Nachtfahrbrillen – nützlich oder gefährlich?

Immer wieder wird für Brillen geworben, die das Sehvermögen bei ungünstigen Sichtverhältnissen, zum Beispiel bei Nacht, mit Hilfe von Filtergläsern deutlich verbessern sollen. Brillen mit gelb gefärbten Gläsern, wie sie auch unter Skifahrern beliebt sind, werden bisweilen als sehverbessernd bei schlechten Lichtverhältnissen angeboten. Der Gelbfilter gefärbter Brillengläser lässt den Eindruck entstehen, heller und damit besser zu sehen. Doch was ist an diesen "Nachtbrillen" für im Auto dran? Wissenschaftler der Universitäts-Augenklinik Tübingen sind dieser Frage nachgegangen.

"Nachtsichtbrillen" im Test

Die Wissenschaftler überprüften, ob durch solche Spezialbrillen tatsächlich eine Verbesserung des Dämmerungs- oder Nachtsehens erreicht werden kann. Die Studie wurde in der Zeitschrift für praktische Augenheilkunde und Augenärztliche Fortbildung (ZPA), 23. Jahrgang: Seite 207-211 im Mai 2002 publiziert.

"Nachtfahrbrillen"-Test: Die Untersuchung

Um gleiche Voraussetzungen zu schaffen, wurden qualitativ hochwertige, unterschiedlich stark getönte Gelbfilterbrillen gegen eine Klarglasbrille getestet. Als Probanden dienten sowohl normalsichtige als auch Personen mit eingeschränktem Sehvermögen.

Die Untersuchung wurde in einem abgedunkelten Raum vorgenommen. Dem Arzt wurden die Brillen in einem verschlossenen Behälter gereicht, sodass dieser nicht feststellen konnte, in welcher Reihenfolge er die Gläser an den Probanden testete.

Mit jeder Brille absolvierte nun der Proband einen Sehtest mit und ohne Blendung am Mesoptometer, einem Spezialgerät zur Messung des Kontrastsehens bei Dämmerung oder Dunkelheit.

Brille für die Nachtfahrt? Ergebnisse der Untersuchung

Weder die Dämmerungssehschärfe noch die Blendempfindlichkeit lassen sich mit den getönten Spezialbrillen verbessern. Mitunter verschlechtert sich mit diesen Brillen sogar die Sicht.

Die Tübinger Experten raten deshalb vom Kauf solcher Brillen ab. "Bei Problemen sollte man lieber den Augenarzt aufsuchen und einen Sehtest machen", mahnt Dr. Helmut Wilhelm, Oberarzt in der Tübinger Augenklinik, "er kann prüfen, ob eine (neue) Brille nötig ist, oder ob eine Störung vorliegt, die das Nachtsehen beeinträchtigt."

Aktualisiert: 28.01.2019 - Autor: Universitätsklinikum Tübingen Augenklinik

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