Medizinische Helfer bei Potenzstörungen

Potenzstörungen bei Männern © istockphoto, AVAVA (Symbolfoto)

Das Interesse am Thema Sexualität ist riesig, doch was Potenzstörungen angeht, herrscht große Sprachlosigkeit. Aller Aufgeklärtheit zum Trotz ist der Begriff "Impotenz" ausgesprochen negativ besetzt. Und so scheuen sich viele Männer, das Problem in ihrer Partnerschaft oder gar beim Arzt anzusprechen. In Deutschland leiden schätzungsweise 4 bis 6 Millionen Männer an Erektionsstörungen, wobei die Häufigkeit mit steigendem Alter zunimmt.

Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht – kein Wunder bei einem Tabuthema. Schob man früher die mangelnde Versteigung der Psyche in die Schuhe, geht man heute davon aus, dass bei der Hälfte der Betroffenen organische Störungen und bei etwa 20 % eine Kombination aus körperlicher und seelischer Ursache vorliegen.

Formen der Potenzstörung

Wie so häufig stimmen der Wortgebrauch des Volksmundes nicht ganz mit dem der Mediziner überein. Im Fachjargon ist die Impotenz ein Oberbegriff sowohl für die Unfähigkeit des Mannes, den Koitus auszuüben als auch für die Unfähigkeit sich fortzupflanzen:

  • Erektionsstörungen (Impotentia coeundi), auch als erektile Dysfunktion (ED) bezeichnet: Hier wird der Penis gar nicht, nicht ausreichend oder nicht lang genug steif, sodass der Geschlechtsakt nicht vollzogen werden kann.
  • Zeugungsunfähigkeit (Impotentia generandi), auch als Sterilität oder Infertilität bezeichnet: Hierbei sind zwar Erektion und Orgasmusfähigkeit vorhanden und es kommt zum Samenerguss. Allerdings besteht die Unfähigkeit sich fortzupflanzen (Unfruchtbarkeit).

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist mit Impotenz nur die erste Form gemeint. Da Ursachen, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten sehr unterschiedlich sind, wird im Folgenden nur auf die Erektionsstörungen eingegangen.

Ursachen von Erektionsstörungen

Damit eine Erektion zustande kommen kann, muss ein komplexes Regelwerk aus Nerven, Blutgefäßen, Hormonen und Psyche zusammenarbeiten. Entsprechend vielfältig sind die Ursachen von Erektionsstörungen.

Dass diese mit dem Alter zunehmen, liegt zum einen daran, dass prinzipiell auch die arterielle Blutversorgung "in die Jahre kommt" – die Gefäße werden steifer und enger und können damit nicht mehr angemessen reagieren. Daneben sinkt die Produktion des männlichen Sexualhormons Testosteron: Die sexuelle Stimulation führt nicht mehr so schnell zur Erregung und Erektion, es dauert länger bis zum Orgasmus und auch die Spermienzahl nimmt ab.

Die erektile Dysfunktion kann Indiz für schwerwiegende Erkrankungen wie Diabetes, Arteriosklerose, Bluthochdruck oder Leber- und Nierenfunktionsstörungen sein (die auch mit dem Alter zunehmen) – nicht selten sind die Probleme mit dem "kleinen Freund" der erste Hinweis auf diese Erkrankungen. Auch zu viel Alkohol und Zigaretten beeinträchtigen das Stehvermögen.

Impotenz: Rolle der Psyche

Da Sex im Kopf beginnt, können auch psychische Faktoren wie Stress, Angst oder Leistungsdruck der Grund dafür sein, dass das starke Geschlecht schwächelt.

Umgekehrt beeinträchtigen Erektionsstörungen das männliche Wohlbefinden und führen oft zu Frust und Angst, beim nächsten Mal wieder nicht "zu können" – ein Teufelskreis aus Versagensangst und erneutem Versagen, dem umso schwieriger zu entkommen ist, je weniger die Männer sich trauen, darüber zu reden.

Potenzstörungen als Warnzeichen

Erektionsstörungen sind ernst zu nehmende Warnzeichen einer möglicherweise behandlungsbedürftigen Erkrankung. Deshalb sollte immer ein Arzt hinzugezogen werden. In der überwiegenden Zahl der Fälle liegt eine (oder mehrere) der folgenden Ursachen zugrunde:

  • Auswirkungen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Diabetes
  • Nierenschäden
  • Schäden der Wirbelsäule, welche auf Abnutzungserscheinungen fußen
  • Hormonelle Probleme
  • Erkrankung des Nervensystems, beispielweise MS (Multiple Sklerose)
  • Medikamentenmissbrauch
  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • Alkoholmissbrauch
  • Depressionen
  • Persönlichkeitskonflikte
  • Operationen oder Verletzungen an der Prostata
  • Stress

Fahrradsättel können Potenzstörungen verursachen

Etliche Studien haben gezeigt, dass Fahrradsättel schwerwiegend zu Potenzstörungen führen können. Durch tropfenförmiges Design des Fahrradsattels lastet circa ein Drittel des ganzen Körpergewichtes beim Sitzen auf dem Perineum, also dem Bereich zwischen After und äußeren Geschlechtsteilen.

Deshalb führt häufiges und langes Sitzen auf einem Fahrradsattel dazu, dass Zufuhr des Blutes und Erregungsleitung über Arterien und Nervenbahnen zum Penis eingeschränkt werden und nicht ausreichend Druck entstehen kann, um eine vollständige Erektion zu erhalten.

Aktualisiert: 08.11.2016 – Autor: Dagmar Reiche

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