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Akute Pankreatitis

Mann mit Pankreatitis hält sich den Bauch © derneuemann

Unter einer Pankreatitis versteht man die akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Man unterscheidet akute und chronische Verlaufsformen. Im Folgenden finden Sie Informationen über die akute Pankreatitis. Diese wird definiert als plötzlich auftretende Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die einmalig oder auch mehrmals auftreten kann.

Gallensteine als Ursachen der akuten Pankreatitis

Die Ursache der akuten Pankreatitis liegt darin, dass die vom Pankreas produzierten Verdauungs-Enzyme bereits im Pankreas selbst wirksam werden (statt im Darm) und das Gewebe angreifen. Es kommt praktisch zur Selbstverdauung des Organs.

Am häufigsten wird eine akute Pankreatitis durch Gallensteine verursacht. Der Ausführungsgang der Gallenblase (Ductus choledochus) mündet gemeinsam mit dem Ausführungsgang des Pankreas (Ductus pancreaticus) in den Zwölffingerdarm (Duodenum).

Wenn Gallensteine abgehen, können diese den Gang verstopfen, sodass es auch zu einem Rückstau des Pankreassekrets kommt. Da sich die Gallenflüssigkeit ebenfalls zurückstauen kann, ist auch ein Ikterus (Gelbsucht) möglich.

Weitere mögliche Auslöser

Eine weitere häufige Ursache ist der Alkoholmissbrauch.

Seltenere Ursachen der akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse sind:

  • Verletzungen am Pankreas
  • Infektionen (Mumps und andere Viruserkrankungen)
  • Störungen im Fettstoffwechsel oder Mineralhaushalt
  • Medikamente
  • Gefäßerkrankungen
  • Missbildungen oder mechanische Hindernisse (Tumor oder Stenose an der Mündungsstelle, Narben, Askariden)

Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung: Verlauf

Durch den Rückstau des Sekrets werden die Enzyme, die normalerweise in den Darm ausgeschüttet würden, am falschen Ort aktiviert. Diese Enzyme sollen Nahrungsbestandteile aufspalten. Die verfrühte Aktivierung führt dazu, dass die Bauchspeicheldrüsen-Zellen angedaut werden. Auch Blutgefäße können angegriffen werden und es kann zu Blutungen kommen. Dem Körper geht durch diese Prozesse viel eiweißreiche Flüssigkeit und Blut verloren und es kann zu einem Schockzustand kommen.

Außerdem können die aktivierten Enzyme in den Blutkreislauf übertreten. Sie werden so im Körper verteilt und können an anderen Organen Schäden anrichten. In der Bauchhöhle entstehen eine Irritation des Darms bis hin zum paralytischen Ileus und eine Peritonitis.

Im Pankreas selbst kommt es zu einem Ödem des Gewebes oder sogar zur Nekrose. Mit 60 Prozent kommt die ödematöse Form am häufigsten vor. In 30 Prozent der Fälle kommt es zu teilweisen Nekrosen, in 10 Prozent der Fälle zur kompletten Nekrose. Je stärker die Nekrosen ausgeprägt sind, desto mehr Komplikationen treten auf und desto höher ist das Risiko an einer Pankreatitis zu sterben.

Nach der akuten Phase muss die Ursache der Pankreatitis beseitigt werden, um einer erneuten Entzündung vorzubeugen (zum Beispiel Entfernung der Gallenblase, wenn Gallensteine die Ursache waren).

Symptome der akuten Pankreatitis

Die akute Pankreatitis zeigt sich als "akuter Bauch". Typische Symptome der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung sind:

  • plötzlich auftretende starke Schmerzen im Oberbauch (oft gürtelförmig mit Ausstrahlung in den Rücken)
  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • Blähungen
  • gerötetes Gesicht

Herzklopfen, beschleunigter Puls, Blutdruckabfall und Schwäche sind Zeichen eines beginnenden Schocks.

Die Patienten sehen schwer krank aus, der Bauch ist prall-elastisch und druckschmerzhaft. Bei gleichzeitigem Ileus sind die Darmgeräusche vermindert. Die Bindehaut des Auges kann als Ausdruck einer begleitenden Gelbsucht gelblich verfärbt sein. Im Blutserum sind die Pankreasenzyme a-Amylase und Lipase erhöht.

Diagnostik bei einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse

Die Diagnose erfolgt meist über Ultraschall: Das Pankreas ist angeschwollen; eventuell vorhandene Gallensteine sind erkennbar. Wenn der Ultraschall nicht aufschlussreich genug ist, kann ein CT mit Kontrastmittel durchgeführt werden.

Um andere mögliche Ursachen für ein akutes Abdomen auszuschließen, wird jeweils ein Röntgenbild von Brust und Bauchraum erstellt. Bei Nachweis von Gallensteinen wird frühzeitig ein ERC durchgeführt.

Heilungschancen und Prognose

Der Verlauf ist umso schwerer, je mehr Nekrosen und Komplikationen auftreten.

Bei der ödematösen Form ohne Komplikationen liegt die Sterblichkeit bei fünf Prozent. Bei teilweisen Nekrosen und ein oder zwei Komplikationen liegt die Sterblichkeit bereits zwischen 25 und 50 Prozent. Bei totaler Nekrose und drei bis vier Komplikationen steigt die Sterblichkeit auf 80 bis 100 Prozent an.

Wird die akute Pankreatitis überstanden und die auslösende Ursache beseitigt, heilt die Krankheit in der Regel aus. Allerdings können Narben und Zysten zurückbleiben und die Funktion des Organs einschränken.

Komplikationen bei akuter Pankreatitis

Die möglichen Komplikationen der akuten Pankreatitis sind vielfältig und gefürchtet:

  • Schock durch Flüssigkeitsverlust
  • akutes Nierenversagen
  • akutes Lungenversagen
  • Sepsis
  • Bildung eines Abszesses
  • Nekrosen an benachbarten Organen
  • Blutungen im Magen-Darm-Trakt (Blut, das aus dem Pankreas in den Darm fließt; Stressblutungen im Magen)

Behandlung einer akuten Pankreatitis

Die Behandlung der akuten Pankreatitis muss im Krankenhaus, bei schwerem Verlauf sogar auf der Intensivstation erfolgen, da die Patienten sorgfältig überwacht werden müssen.

Die Therapie besteht in Bettruhe und Verbot von Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Bei Erbrechen, Ileus und Komplikationen wird eine Magensonde gelegt. Die Patienten erhalten Schmerzmittel, bei Bedarf Antibiotika. Bei schweren Verläufen kann eine Operation zur Entfernung von abgestorbenem Gewebe notwendig werden.

Wann ein Patient mit akuter Pankreatitis wieder essen darf, ist unterschiedlich. Es wird langsam mit Tee und Zwieback begonnen, dann folgt leichte Kost (kein Fett, Kaffee, Alkohol).

Aktualisiert: 06.09.2019

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