Leistungsdiagnostik: Wie messen?

Welche Messmethoden stehen zur Verfügung?

Puls, Blutdruck und Laktatmessung: Um die Ausdauer und Belastbarkeit der Herz-Kreislauf-Funktion zu testen, sind einfach zu bestimmende Parameter wie Pulsfrequenz, Atmung und Blutdruck geeignet. Da bei Belastung der Sauerstoffbedarf in der Muskulatur ansteigt, erhöhen sich die Atemfrequenz, das Herzschlagvolumen und der Puls. Daneben weiten sich die Gefäße, damit Stoffwechselschlacken wie Milchsäure (Laktat) abtransportiert werden können. Optimales Ausdauertraining findet am so genannten Schwellenpuls statt, der auch als steady state oder aerob-anaerobe Schwelle (ANS) bezeichnet wird. Das ist der Punkt, bei dem sich Puls und Laktatwert auf einen bestimmtes Gleichgewicht einpendeln, bei dem der Muskulatur gerade noch ausreichend Sauerstoff zur Verbrennung und damit Energiegewinnung aus Kohlenhydraten und Fett zur Verfügung steht ("aerob" = mit Luft).

Schwellenpuls und Milchsäurekonzentration

Steigt die Belastung, erhalten die Muskelzellen nicht mehr ausreichend Sauerstoff und müssen ihren Stoffwechsel auf anaerobe Energiegewinnung ("anaerob" = ohne Luft) umstellen; es entsteht vermehrt Laktat und es resultiert schnell Erschöpfung.

  • Der Schwellenpuls und damit das Ausmaß der Anstrengung ist individuell unterschiedlich und hängt vor allem vom Lebensalter und vom Ruhepuls (der bei Kindern, Frauen und Untrainierten höher ist), von der Häufigkeit, mit der trainiert wird und - in Grenzen - von der Sportart ab. Ruhepuls und Pulsänderungen variiere auch je nach Tagesform, Stress, Wetter, Krankheit und Medikamenten. Die Pulsmessung lässt sich auch vom Laien ohne Aufwand und automatisch mit Messgeräten durchführen, die z. B. ans Handgelenk geschnallt werden.
    • Merkmale eines guten Trainings- und Leistungszustandes sind ein niedriger Ruhepuls, ein hoher Schwellenpuls und dass nach Beendigung des Trainings der Puls schnell wieder auf seinen Normalwert absinkt.
    • Der grobe Richtwert für die optimale Pulsfrequenz beim Ausdauertraining liegt bei 180 minus Lebensalter.
  • Die Konzentration der Milchsäure im Blut vor, während und nach der Belastung gibt Aufschluss über die aktuelle Stoffwechselsituation. Zur Messung wird Blut aus dem Ohrläppchen abgenommen. Der Laktatwert wird mit dem jeweiligen Puls in Beziehung gesetzt und in einem Diagramm (Laktatleistungskurve) aufgetragen. Die Beurteilung bleibt Fachleuten z. B. in Sportkliniken überlassen, die anhand des Diagramms die Leistungsfähigkeit ermitteln und spezifische Trainingsvorschläge erarbeiten können.

Ergometrie

Neben den Messungen von Puls, Blutdruck und Laktat kommt als direkte Funktionsmessung die Ergometrie (Belastungs-EKG) zum Einsatz. Bei ihr werden unter Belastung (z. B. auf einem Fahrrad, Laufband oder Stepper) die geleistete Arbeit, die individuelle maximale Leistungsfähigkeit und körperlichen Reaktionen mittels Blutdruck, Puls und Herzstromkurve gemessen. Die Belastung, mit der begonnen wird, und ihre Steigerung bis zu einem definierten Höchstwert ("Ausbelastung") richtet sich nach Geschlecht, Leitungsfähigkeit und evtl. betriebener Sportart. Treten allerdings subjektiv Beschwerden oder Erschöpfung bzw. gefährliche EKG-Veränderungen auf (die auf z. B. Herzprobleme hindeuten), wird die Untersuchung vor der Ausbelastung abgebrochen. Die Ergometrie wird auch zur Nachsorge bei Herzinfarktpatienten eingesetzt.

Borg-Skala

Damit kann das individuelle Anstrengungsempfinden bestimmt werden. Der Proband bewertet auf einer Skala von 6 bis 20 wie schwer er die Arbeit – in Abhängigkeit von seiner subjektiven Atemnot – aktuell empfindet. Diese Empfinden korreliert gut mit den objektiven Messgrößen wie Puls (etwa Borg-Wert mal 10), Sauerstoffaufnahme und Laktatwerten und bietet damit eine gute Möglichkeit, ohne Messgeräte den eigenen Trainingszustand einzuschätzen.

Sonstige Untersuchungen

Es existieren auch noch spezifische Verfahren, mit denen vor allem analysiert wird, wie Herz-Kreislauf-System und Atmung zusammenspielen. Dazu gehört z. B. die Lungenfunktionsmessung, bei der die Atemfrequenz, das Atemminuten- und Atemzugvolumen sowie die Sauerstoffaufnahme bestimmt werden. Sie wird als Spiroergometrie mit der Ergometrie gekoppelt. Da sie aufwändigere Apparaturen erfordern, sind sie eher besonderen Fragestellungen vorbehalten.

In der Leistungsdiagnostik für Ausdauer-Leistungssportler gibt es ein ganze Reihe weiterer Verfahren, die neben oder statt dem etablierten Laktatleistungstest eingesetzt werden und meist eine Weiterentwicklung der Ergometrie bzw. Spiroergometrie sind, bei denen also keine Blutentnahme nötig ist. Dazu gehören beispielsweise der Conconi-Test, PWC-Test, Rampentest, Polar OwnZone-Test oder der isokinetische Maximalkrafttest.

Aktualisiert: 20.01.2017
Autor*in: Dagmar Reiche

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?