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Blindheit hier und in der Welt

Blind im Sinne des Gesetzes ist in Deutschland ein Mensch, wenn er selbst mit Brille oder Kontaktlinsen unter 2% dessen sieht, was ein normal sehender Mensch erkennt. Als "sehbehindert" wird ein Mensch eingestuft, der mit Brille oder Kontaktlinsen über weniger als 1/3 des Sehvermögens normal sehender Menschen verfügt.

Blindheit und Geschlecht

Blindheit und Sehbehinderung betrifft Männer wie Frauen gleichermaßen. Bei allen Altersgruppen bis ca. 60 Jahre ist die Verteilung der Blindheitsfälle gleich. Da die Relation der Geschlechter mit zunehmendem Alter sich aber zu Gunsten der Frauen verschiebt, sind aber mehr als 2/3 der in der Altersgruppe 60+ von Blindheit und Sehbehinderung betroffenen Personen weiblich!

Blindheit in Deutschland

In Deutschland leben rund 145.000 blinde und über 500.000 sehbehinderte Menschen. Hier eine Tabelle der Altersverteilung in verschiedenen Altersgruppen.

Alters­gruppe Alters­verteilung in Prozent Alters­verteilung absolut
<18 6% 8.700
18-30 7% 10.150
30-60 17% 24.650
60-80 32% 46.400
>81 38% 55.100

Blindheit weltweit

Weltweit gibt es rund 37 Millionen blinde und 124 Millionen sehbehinderte Menschen. Alle 5 Sekunden erblindet ein Mensch auf der Erde. 90% der blinden Menschen leben in den Entwicklungsländern. Dort haben die Menschen ein 10-mal höheres Risiko, zu erblinden als in den Industrieländern.

Grund dafür ist vor allem die Armut und die damit einhergehende mangelnde medizinische Versorgung, auch auf dem Gebiet der Augenheilkunde. So ist ein Augenarzt in Afrika statistisch gesehen für eine Million Menschen zuständig, in Deutschland für rund 13.000.

Blindheit in Entwicklungsländern

Blindheit in den Entwicklungsländern bildet den Ansatz für einen Teufelskreis. Denn 90 % der blinden Kinder bleibt der Schulbesuch verwehrt und 80 % der blinden Erwachsenen sind aufgrund fehlender Ausbildungsmöglichkeiten ohne Arbeit. Sie und ihre Familien haben deshalb kaum eine Chance, der Armut zu entkommen.

Dabei wären 75% der Erblindungen weltweit vermeidbar. Denn es sind Augenkrankheiten, die durch einfache Mittel zu vermeiden oder heilbar sind und deshalb in unseren westlichen Industrienationen ohne schwerwiegende Folgen bleiben, in den armutsgeprägten Entwicklungsländern aber die häufigsten Ursachen für eine Erblindung darstellen.

Ursachen für Blindheit in Mitteleuropa

Nach WHO-Angaben wird die Blindheit in Mitteleuropa durch folgende Krankheiten verursacht:

  • Altersabhängige Makuladegeneration 50%
  • Grüner Star (Glaukom) 18%
  • Diabetische Retinopathie 17%
  • Grauer Star (Katarakt) 5%
  • Hornhauttrübungen 3%
  • Erblindung in Kindheit 2,4%
  • Andere Ursachen 4,6%.

Grauer Star (Katarakt)

Vorkommen: Rund 17 Millionen Menschen – vor allem in Asien und Afrika – sind daran erblindet. Damit ist Grauer Star weltweit die häufigste Blindheitsursache.

Ursachen: Zum einen der Altersstar, meist hervorgerufen durch Stoffwechselerkrankungen und Alterung des Gewebes, zum anderen kann er aber auch angeboren oder vererbt sein (u. a. durch Röteln der Mutter in der Schwangerschaft) oder durch Verletzungen entstehen.

Behandlung: Starblinden Menschen – immerhin die Hälfte aller Blinden – kann durch eine Operation das Augenlicht wiedergegeben werden. Dabei wird die hinter der Pupille liegende, lichtundurchlässig gewordene Linse entfernt. Mit einer Starbrille bzw. der Implantation einer künstlichen Linse können die Operierten wieder sehen. Durchschnittliche Kosten: 30 Euro, bei Kindern rund 125 Euro. In CBM-geförderten Hospitälern (CBM = Christoffel-Blindenmission) wurden vergangenes Jahr über 600.000 Star-Operationen durchgeführt.

