auf spielerische Weise. Die Kleinen suchen sich dann schon spontan aus, was ihrer Begabung entspricht.

Hobbys stärken das Selbstbewusstsein

Die Neugierde des Kindes zu unterstützen, hält ein weiteres Plus parat: Das Interesse an bestimmten Freizeitbeschäftigungen und die damit verbundene Selbstverwirklichung stärken sein Selbstbewusstsein.

Andersherum: Eine Begabung fördert man am besten, indem man die Persönlichkeit des Kindes fördert. Es muss sich selbst etwas zutrauen und auch bestimmen dürfen, wann und wie intensiv es sich einer Sache widmet. Kesselring rät Eltern, ihren Nachwuchs zu ermutigen, aber auch gelassen zu bleiben, wenn es nicht klappt.

Jedes Kind geht seinen eigenen Weg und braucht individuelle Unterstützung. Dabei gibt es keine Methode, die sich auf alle Kinder anwenden lässt, ebenso wenig kann man anhand irgendwelcher Check-Listen erkennen, wie talentiert ein Kind in einem gewissen Bereich ist.

Besonders im Grundschulalter können sich weitere Interessen entfalten und Talente zeigen. Deshalb sollten Eltern ihr Kind zu diesem Zeitpunkt nicht einseitig fördern, sondern auf Ausgleich bedacht sein, damit sich eine harmonische Persönlichkeit entwickeln kann.

Aktualisiert: 07.06.2017

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