Ungewollte Schwangerschaft durch Sexualaufklärung vermeiden

Mund und Sohn bei der Sexualaufklärung
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Die Zahl der Geburten im Teenageralter ist in Deutschland im internationalen Vergleich niedrig. Mit jährlich 13 Geburten pro 1000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren liegen wir unter der Zahl der Briten von 31 und den USA von 52 Geburten. Dennoch: Jede ungewollte Schwangerschaft ist eine zuviel. In der Regel sind die Kinder geschlechtsreif, bevor sie so richtig begreifen, was passiert. Im Alter zwischen 14 und 17 Jahren haben 38 Prozent der Mädchen ihr erstes Mal bereits hinter sich, bei den Jungs sind es 29 Prozent. Durch die frühe Geschlechtsreife können Mädchen auch immer früher schwanger werden. Als Grund der früheren Geschlechtsreife führen Forscher die gute Gesundheit der Bevölkerung an. Seit den letzten 150 Jahren hat sich der Zeitpunkt der ersten Menstruation immerhin um 6 Jahre vorverlagert!

Was wissen die Kids?

Die meisten Jugendlichen sind ganz und gar nicht richtig aufgeklärt – denken aber, viel zu wissen. Befragungen bei Jugendlichen zum Thema Sex zeigen immer wieder welche falschen Vorstellungen existieren. So denken einige, dass der Coitus interruptus eine Schwangerschaft verhindern kann, andere wissen nicht, dass man auch während der Periode schwanger werden kann.

In der Regel sind Mädchen zwar etwas besser aufgeklärt als Jungen, um jedoch sicher und bewusst erste sexuelle Erfahrungen machen zu können, reicht dies nicht aus. Deshalb sollten Kinder spätestens mit zehn Jahren über Sexualkunde Bescheid wissen.

Und wie steht's mit der Sexualkunde?

Sexualerziehung ist auch heute noch ein Stiefkind in der Schule. Und das obwohl Sexualerziehung in allen Bundesländern als Teil des Erziehungsauftrages in den Schulen anerkannt ist.

Die Aufklärung fließt nur vereinzelt in den Biologie-, Sachkunde- oder Religionsunterricht ein; andere Fächer sind an der Sexualerziehung so gut wie nicht beteiligt. Übersehen wird dabei häufig, dass die Sexualerziehung neben den rein biologisch Aspekten wie Zeugung, Schwangerschaft und Geburt vor allem aber auch soziale Erziehung bedeutet, nämlich wie gehen wir miteinander um. Fragen, die Jugendliche also wirklich beschäftigen, wie Liebe, Freundschaft und individuelle Annäherung an Sexualität spielen kaum eine Rolle.

Ungenügende Aufklärung in Schule und Familie ist immer noch ein Hauptgrund für Schwangerschaften bei Minderjährigen! Durch eine Intensivierung der Sexualaufklärung können Jugendliche nicht nur einen angstfreien und lustvollen Umgang mit Sexualität erlernen; auch das Risiko ungewollter Schwangerschaften und gefährlicher Infektionskrankheiten kann so reduziert werden. Ziel der Sexualpädagogik ist ein selbstbestimmter und verantwortlicher Umgang mit der Sexualität.

Häufige Ursachen ungewollter Schwangerschaften

Allen zur Verfügung stehenden Verhütungsmitteln zum Trotz: Immer noch entsteht ein großer Teil der Schwangerschaften in Deutschland ungeplant.

  • Pillenfehler: In vielen Fällen vergessen die Frauen ihre Pille einmal oder sogar mehrmals.
  • Ungewollte Schwangerschaften gehen auch auf den fehlerhaften Gebrauch von Präservativen zurück.
  • Der kontrazeptive Schutz der Pille kann durch Erkrankungen (Durchfall und Erbrechen) oder der zusätzlichen Einnahme anderer Medikamente z.B. einiger Antibiotika nicht mehr gewährleistet sein.
  • Probleme mit der Spirale können entstehen, wenn sie in einer falschen Position sitzt. Deshalb muss auch zweimal jährlich kontrolliert werden, ob die Spirale noch richtig liegt.
  • Häufig sind es bei Jugendlichen auch zwischenmenschliche Probleme wie z. B. Hemmungen bei der Anwendung von Verhütungsmitteln oder zu wenig Offenheit in Gesprächen zum Thema.
  • Ungewollte Schwangerschaften gehen zusätzlich auf den gänzlichen Verzicht von Verhütungsmitteln zurück.

Aufklärungskonzepte

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Konzepte zur Sexualaufklärung und zur Familienplanung. Medien der BZgA zur Sexualpädagogik im Kindergarten und in der Grundschule liegen z.B. mit dem Medienpaket ''Dem Leben auf der Spur'' für 8- bis 12-Jährige und der ''Kindergartenbox - Entdecken, schauen, fühlen!'' bereits vor.

Besonders beliebt ist das speziell für Jugendliche entwickelte sexualpädagogische Internetangebot loveline.de, das zu allen Fragen der körperlichen Entwicklung, der ersten Liebe und der Verhütung kompetent und in jugendgerechter Sprache und Aufmachung Auskunft erteilt.

Zusätzliche und ergänzende Sexualerziehung

Die „Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau e.V." ist ein Zusammenschluss von Ärztinnen mit dem Ziel der Gesundheitsförderung von Mädchen und jungen Frauen an Schulen zu fördern. Sie beantworten Fragen und Themen, die in der Sexualerziehung nicht oder nur ungenügend behandelt werden. Hier ergänzen die Ärztinnen die schulische Sexualerziehung um den ärztlichen präventiven Aspekt. Auch pro familia bietet Mitwirkung am sexualkundlichen Unterricht in Schulen und an Elternabenden an.

Beratungsstellen

Als Jugendliche Mutter zu werden, konfrontiert einen Teenager mit einer Vielzahl von Problemen. Die grundsätzliche Frage, was nun passieren soll steht zuallererst im Raum. Dann geht es um finanzielle Themen, die eigene Ausbildung sowie die Kinderbetreuung. Die jungen Frauen müssen also mit den unterschiedlichsten psychischen Belastungen fertig werden. Die Hauptsache ist dann, dass man über seine Sorgen und Ängste sprechen kann, wobei auch Beratungsstellen sehr hilfreich sein können. Beratungsstellen gibt es z. B. bei Pro Familia.

Aktualisiert: 13.09.2012

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