Boreout – Strategien

Boreout kostet Geld

"Wenn ein Mitarbeiter unter Monotonie leidet, er gar versucht, dies vor seinem Arbeitgeber zu verdecken oder davon abzulenken, dann ist das rausgeworfenes Geld", sagt Renate Rau, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie in Marburg. Und das kostet Geld: Der gesamtwirtschaftliche Schaden in Deutschland soll sich auf über 250 Milliarden Euro belaufen, eine Schätzung, die Philippe Rothlin und Peter R. Werder aus regelmäßigen Gallup-Studien ableiten, die sie in Diagnose Boreout beziffern.
Für die beiden Schweizer Unternehmensberater ist Boreout vor allem in Bürojobs zu finden - ein Phänomen der gesamten Dienstleistungsgesellschaft. In vielen Bürojobs könne man seinen Arbeitsaufwand steuern, auch dank der Digitalisierung der Büros. "Wir gehen davon aus, dass mindestens 15 Prozent der Arbeitnehmer im Dienstleistungssektor von Boreout betroffen sind." erklärt Rothlin.

Boreout-Strategien

Einige typische Strategien, um völlige Auslastung vorzutäuschen, die vermutlich jeder schon einmal erlebt oder sogar persönlich angewendet hat, kennzeichnen Boreout. Rothlin und Werden nennen zunächst die "Dokumenten-Strategie“: Man surft durchs Internet, um Privates zu recherchieren. Taucht plötzlich der Chef auf wechselt man blitzschnell auf ein wichtiges Dokument am Bildschirm.

Bei der "Komprimierungsstrategie" erledigt man eine Aufgabe so schnell wie möglich, tut aber so, als sei man tagelang damit beschäftigt. So bleibt Zeit für Privates. Oder das Gegenteil – die "Flachwalzstrategie": Eine Aufgabe wird auf mehrere Tage verteilt, obwohl sie eigentlich schneller zu erledigen wäre.

Häufiger trifft man auch auf die "Pseudo-Burnout-Strategie“, bei der man über die Last der vielen Arbeit stöhnt, die real nicht existiert, aber dazu führt, dass nicht noch mehr Aufgaben hinzu kommen. Besonders hier ähnelt der Boreout dem Burnout. Betroffene tun den ganzen Tag beschäftigt, stöhnen über die viele Arbeit, kommen früh ins Büro und gehen als Letzte. So komisch diese Stratgien klingen mögen, so ernst sind jedoch die Auswirkungen auf die Boreout-Betroffenen. Frustration, Ermüdung, Antriebslosigkeit bis hin zu Depressionen führen dazu, dass er oder sie sich nichts mehr zutrauen und kaum einen Ausweg aus der Situation finden – so finden sie noch mehr Strategien, um möglichst wenig zu arbeiten.

Aktualisiert: 05.01.2017 - Autor: bo

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