Die Nebennieren – Hormonfabrik im Westentaschenformat

Nebennieren (anatomisches Modell)
© istockphoto, Ben-Schonewille

Wussten Sie, dass die Nebennieren nur deshalb so heißen, weil sie neben den Nieren liegen? Ansonsten haben beide Organe wenig miteinander zu tun: Die Nieren produzieren unseren Harn und regulieren Blutdruck sowie Säure-Basen-Haushalt; die Nebennieren hingegen stellen Hormone her.

Wie sehen die Nebennieren aus und wo liegen sie genau?

Der lateinische Name der Nebenniere, Glandula suprarenalis, bedeutet wörtlich "Drüse über der Niere". Beim Menschen sitzen die beiden Nebennieren wie kleine Kappen oben auf den Nieren. Sie wiegen jeweils etwa fünf bis zehn Gramm und sind ungefähr so groß wie zwei Streichholzschachteln. Gemeinsam mit den Nieren sind sie in eine Fettkapsel (Capsula adiposa renis) und Bindegewebe (Fascis renis) gebettet.

Die Nebennieren bestehen aus Rinde (Cortex glandulae suprarenalis) und Mark (Medulla glandulae suprarenalis), die verschiedene Aufgaben erfüllen. Die Nebennierenrinde macht etwa vier Fünftel des gesamten Gewichts der Nebennieren aus und kann nach ihrem Aussehen in drei Schichten unterteilt werden:

  • Ganz außen liegt die Zona glomerulosa, in der die einzelnen Zellen in Haufen angeordnet sind.
  • Darauf folgt die Zona fasciculata, in der die Zellen Stränge oder parallele Bündel bilden.
  • Die innerste Schicht, Zona reticularis, ist wie ein Netz aufgebaut.

Die Nebennierenrinde umschließt das Nebennierenmark (Medulla glandulae suprarenalis). Das Mark gehört zum sympathischen Nervensystem und enthält neben hormonproduzierenden Zellen auch Nervenzellen.

Welche Funktionen haben die Nebennieren?

Der römische Anatom Bartholomeus Eustachius entdeckte und benannte die Nebennieren bereits 1564, doch erst mehr als drei Jahrhunderte später waren auch all ihre Funktionen bekannt: Die vier verschiedenen Zonen der Nebennieren sind auf die Produktion unterschiedlicher Hormone spezialisiert.

Multitalent Nebennierenrinde

Allein die Nebennierenrinde produziert über 40 verschiedene Hormone. Die drei wichtigsten sind Aldosteron, Kortisol und die Androgene. Gesteuert wird die Nebennierenrinde über hormonelle Regelkreise, allen voran über Hypothalamus und Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) im Gehirn.

Ganz außen, in der Zona glomerulosa, wird der Baustein Cholesterol zu Aldosteron umgewandelt. Dieses Mineralkortikoid regelt zusammen mit dem Renin-Angiotensin-System den Natrium- und Kaliumgehalt unseres Körpers und ist für den Flüssigkeits- und Salzhaushalt wichtig. Aldosteron bewirkt, dass die Nieren verstärkt Natrium und damit auch Wasser zurückgehalten. Dadurch beeinflusst es den Blutdruck (vereinfacht: je mehr Wasser und Natrium im Körper verbleiben, desto höher wird der Blutdruck).

Die Zona fasciculata stellt Glukokortikoide wie das vielseitige Kortisol her: Es erhöht die Neubildung von Zucker, baut Fette und Eiweiße ab. So erhält der Körper mehr Energie. Daneben hemmt Kortisol Entzündungen, da es die Reaktionen des Immunsystems unterdrückt. Kortisol ist eng verwandt mit Kortison, das zum Beispiel bei allergischen oder entzündlichen Reaktionen als Medikament eingesetzt wird.

Aus der Zona reticularis kommen die Androgene. Im Körper werden Androgene in das Geschlechtshormon Testosteron umgewandelt, das beim Mann Funktion und Wachstum von Penis und Hoden fördert und die Produktion der Spermien reguliert. Anders als Aldosteron und Kortisol werden allerdings nur fünf Prozent der Androgene in der Nebennierenrinde erzeugt, den Rest produzieren die Hoden.

Stress-Organ Nebennierenmark

Das Nebennierenmark ist Teil des sympathischen Nervensystems. Hier werden aus der Aminosäure L-Tyrosin die Katecholamine Adrenalin (= Epinephrin), Noradrenalin (= Norepinephrin) und Dopamin hergestellt. Katecholamine werden auch Stresshormone genannt, da sie im Körper vor allem bei Stress-Situationen aktiv sind: Blutdruck und Herzfrequenz steigen an, der Blutzuckerspiegel und die Schweißsekretion sind erhöht, die Darmtätigkeit wird gebremst und die Atemwege erweitert. Das ist nützlich bei einem Angriff wilder Tiere oder Straßenräuber, im Alltag, zum Beispiel vor einer Prüfung oder einer Ansprache, eher kontraproduktiv.

Aktualisiert: 12.07.2017
Autor*in: Nathalie Blanck

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