Mobbing am Arbeitsplatz

Frau steht mit verschränkten Armen hinter ihrem Kollegen © istockphoto, Tempura

Sie bekommen in letzter Zeit immer wieder Termine erst sehr spät oder nur zufällig mit. Ihr Chef kritisiert Sie seit neuestem nicht nur unter vier Augen, sondern auch beim Team-Meeting. Sie bleiben immer auf den unbeliebten Aufgaben sitzen. Zufälle oder Anzeichen für Mobbing? Wir geben Ihnen Antworten auf Fragen rund um das Thema "Mobbing im Beruf" und erklären die Hintergründe.

Konflikt oder Mobbing?

Der Druck am Arbeitsplatz ist heute so groß wie selten zuvor: Unsicherheit vor der Zukunft, Angst vor Arbeitslosigkeit; ständiger Wettbewerb, massiver Leistungs- und Zeitdruck, die Notwendigkeit, sich permanent auf neue Prozesse, Aufgaben, Hierarchien und Standorte einzustellen.

Das Gebot, flexibel immer wieder den Lebensmittelpunkt zu ändern und neu soziale Netze zu knüpfen. Kein Wunder, dass solch ein Druck sich oftmals auf die Arbeitsbedingungen, das Betriebsklima und die Leistung der Mitarbeiter auswirkt.

Teufelskreis entsteht

Eine mögliche Folge sind Hetzkampagnen gegen einzelne Mitarbeiter. So wie sich Kinder häufig die Schwachen herauspicken und diese "klein halten", so suchen sich auch Erwachsene im Berufsleben immer häufiger Opfer, auf deren Kosten sie den eigenen Druck abbauen oder die Karriereleiter schneller erklimmen können. Die Zeichen von Mobbing sind zunächst subtil.

Oft verselbständigt sich der angestoßene Prozess und viele andere machen mit, oft auch aus Angst, sonst selbst zum Opfer zu werden. Selbst wenn die Anzeichen unübersehbar geworden sind, haben viele Betroffenen lange Hemmungen, um Hilfe zu bitten – man möchte schließlich im Berufsleben nicht als Schwächling dastehen. So entsteht häufig ein Teufelskreis.

Anzeichen von Mobbing

Lassen sich regelmäßig und über einen längeren Zeitraum immer wieder psychische Angriffe erkennen, sollten Sie diese Mobbing-Zeichen ernst nehmen (und frühzeitig entgegensteuern):

  • Mangelnde Kommunikation: Niemand redet mehr mit Ihnen, die Gespräche verstummen, wenn Sie hinzutreten, es werden Gerüchte über Sie verbreitet.
  • Ausgrenzung: Sie werden nicht mehr zu Besprechungen oder gemeinsamen Aktivitäten eingeladen, Projekte werden unter den Kollegen verteilt und Sie erhalten nur das, was übrig bleibt, Sinnloses oder ein Pensum, das nicht zu bewältigen ist.
  • Ungerechtigkeiten: Ihre Arbeitsleistung wird falsch bewertet, Ihnen werden Fehler in die Schuhe geschoben, Ihr Chef kritisiert Sie permanent, Sie können nichts recht machen, Diskussionen werden unsachlich geführt.

Mobbing kann Folgen haben

Die Folgen für das Mobbing-Opfer entstehen auf verschiedenen Ebenen. Zentral ist der Dauerstress, der durch ständige Attacken gegen das Selbstwertempfinden und Sicherheitsgefühl, aber auch infolge der Belastung durch vermehrte und unangenehme Arbeit entsteht. Zunächst treten meist psychosomatische Beschwerden auf: Magen-Darm-Probleme, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, nächtliche Schwitzattacken. Das ständige Schlafdefizit führt zu Konzentrationsstörungen, Abgeschlagenheit und niedergedrückter Stimmung.

Mit der Zeit greift diese auch auf das Privatleben über. Viele Betroffenen haben keine Energie mehr, verlieren den Spaß und das Interesse an der Familie und ihren Hobbys – die Niedergeschlagenheit wandelt sich zu einer richtigen Depression. Oft sehen sie keinen Ausweg mehr aus ihrer Situation und verzweifeln – auch Selbstmordversuche kommen vor. Daneben können auch Störungen des Herz-Kreislauf-Systems auftreten: Herzstolpern oder -rasen, hoher Blutdruck bis hin zu einem Herzinfarkt.

Kein Kavaliersdelikt

Mobbing ist kein Kavaliersdelikt – schließlich hat es für die meisten Opfer ausgeprägte körperliche und psychische Folgen – bis hin zur Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit. Damit entstehen auch betriebswirtschaftliche Folgen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Krankheitsbedingte Ausfälle häufen sich, Leistungsfähigkeit und Qualität der Arbeit sinken.

Aktualisiert: 27.09.2016 - Autor: Dagmar Reiche

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