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Allergien: alternative Diagnostik & Therapie

Akupunktur gegen Allergien © istockphoto, AndreyPopov

Die fachärztliche Behandlung von Allergien und allergischem Asthma hat in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. In einer Vielzahl wissenschaftlicher Studien sind die guten Wirkungen verschiedener Medikamente eindeutig belegt worden. Auch die spezifische Immuntherapie (Allergie-Impfung) bewährt sich seit langen Jahren. Doch nicht alle Allergiker vertrauen der Schulmedizin. Viele greifen auf alternative Heilverfahren oder alternative Methoden zur Allergiediagnostik zurück.

Zeigt eine alternative Therapie Wirkung?

Der Einsatz alternativer Methoden bei Allergien ist allerdings umstritten. "Alternative Heilverfahren werden in der Regel auch nicht von den Krankenkassen bezahlt, weil meistens ein Wirkungsnachweis fehlt", erklärt der Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA), Professor Wolfgang Czech. Trotzdem sorgen alternative Heil- und Testmethoden wie Pendeln, Eigenblutbehandlung, Bioresonanz- und Bachblüten-Therapie als Wundermittel gegen Allergien immer wieder für Schlagzeilen. Was ist also dran an der alternativen Allergiebehandlung?

Allergologen haben Alternativmethoden unter die Lupe genommen

Die Arbeitsgruppe Komplementärmedizin der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) hat Alternativmethoden nach eingehender Sichtung der dazu vorliegenden wissenschaftlichen Studien bewertet. Mit Ausnahme bewährter Methoden wie Atem- und Physiotherapie, Kneipp'sche Verfahren, Bade- oder Klimatherapie fanden die Experten um den Münchener Allergologen Professor Wolfgang Dorsch fast keine Beweise für eine Wirksamkeit:

Me­­thode Be­­schreibung Wirk­­­nachweis
Aku­punktur Reizung be­stimmter Punkte am Körper durch Nadeln. Kontrol­­lierte Studien belegen Effekte bei leichtem Asthma. Als Er­­gänzung klas­sischer Therapie­­­verfahren der Lungen­­­heilkunde akzeptabel.
Elektro­­­akupunktur nach Dr. Voll Änderungen elektrischer Potenziale an Akupunktur­­­punkten sollen Aufschluss über Krankheits­­­ursachen geben. Bereits 1976 im Beisein von Dr. Reinhold Voll widerlegt.
Behand­lung mit Eigen­blut Venös ent­nommenes Blut wird dem Patienten in einen Muskel gespritzt; in einer homöo­pathischen Variante in Wasser oder Alkohol gelöst zum Trinken gegeben. Kontrollierte Studien zur Wirksam­keit liegen nicht vor. Dagegen kann es nach der Injektion zu schmerzhaften Ent­­zündungen kommen.
Auto­homologe Immun­­therapie nach Dr. Kief Speziell auf­bereitetes Blut oder Urin werden geschluckt, inhaliert oder injiziert. Ein nach­vollziehbarer Wirksamkeits­­nachweis fehlt. Die Methode ist extrem teuer.
Aroma­therapie, Farb­therapie In­halation von duftenden Pflanzen­­essenzen oder Be­strahlung mit farbigem Licht. Auto­­suggestion bzw. Plaze­­bowirkung: harmlos aber wirkungs­los.
Bach-Blüten­therapie Frische Blüten aus­gewählter Pflanzen werden über Nacht in frisches Quell­­wasser gelegt. Die Essenz wird am nächsten Morgen ein­­genommen oder weiter­­verarbeitet. Das tropfen­weise Trinken von Blumen­wasser hat s­ehr wahr­­scheinlich keine Wirkung.
Kinesio­logie Aller­gien werden durch Kontakt von Allergie­­auslösern mit nach­folgender Änderung der Muskel­­spannung nachgewiesen. Widerlegt in einer Doppel­­blindstudie mit einem erfahrenen Kinesio­logen. Die Methode versagte auch bei Nahrung­mittel-Un­ver­träglichkeiten.
Pendeln Allergien werden durch Aus­­pendeln festgestellt. Keine Aussage­kraft, die Methode beruht nur auf Suggestion
Bio­­resonanz und verwandte Techniken Durch den Kontakt mit Allergenen ver­ursachte "ultrafeine Schwin­gungen" bzw. elektrische Phäno­mene sollen mittels eines speziellen Gerätes messbar und auch löschbar sein. Klinische Studien zeigten, dass Bio­­resonanz weder für die Diagnostik noch für die Therapie von Allergien geeignet sind.(2)
Homöo­pathie Ver­wen­dung von sehr stark verdünnten ("potenzierten") Wirkstoffen. Bisher konnten nur für die Pflanze Galphimia glauca in einer bestimmten Verdünnung Hinweise auf Wirksam­­keit bei Heu­schnupfen gezeigt werden.
Tradition­elle Chine­sische Medizin Verwen­dung von traditionell über­lieferten Mischungen von Heil­pflanzen. Die kom­plexen Mischungen enthalten oft Dutzende Wirkstoffe, teilweise mit Wechsel­­wirkungen, die eine wissen­schaftliche Beurteilung erschweren. Es gibt sowohl Hinweise auf Wirksam­­keit als auch auf schwere Neben­wirkungen.

Wirksamkeit alternativer Methoden ist umstritten

"Alternative Methoden sind keine wirkliche Alternative. Sie können die klassische Therapie nicht ersetzen", sagt ÄDA-Präsident Professor Czech. Ein ausreichender Wirknachweis bei Allergien liegt nach Ansicht des Facharztes bisher nicht vor. "Die Betroffenen sollten unbedingt auch einen Allergologen aufsuchen. Bei Heuschnupfen sind Antihistamin-Tabletten zur Linderung der Symptome sowie Kortison-Nasensprays zur Entzündungshemmung sehr empfehlenswert. Außerdem kann die Allergieursache mit einer spezifischen Immuntherapie (Allergie-Impfung) wirksam und langfristig bekämpft werden. "Danach sind die meisten Patienten weitgehend beschwerdefrei", so Professor Czech.

Quellen:

Dorsch, W., Ring, J.: Komplementärmethoden oder sogenannte Alternativmethoden in der Allergologie. Allergo Journal 3: 163-170, 2002.

Wüthrich B et al.: Bioresonanz ­ diagnostischer und therapeutischer Unsinn. Allergo Journal 15: 338-343, 2006.

Aktualisiert: 09.05.2017 – Autor: Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V. (ÄDA)

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