Donovanosis

Traurige Frau © istockphoto, AndreyPopov (Symbolfoto)

Das "Granuloma inguinale" (GI) ist eine weltweit in bestimmten Gebieten auftretende Geschlechtskrankheit, die mit ausgedehnten Geschwüren bis hin zu Verstümmelungen einhergeht. Sie wird durch nur beim Menschen vorkommende Bakterien verursacht und ist mit Antibiotika heilbar.

Von Mikroben und Menschen

Lange trug der Erreger den unaussprechlichen Namen Calymmatobacterium granulomatis. Nachdem die Nachweismethoden ausgefeilter geworden sind, wurde seine Verwandtschaft mit den Klebsiellen entdeckt, eine Bakteriengattung deren Art Klebsiella pneumoniae normalerweise friedlich im menschlichen Magen-Darm-Trakt lebt und nur bei Immungeschwächten Infektionen der Harn- und Atemwege hervorrufen kann. Er durfte daraufhin dem Clan als angriffslustiges Mitglied "Klebsiella granulomatis" beitreten. Die Erreger werden durch Kontakt mit den Geschwüren weitergetragen, v.a. bei ungeschütztem Vaginal- und Analverkehr, seltener aber auch durch Finger oder von der Mutter auf das Kind während der Geburt.

Betroffen sind vor allem Menschen aus sozial schwachen Milieus und schlechten hygienischen Verhältnissen. So sind in Australien und Papua-Neuguinea eher die Ureinwohner, in den USA eher Schwarze und in Indien mehr Hindus als Moslems infiziert. Welches Geschlecht überwiegt, variiert je nach Studie, die meisten Experten gehen von einer Gleichverteilung aus. Die höchste Erkrankungsrate haben 20- bis 40-Jährige.

Da die Krankheit unbehandelt meist weiter fortschreitet und Betroffene z.B. aus Scham oder Kostengründen nicht selten erst spät medizinische Versorgung in Anspruch nehmen, sind vielfach ausgeprägte Krankheitsverläufe zu beobachten. Donovanosis und HIV-Infektionen treten gehäuft gemeinsam auf und erhöhen gegenseitig das Risiko der Infektion.

Harte Fakten und dunkle Ziffern

Das GI kommt regelmäßig in der

  • Karibik, Südindien,
  • dem südlichen Afrika,
  • Papua-Neuguinea, Südostasien,
  • Australien und Brasilien vor.

In Australien wurde vor einigen Jahren der Versuch unternommen, die Krankheit, die bis dahin bei bis zu 10 % der Ureinwohner vorkam, auszurotten. Auch wenn dies nicht vollständig gelungen ist, sind die Erkrankungszahlen durch Aufklärung, Prävention und frühzeitige Behandlung doch stark zurückgegangen. In anderen Ländern tritt das GI nur sporadisch auf - so werden in den USA jährlich weniger als 100 Fälle registriert, vermutlich zum größten Teil Reisesouvenirs. Für Deutschland gibt es keine Zahlen.

Symptome und Verlauf

Auch beim Granuloma inguinale gilt wie bei vielen anderen Geschlechtskrankheiten "Nomen est omen": In der Leiste (inguinal) treten entzündlich bedingte knotenartige Gewebsneubildungen (Granulome) auf. Da dieses Zeichen allerdings nicht spezifisch ist, nicht nur in der Leiste und auch nur bei schätzungsweise 10-15 % der Betroffenen vorhanden ist, wird heute die Bezeichnung Donovanosis bevorzugt. Diese leitet sich von den Donovan-Körperchen (benannt nach einem Tropenarzt) ab, eine Ansammlung der Erreger in bestimmten Immunzellen.

Übrigens: Da die Donovanosis auch als Granuloma venerum bezeichnet wird, besteht Verwechslungsgefahr mit dem Lymphogranuloma venereum , einer anderen Geschlechtskrankheit! Etwa 10-40 Tage nach der Infektion treten kleine, blau-rote, schmerzlose Geschwüre an der Kontaktstelle - meist Penisschaft, Schamlippen oder Analregion - auf. Später brechen diese auf und sondern Flüssigkeit ab.

Bleibt die Infektion unbehandelt, breitet sie sich aus und zerstört das Gewebe. Bakterielle Infektionen der chronischen Hautveränderungen ("Superinfektion") können zu einem unerträglichen Geruch führen. Die Geschwüre können riesig werden, zu Lymphstau und Bindegewebsverhärtungen führen und die Geschlechtsteile regelrecht "zerfressen". In etwa 0,25 % der Patienten entwickelt sich an entsprechender Stelle ein Krebsgeschwür. Die Infektion kann sich selten zudem in den Körper ausbreiten und z.B. zu einer Knocheninfektion oder lebensbedrohlichen Blutvergiftung führen.

Nachweis und Therapie

Die Symptome sind für erfahrene Ärzte in betroffenen Regionen recht gut zu erkennen. Die Labordiagnose erfolgt durch mikroskopischen Nachweis des Erregers in einem Abstrich oder einer Gewebeprobe. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika mindestens bis zur völligen Abheilung - je nach Art des Antibiotikums über 3-12 Wochen. Sexualpartner mit Kontakt innerhalb der letzten 40 Tage vor Beginn der Symptome sollten untersucht und ggf. mitbehandelt werden.

Bis zur völligen Abheilung sollte auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Trotz adäquater Therapie kann es bis zu 18 Monate später zu einem Rückfall kommen. Kleinere Hautveränderungen heilen vollständig ab, größere hinterlassen Narben.

Auf den Punkt gebracht

  • Die Donovanosis ist eine bestimmten Regionen vorkommende Geschlechtskrankheit.
  • Die Infektion erfolgt durch Kontakt mit den Geschwüren.
  • Erstes Zeichen sind kleine, schmerzlose Geschwüre.
  • Eine vollständige Heilung mittels Antibiotika ist möglich, ohne Therapie kann es zu ausgeprägten Verstümmelungen kommen.
  • Die Sexualpartner sollten ggf. mitbehandelt werden.

Aktualisiert: 09.09.2016 – Autor: Dagmar Reiche

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