Das steckt hinter Lymphogranuloma venereum

Frau mit Lymphogranuloma venereum beim Arzt © istockphoto, demaerre (Symbolfoto)

Das zu den vier "klassischen" Geschlechtskrankheiten zählende LGV war in den letzten Jahrzehnten ein Problem in Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Seit etwa zehn Jahren werden vermehrt Fälle in europäischen Großstädten registriert. Da die Erkrankung auch unter Ärzten eher wenig bekannt ist, muss von einer recht hohen Zahl unerkannter Infektionen ausgegangen werden.

Von Mikroben und Menschen

Das LGV wird von einem besonderen Typus der Gattung Chlamydien verursacht, weltweit sehr häufig vorkommende kugelförmige Bakterien, die sich nur innerhalb der Wirtszellen vermehren und zu verschiedenen Krankheitsbildern führen können. Eine ihrer drei für den Menschen wichtige Arten ist Chlamydia trachomatis, die mit ihren Serotypen D–K, sexuell übertragbare Infektionen der ableitenden Harnwege und Geschlechtsorgane sowie die weltweit häufigste Ursache der Erblindung, das Trachom verursacht.

Die Serotypen L1-L3 sind dagegen verantwortlich für das sehr viel seltenere Lymphogranuloma venereum. Im Gegensatz zu den anderen Typen neigen diese Keime dazu, sich im gesamten Körper auszubreiten und so auch eine sogenannte systemische Infektion hervorzurufen. Die Übertragung erfolgt beim Geschlechtsverkehr, in Europa überwiegend beim ungeschützten Analverkehr. Betroffen sind hier deshalb zum größten Teil homosexuelle Männer.

Nicht selten haben die Patienten gleichzeitig andere Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Tripper. Genaue Erkrankungszahlen sind aufgrund der schwierigen Labordiagnostik und den oft verkannten Symptomen auch von der WHO nicht zu erhalten.

Symptome und Stadien

Der Name beschreibt bereits einen Teil des Krankheitsverlaufs: Lymphknotenentzündung im Lymphabflussgebiet der Geschlechtsorgane. Doch dies ist nur eine Etappe der insgesamt drei Stadien:

  • Primärstadium: An der Eintrittsstelle des Keims z.B. in der Scheide, an Eichel und Vorhaut, Enddarm oder Harnröhre bildet sich nach ca. 3 Wochen kleine Bläschen oder Knötchen, die sich zu einem Geschwür umwandeln und wieder abheilen. Da dies nicht schmerzt, wird es oftmals nicht bemerkt. Es kann zu Entzündungen von Harnröhre, Gebärmutterhals und Enddarm kommen.
  • Sekundärstadium: Etwa 6 Wochen nach der Infektion schwellen die Lymphknoten in der Nähe der Erstinfektion (meist in einer Leiste) schmerzhaft an ("Bubo") und die darüber liegende Haut verfärbt sich blau-rot. Die Lymphknoten werden größer und fangen an zu eitern. Bei einem Drittel der Betroffenen brechen die Geschwüre nach außen auf. Begleitend treten vielfach Allgemeinsymptome wie Fieber, Brechreiz, Kopf- und Gliederschmerzen auf. Selten kann sich eine Entzündung von Hirnhäuten, Leber, Gelenken oder Herzbeutel hinzugesellen. Wurde der Erreger anal übertragen, kommt es evtl. zu einer schmerzhaften Enddarmentzündung mit blutigen Durchfällen.
  • Tertiärstadium: Unbehandelt folgt eine beschwerdefreie Zeit von mehreren Jahren, in der sich die Erreger allerdings weiter ausbreiten. Sie verursachen dann chronische Entzündungen v.a. an den Geschlechtsorganen. Diese haben Fisteln, Abszesse, Verlegung des Enddarms und der Lymphgefäße mit Lymphstau und z.T. massiven Schwellungen der Geschlechtsorgane sowie Entzündungen des Afters und der Harnröhre mit starken Schmerzen bei Stuhlgang und Harnlassen zur Folge ("anogenitorektales Syndrom").

Nachweis und Therapie

Die Diagnosestellung im Labor ist schwierig. Sie erfolgt durch eine Zellkultur von Abstrichen aus der Harnröhre, dem Enddarm, dem Gebärmutterhals oder einem Lymphknoten. Sind Chlamydien nachgewiesen, muss der vorliegende Typus bestimmt werden. Leider gelingt nicht immer, die verschiedenen Arten voneinander abzugrenzen.

Die Behandlung erfolgt mit Doxycyclin, einem Antibiotikum, meist über 3 Wochen als Tablette eingenommen. Sexualpartner mit Kontakt innerhalb der letzten beiden Monate vor Beginn der Symptome sollten untersucht und ggf. behandelt werden. In manchen Fällen müssen die entzündeten Lymphknoten eröffnet und ausgedehnte Gewebszerstörungen später chirurgisch korrigiert werden. Sexuelle Kontakte dürfen erst nach Abschluss der Behandlung und dem völligen Abheilen der Geschwüre erfolgen.

Auf den Punkt gebracht

  • Das LGV ist v.a. eine in den Tropen und Subtropen vorkommende Erkrankung, die zur Zeit vermehrt auch in Europa auftritt.
  • Die Infektion erfolgt durch alle mit Schleimhautkontakten verbundene sexuelle Praktiken, in Europa v.a. Analverkehr.
  • Schutz bieten Kondome.
  • Eine vollständige Heilung mittels Antibiotika ist möglich, sonst kann es Jahre später zu schweren Komplikationen kommen.
  • Die Sexualpartner sollten ggf. mitbehandelt werden.

Aktualisiert: 06.05.2016 – Autor: Dagmar Reiche

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