Trachom

Vorkommen: 84 Millionen Kinder, Frauen und Männer in Afrika, Südostasien, Zentral- und Südamerika sowie im Mittleren Osten leiden unter einer Trachominfektion. 1,3 Millionen Menschen sind daran bereits unheilbar erblindet.

Ursache: Eine Infektion, begünstigt durch Wassermangel, Hygieneprobleme, unzureichende Gesundheitsvorsorge, Armut sowie massives Auftreten von Fliegen, die diese Krankheit übertragen. Zehn bis 20 Jahre nach Ausbruch der Krankheit bilden sich am Augenlid Narben, durch die die Wimpern einwärts wachsen und auf der Hornhaut scheuern. Dies führt zur Vernarbung und Trübung der Hornhaut und schließlich zur Erblindung.

Behandlung: Vorbeugende Behandlung der Infektion im Anfangsstadium durch regelmäßiges Gesichtwaschen und Tetracyclin-Augensalbe. Ist die Krankheit weiter fortgeschritten, hilft eine kleine Lid-Operation. Kosten: etwa 15 Euro. Bleibt ein Trachom unbehandelt, muss der Patient erblinden. Mithilfe der CBM wurden vergangenes Jahr rund 800.000 Menschen auf Trachom untersucht und behandelt.

Grüner Star (Glaukom)

Vorkommen: Weltweit sind ca. 4,5 Millionen Menschen erblindet.

Ursache: Überwiegend zu hoher Augeninnendruck, der den Sehnerv schädigt. Der Betroffene spürt zunächst keine Schmerzen, deshalb wird der Grüne Star oft erst bemerkt, wenn die Zerstörung des Sehnervs schon fortgeschritten ist.

Behandlung: Vorbeugende Untersuchungen (Messung des Augeninnendrucks mit Tonometer) Augentropfen, Operation. Ein bereits aufgetretener Sehverlust ist nicht mehr rückgängig zu machen.

Flussblindheit (Onchozerkose)

Vorkommen: In West- und Zentralafrika, Südamerika, Teilen der arabischen Halbinsel. 290.000 Menschen sind unheilbar erblindet.

Ursache: Beim Stich der blutsaugenden Simulium-Fliege (Schwarze Fliege genannt) werden Larven auf den Menschen übertragen, die bis zu zwölf Jahre leben und Millionen von mikroskopisch kleinen Würmern (Mikrofilarien) freisetzen. Diese wandern im Körper umher bis ins Auge und zerstören den Sehnerv.

Behandlung: Vorbeugend mit dem Medikament Mectizan. Es muss zehn Jahre lang regelmäßig ein- bis zweimal jährlich eingenommen werden. CBM verteilt Mectizan in enger Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Kosten: Etwa ein Euro pro verteilter Tablette.

Im Rahmen der flächendeckenden Behandlung der Onchozerkose erreichten Mitarbeiter aus den Partnerprojekten bereits rund 3,3 Millionen Menschen. Unbehandelt kann Onchozerkose zur Blindheit führen.

Vitamin-A-Mangel (Kinderblindheit)

Vorkommen: In Entwicklungsländern erblinden jährlich zwischen 350.000 und 500.000 Kleinkinder. Viele von ihnen sterben binnen weniger Jahre nach der Erblindung. Insgesamt sind 1,4 Millionen Kinder blind.

Ursachen: Einer der Gründe ist ernährungsbedingter Vitamin-A-Mangel (Xerophthalmie). Er führt zur Erweichung und Trübung der Hornhaut mit Blindheit als Folge. Beschleunigt wird der Vorgang z.B. durch Masern, weil diese Infektionskrankheit viel Vitamin A verbraucht.

Behandlung: Vitaminreiche Ernährung und vorbeugende Einnahme von Vitamin-A-Kapseln. Die Verteilung einer Kapsel kostet 1 Euro. Erblindet ein Kind durch Xerophthalmie, ist sein Augenlicht unwiederbringlich verloren. Insgesamt wurden von CBM rund 830.000 Vitamin-A-Kapseln verteilt.

Aktualisiert: 16.11.2016 – Autor: Woche des Sehens

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