Irisdiagnostik – Kritische Betrachtung

Irisdiagnostik ist als Diagnoseverfahren stark umstritten. Welche Kritikpunkte dabei besonders häufig vorgebracht werden und wie die Kritik an der Irisdiagnostik einzuschätzen ist, erfahren Sie im Folgenden.

Berechtigte Kritik der Schulmedizin

Unter Schulmedizinern findet die Irisdiagnostik keine Anhänger. Ganz im Gegenteil weisen Ärzte und Wissenschaftler immer wieder darauf hin, das bereits die Idee, die der Irisdiagnostik zugrunde liegt, völlig falsch ist und jeder wissenschaftlichen Basis entbehrt.

Es gibt keine Nervenbahnen, die den ganzen Körper mit der Iris verbinden. Farbflecken und unterschiedliche Strukturen, die in der Irisdiagnostik von vermeintlicher Bedeutung sind, sind normale Variationen der gesunden Iris und keine eigenständigen Krankheitszeichen.

Natürlich gibt es zahlreiche krankhafte Veränderungen der Iris. Dazu gehören angeborene "Löcher" in der Iris, die sogenannten Iriskolomben, ebenso wie bösartige Tumore der Iris. Diese Veränderungen sind aber eigenständig und keine Zeichen für Veränderungen anderer Organe.

Irisdiagnostik – seitenverkehrte Zuordnung?

Der zweite große Kritikpunkt der Schulmediziner liegt in der Zuordnung der Körperhälften zur Iris. Eine direkte Abbildung des Organismus auf der Iris ist schon deshalb nicht möglich, weil sich die Nervenbahnen des Rückenmarks nach dem Eintritt ins Gehirn überschneiden und damit genau spiegelverkehrt laufen.

Die Behauptung der Irisdiagnostiker, die rechte Körperhälfte projiziere sich auf die rechte Iris, die linke Körperhälfte auf die linke Iris, hat somit keine anatomische Grundlage.

Warnungen des wissenschaftlichen Beirats

Kritik an der Irisdiagnostik gibt es auch deshalb, weil die diagnostischen Grundlagen nicht einheitlich sind und sich in wiederholten Versuchen die Vertreter der unterschiedlichen irisdiagnostischen Lehrmeinungen bei gleichen Patienten zu sehr unterschiedlichen Diagnosen kamen. Die Positionen der Organe finden sich auf den 20 verschiedenen Iriskarten, die zur Diagnose im Umlauf sind, jeweils an unterschiedlichen Stellen.

Der wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer warnt deshalb vor diesem Verfahren und die Variante der Pupillendiagnostik, weil Fehldiagnosen wahrscheinlich sind. Mehr noch: Es gibt eine Reihe von gerichtlich belegten Fällen, in denen Fehldiagnosen durch Irisdiagnostik zum Tod des Patienten geführt haben.

In mehreren klinischen Studien konnte zudem nicht nachgewiesen werden, dass die Treffsicherheit der Irisdiagnostik höher ist als die Zufallserwartung.

Auch die Krankenkassen unterstützen dieses diagnostische Verfahren nicht: Unisono sind sie der Meinung, dass die Gemeinschaft der Versicherten nicht mit den Kosten für ein Verfahren belastet werden soll, das nachweislich keine Aussagen über den Gesundheitszustand zulässt.

Fazit: Irisdiagnostik sollte nie einziges Diagnoseverfahren sein

Ob blau, grün, braun, gesprenkelt oder gefleckt: Die Iris ist das individuelle Merkmal jedes einzelnen Menschen. Sie ist so unverwechselbar wie der Fingerabdruck und wird gerade deshalb in der Sicherheitstechnologie als eindeutiges Identifikationsmerkmal eingesetzt.

Das wäre völlig unmöglich, wenn sich die Iris je nach Gesundheitszustand verändern würde. Sowohl Anatomie der Iris als auch ihre Struktur bleiben aber genau wie die Handlinien stabil.

Die Irisdiagnostik an sich ist nicht gefährlich – das Auge wird mit einer Lupe betrachtet oder fotografiert. Wer sich allerdings auf Irisdiagnostik als einziges diagnostisches Verfahren verlässt, der läuft Gefahr, Krankheiten zu übersehen und seine Gesundheit zu gefährden.

Aktualisiert: 14.05.2019
Autor*in: Susanne Köhler

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