Schwerhörigkeit beeinflusst Partnerschaft

Schwerhöriges Pärchen © istockphoto, eva-katalina

Die Basis einer jeden Partnerschaft ist die Kommunikation untereinander. Aufgrund vielfältiger Faktoren gelingt Kommunikation jedoch nicht immer: Wir reden aneinander vorbei, schweigen manchmal lieber, statt etwas anzusprechen und hören manchmal auch einfach nicht zu – absichtlich, teilweise aber auch ungewollt. Schwerhörigkeit ist ein weit verbreitetes Leiden, von dem allein in Deutschland 19% der über 14-jährigen, also rund 13 Millionen Menschen betroffen sind. Davon leiden etwa 9% an hochgradiger bis an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit. Hörschädigungen können auch zu Problemen in der Partnerschaft führen.

Schwerhörigkeit in der Partnerschaft

Hörende Gesprächspartner sind im Austausch mit hörgeschädigten Menschen oftmals verunsichert und hilflos. „Es kommt vermehrt zu Missverständnissen, was wiederum zu Missstimmungen führen kann. Es ist so, als ob man einen neuen Menschen zum Partner hat, wenn die Hörschädigung festgestellt wird“, sagt Dr. Oliver Rien, Diplompsychologe und selbst hörgeschädigt.

Sie verfügen häufig über unzureichendes Wissen hinsichtlich der Hörschädigung und wissen nicht mit diesem Problem umzugehen. Ungeduld, aber auch Hilflosigkeit können die Folge sein. Der hörgeschädigte Partner fühlt sich durch diese Reaktion zurückgewiesen und unverstanden. „Häufig führt der Hörverlust zum Verlust des Selbstwertgefühls. Kommen dann auch noch Depressionen sowie eine gesteigerte Empfindlichkeit und Gereiztheit hinzu, kann dies zu enormen Belastungen in der Beziehung führen“, so Rien weiter.

Kommunikationstaktiken für beide Partner

Um Schwierigkeiten mit der Schwerhörigkeit zu vermeiden, sollten Dr. Oliver Rien zufolge Hörgeschädigte und Hörende auf bestimmte Kommunikationstaktiken setzen:

  • Blickkontakt beim Sprechen suchen.
  • Das Gesprochene muss für den Hörgeschädigten von dem Mund des Partners absehbar sein können.
  • Langsam und deutlich sprechen.
  • Kurze und prägnante Sätze benutzen.

Doch oftmals stoßen auch diese Vorgehensweisen an ihre Grenzen. Deshalb tragen Hörgeschädigte in der Regel Hörgeräte. Wenn auch diese nicht mehr helfen und die Hörschädigung hochgradig oder an Taubheit grenzend ist, gibt es eine weitere Möglichkeit, um die Kommunikation zwischen dem Hörenden und dem Hörgeschädigten zu verbessern: ein Hörimplantat. Telefonieren, Musik hören, an Gesprächen teilnehmen: Die Kommunikation wird trotz Schwerhörigkeit grundsätzlich wieder leichter und stressfreier – auch in der Partnerschaft.

Aktualisiert: 04.11.2011 – Autor: Initiative "Ich will hören"

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