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Versorgung Peroneuslähmung

Versorgung Peroneuslähmung

Nach über 30 Jahren als engagierter Orthopädietechniker erstaunt es mich, wie oft ich Menschen mit einer unversorgten Peroneuslähmung begegne. Fast schon schockierend ist es, wie selten die Betroffenen über die Möglichkeit einer Schienenversorgung informiert sind. Aus diesem Grund sollten folgende Informationen jedem Betroffenen zur Verfügung stehen:

1) Eine Peroneusschiene ist kein Heilmittel gegen eine Lähmung, sondern ein sehr effizientes Hilfsmittel zur Steigerung der Lebensqualität im Alltag.

2) Eine Peroneusschiene hebt den Vorfuß mechanisch nach oben und ermöglicht dadurch ein natürliches und sicheres Gehen. Auch Stiegen steigen wird leichter.

3) Man unterscheidet grob zwei unterschiedliche Peroneuslähmungen:
1. Die schlaffe Lähmung (z.B. durchtrennter Nerv)
2. Die spastische Lähmung (z.B. Apoplex/Schlaganfall)
Eine Schienenversorgung ist in beiden Fällen möglich.

4) Die zwei gängisten Arten einer Peroneusschiene sind:
1. Kunststoffschiene mit Fußsohle ohne Gelenk
1. optisch unauffällig
2. Hebekraft nimmt mit der Zeit ab (Materialermüdung)
3. Erhöhter Platzbedarf im Schuh
4. Prinzipiell auch ohne Schuh verwendbar

2. Schiene mit Gelenk und einstellbarer Hebekraft
1. Adaption der Schuhe notwendig (Schiene wird außen mit dem Schuh verbunden)
2. Eine Schiene ist für mehrere Schuhe verwendbar (werkzeugloser Wechsel)
3. Hebekraft ist jederzeit justierbar (Werkzeug notwendig)
4. Drehpunkt der Schiene ist fast kongruent mit der Drehachse des Sprunggelenkes (weniger Hebelwirkung). Auf Grund meiner Erfahrung ein Vorteil.

5) Die Versogung mit einer Peroneusschiene wird in der Regel von einem Facharzt für Orthopädie verordnet und von einem Orthopädietechniker angepasst. Die Kosten werden üblicherweise (bis auf den Selbstbehalt), von der Krankenkasse übernommen.

6) Bei einer Peroneuslähmung beugt eine regelmässige Physiotherapie der Bildung eines Spitzfußes vor.

7) Eine über längere Zeit unversorgte Peroneuslähmung führt zu einem schmerzhaften Genu recurvatuum (Hohlknie, Säbelbein). Neben der persönlichen Beeinträchtigung (Schmerzen) sind die Folgekosten für das Gesundheitswesen um ein vielfaches höher (Schmerzmittel, evtl. Rollstuhl) als die Versorgungkosten für eine Schiene.

8) Nach meiner Erfahrung ist bei jungen Betroffenen, auch bei einer leichten irrreparablen Parese, die Versorgung mit einer Schiene wichtig, da die Spätfolgen nicht ausbleiben (schmerzhaftes Genu recurvatuum).

  • Beitrag vom 27.03.2015 - 17:35

  • Autor*in:

    OT-Technik