Venenfitness – Vorbeugung ist gefragt!

Studien in Deutschland haben ergeben, dass nur circa 20 bis 50 Prozent venengesund sind, 25 bis 50 Prozent leichte Krampfadern haben (Varikosen), zehn bis 15 Prozent eine fortgeschrittene Varicosis, fünf bis 15 Prozent eine schwere Varicosis und ein bis vier Prozent ein Unterschenkelgeschwür (Ulcus crusis), bedingt durch chronische venöse Insuffizienz. Diese Zahlen sind alarmierend. Trotzdem werden Besenreiser und Krampfadern häufig noch als kosmetisches Problem verkannt. Und zwar nicht nur von den Betroffenen, sondern auch von vielen Ärzten.

Langes Stehen und Sitzen sind Gift für die Venen

Venenerkrankungen, so Dr. Michael Hutter vom Venenzentrum Braunschweig, sind unbedingt therapiebedürftig, da sie oft chronisch verliefen. Der typische Venenpatient klagt besonders über schwere Beine, Schwellungen in beiden Unterschenkeln, Spannungen und ziehenden Schmerz, nächtliche Wadenkrämpfe und ruhelose Beine. Diese Symptome werden verstärkt durch langes Sitzen oder Stehen, bei Wärme und vor beziehungsweise während der Menstruation.

Beinvenen sind besonders betroffen

Besonders häufig leidet der Venenpatient unter einer Varicosis der Beinvenen. Hier unterscheidet man zwischen der primären und der sekundären Varicosis. Bei der primären Varicosis handelt es sich um eine anlagebedingte Venenerkrankung. Häufig werden diese Erbfaktoren durch äußere Einflüsse verstärkt. Das wichtigste anlagebedingte Risiko ist die Bindegewebsschwäche, die oft familiär auftritt.

Als negativ beeinflussende Faktoren kommen in Betracht: Bewegungsmangel, langes Sitzen, häufiges Stehen über längere Zeit, das Tragen falscher Kleidung und ungünstiges Schuhwerk. Übergewicht sowie chronische Darmträgheit und eine häufige Anzahl von Schwangerschaften. Dabei verlieren die Venen ihre elastische Wandeleigenschaft, was zu einer Aufweitung in Länge und Durchmesser im Sinne einer Krampfader führt.

Bei der sekundären Varicosis sind die Ursachen für diese Erweiterung vorwiegend Verschlüsse in den oberflächlichen oder tiefen Venen. Zu den entzündlichen Venenerkrankungen gehört die Thrombophlebitis superficialis. Hierbei handelt es sich um eine Entzündung der oberflächlichen Venen durch verschiedene Ursachen, zum Beispiel durch giftige Wandschädigung, Karzinome, durch Allergien und Infektionen oder eine Blutvergiftung.

Eine der gefährlichsten venösen Erkrankungen ist allerdings die tiefe Venenthrombose, besonders aufgrund der Gefahr einer drohenden Lungenembolie. Über sechs Prozent der Patienten mit venös bedingten Beinbeschwerden leiden unter einer chronischen Rückflussstauung der unteren Extremität (postthrombotisches Syndrom). Wesentlich für die Entstehung einer Thrombose sind die Wandbeschaffenheit der Venen sowie die Strömungs- und Gerinnungsfaktoren. Besonders häufig treten Thrombosen nach Wandverletzungen und Strömungsverlangsamung des Blutes auf, zum Beispiel durch Ruhigstellung des Patienten.

"Initiative Venengesundheit"

Engagierte Ärzte und Wissenschaftler haben die "Initiative Venengesundheit" gegründet. Gemeinsames Ziel ist es, Ärzte und Betroffene über die Krankheiten des venösen Formenkreises noch besser aufzuklären und Tipps für die Praxis zu geben. In der Behandlung erfordert die Komplexität der venösen Erkrankung ein interdisziplinäres Therapiekonzept. Das Instrumentarium reicht von der operativen Intervention, insbesondere bei größeren Gefäßschädigungen, bis hin zu einem breiten konservativen Spektrum.

Als "Säule der Venentherapie" gilt die Kompressionsbehandlung. Es ist in allen Stadien der Erkrankung sinnvoll, birgt jedoch die Gefahr mangelhafter Bereitschaft des Patienten, bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen mitzuwirken. Deshalb ist gerade bei Venenpatienten eine besonders intensive Betreuung nötig, da auch die psychosozialen Faktoren dieser Krankheit berücksichtigt werden müssen.

Bewegung oberstes Gebot

Entscheidend für den Therapieerfolg ist die Motivation des Patienten zur Mitarbeit. Bewegung steht dabei an erster Stelle, regelmäßige Venengymnastik und viel Laufen stärken die Beinmuskulatur und fördern die Venen-Muskelpumpe. Venenfitness ist natürlich nicht nur Behandlung, sondern vor allem auch Vorbeugung von Venenleiden.

Aktualisiert: 01.08.2017

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