Prostatavergrößerung – Diagnose und Therapie

Eine Vergrößerte Prostata ist für den Arzt mittels verschiedener Untersuchungen eindeutig zu erkennen. Wir erklären, welche Behandlungsmöglichkeiten bei welchen Symptomen angesagt sind und wann eine Operation notwendig ist. Außerdem können Sie selbst aktiv werden, und mit einigen Tipps einer Vergrößerung der Prostata vorbeugen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Zur Diagnosefindung wird der Arzt zunächst die Krankengeschichte (inklusive eingenommener Medikamente) erheben und genau nach den Beschwerden und der Häufigkeit des Wasserlassens tagsüber und nachts fragen. Vielfach wird dafür ein standardisierter Fragebogen verwendet.

Es schließt sich eine Tastuntersuchung der Prostata über den Enddarm an, oft gekoppelt mit einem Ultraschall sowohl über den Enddarm als auch die Bauchdecke. So können gleichzeitig die Nieren und Harnblase beurteilt und der Restharn bestimmt werden.

Dazu werden das Blut und der Urin untersucht, auch um bösartige Veränderungen auszuschließen.

Je nach Bedarf schließen sich weitere Test an, so zum Beispiel die Blasenspiegelung (Zystoskopie) oder eine Röntgenuntersuchung (Ausscheidungsurogramm). Bei der Harnstrahlmessung prüft der Arzt die Stärke des Harnstrahls.

Welche Therapie gibt es?

Die Behandlung richtet sich nach den Symptomen und den Untersuchungsbefunden, vor allem der Messung des Harnstrahls. Bei nur leichten Beschwerden ist "watchful waiting" (abwarten und regelmäßig kontrollieren) angezeigt bei etwa einem Drittel der Männer bessern sich diese im Lauf der Zeit spontan wieder. Beim zweiten Drittel bleiben die Prostataprobleme konstant, beim Rest verschlechtern sie sich zusehends.

Behandlung mit rezeptfreien und pflanzlichen Präparaten

Bei leichter Symptomatik haben nebenwirkungsarme und pflanzliche Arzneimittel, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt, ihren Platz. Dazu gehören Extrakte der Brennnesselwurzel, Sägepalmenfrüchte, Kürbissamen und Roggenpollen.

Die Pflanzenextrakte wirken abschwellend und entzündungshemmend, verhindern aber nicht das Wachstum der Prostata. Allerdings können sie den Zeitpunkt einer Operation, bei der das überschüssige Prostatagewebe herausgeschält wird, hinausschieben.

Einnahmetipp: Die Präparate wirken nicht sofort, sondern müssen über mehrere Wochen eingenommen werden, um einen Effekt zu erzielen. Auf jeden Fall sind regelmäßige Kontrollen beim Urologen wichtig.

Behandlung mit verschreibungspflichtigen Mitteln

Bei deutlichen Symptomen wird der Arzt Alpha-Blocker (mit den Wirkstoffen Doxazosin, Prazosin, Terazosin oder Tamsulosin) verschreiben. Diese wirken auf den Blasenhals, die Harnröhre und die Muskulatur in der Prostata entspannend und erleichtern so das Wasserlassen. Ihr Pluspunkt: Die Wirkung setzt augenblicklich ein. Als Nebenwirkungen der Medikamente sind vor allem Kreislaufstörungen und Schwindel bekannt.

Ist das Prostatagewebe deutlich vergrößert, kommt Finasterid zum Einsatz. Dieses greift in den Hormonstoffwechsel der Vorsteherdrüse ein: Es verhindert die Umwandlung des Hormons Testosteron in Dihydrotestosteron. Die Symptome werden nach mindestens sechsmonatiger Einnahme deutlich gebessert; allerdings sprechen nur rund die Hälfte der Männer auf die Therapie an.

Operation der Prostata

Schlagen die Medikamente nicht mehr an und werden die Symptome sehr belastend, ist eine Operation unumgänglich bei Harnverhalt, Überlaufblase, Nierenstauung und -schädigung ist sie zwingend erforderlich. Ziel ist es, das wuchernde Gewebe zu entfernen, die eigentliche Prostatakapsel bleibt erhalten. Man kann sich das wie bei einer Orange vorstellen: Das Fruchtfleisch wird ausgeschält, die Schale bleibt.

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Operationsmethoden; welche geeignet ist, muss der Fachmann entscheiden. Besonders häufig wird die transurethrale Resektion (TURP) vorgenommen, bei der das Gewebe durch eine, durch die Harnröhre eingeführte, elektrische Schlinge abgehobelt wird. Eine neuere Methode ist das schonendere Verdampfen des Prostatagewebes mittels eines Lasers im grünen Lichtbereich (Greenlight-Laser).

Eine Operation sollte man in großen Spezialkliniken vornehmen lassen, um Risiken gering zu halten. Dennoch ist die BPH-Operation heute ein Routineeingriff.

Was kann ich selbst tun?

Einige Studien lassen einen Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Prostatavergrößerung vermuten. Besonders bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe sollen einer Vergrößerung (Polyphenole, zum Beispiel in Trauben, Granatäpfeln, Gewürzen) oder sogar dem Prostatakrebs (Phytoöstrogene, zum Beispiel in Spinat, Brokkoli, Sojabohnen und Carotinoide, zum Beispiel in Karotten, Tomaten, grünem Gemüse) vorbeugen können.

Falls Sie bereits unter leichten Beschwerden leiden, können folgende Tipps diese lindern:

  • Tragen Sie bequeme Unterwäsche aus Naturfasern.
  • Geben Sie dem häufigen Harndrang nach – sonst besteht die Gefahr, dass die Blase überfüllt und überdehnt wird und sich damit die Beschwerden verstärken.
  • Achten sie auf regelmäßigen Stuhlgang – so entsteht nicht noch zusätzlicher Druck auf die Harnwege.
  • Sitzen Sie nicht zu lange, sondern stehen und gehen Sie zwischendurch immer mal wieder.

Vergrößerung und Krebs – Risiko erhöht?

Nach bisherigen Erkenntnissen besteht kein direkter Zusammenhang zwischen der Entstehung einer gutartigen Vergrößerung und einer bösartigen Krebsgeschwulst der Prostata. In der Regel geht das gutartige Wachstum von den inneren Anteilen der Vorsteherdrüse aus, während die Keimzelle des Prostatakrebs in den äußeren Drüsenläppchen sitzt.

Es ist aber möglich, dass beide Krankheiten zufällig gleichzeitig oder zeitlich hintereinander auftreten. Ein Prostatakarzinom kommt zwar viel seltener vor als eine gutartige BPH, eine frühzeitige Erkennung und Abklärung durch den Arzt ist jedoch von großer Bedeutung.

Es ist daher wichtig, ab dem 45. Lebensjahr regelmäßig die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. So können Frühschäden rechtzeitig erkannt werden. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Aktualisiert: 11.10.2018
Autor*in: Dagmar Reiche

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